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China als Absicherung gegen US-Technologieaktien im Portfolio

Globale Anleger suchen Schutz vor Klumpenrisiken im US-Tech-Sektor – und stoßen dabei zunehmend auf China als unerwartete Alternative.

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China als Absicherung gegen US-Technologieaktien im Portfolio

Wer sein Portfolio gegen Schwankungen im US-Technologiesektor absichern will, findet kaum überzeugende Alternativen – außer möglicherweise China. Das argumentiert der Chef-Global-Stratege von Principal Asset Management in einem Beitrag für die Financial Times. Die These ist provokant, aber analytisch fundiert: China erfüllt als einziger großer Markt die Kernbedingung echter Diversifizierung.

Jahre der Outperformance amerikanischer Technologieaktien haben globale Portfolios stark auf eine kleine Gruppe von Unternehmen konzentriert. Benchmarks hängen zunehmend vom selben Trade ab. Diversifizierung ist leicht zu empfehlen, aber schwer umzusetzen – denn die Auswahl an wirklich unabhängigen Märkten schrumpft.

Europa und Asien als Diversifikatoren gescheitert

Europa galt im vergangenen Jahr als bevorzugter Diversifikator, begünstigt durch günstigere Bewertungen und einen kurzen Ausbruch fiskalischer Disziplin. Doch der Kontinent ist ein Netto-Energieimporteur und leidet unter fehlender Wachstumskraft. KI-getriebenes Gewinnwachstum und zurückhaltende Regulierung – beides Stärken der USA – fehlen in Europa weitgehend. Auch der fiskalische Impuls ist geringer.

Das aufstrebende Asien bietet ebenfalls kaum Schutz. Taiwan und Südkorea stehen im Zentrum der globalen Halbleiter-Lieferkette und machen mittlerweile etwa die Hälfte des MSCI Emerging Markets Index aus. Sollten die KI-Investitionen in den USA enttäuschen, würde eine Nasdaq-Schwäche schnell auf ganz Asien übergreifen. Die Region ist schlicht zu eng mit demselben KI-Zyklus verknüpft, gegen den sich Anleger absichern wollen.

Damit bleibt China – für viele Anleger nach wie vor eine unbequeme Antwort. Die bekannten Risiken sind real: mangelnde politische Transparenz, Schwäche im Immobiliensektor, demografische Herausforderungen und geopolitische Spannungen. Doch bei der Diversifizierung geht es nicht darum, einen risikofreien Markt zu finden. Es geht darum, einen Markt zu finden, dessen Risiken anders gelagert sind.

Drei Argumente für China als Absicherung

Das erste Argument ist die relative Energieautonomie. China ist der weltweit größte Produzent von Strom aus erneuerbaren Quellen und installiert mehr Windkraftanlagen und Solarmodule als der Rest der Welt zusammen. Laut der Internationalen Energieagentur überstiegen Chinas Investitionen in saubere Energie im Jahr 2024 die Summe von 625 Milliarden US-Dollar. Das Kapazitätsziel für Wind- und Solarenergie für 2030 wurde damit bereits sechs Jahre früher erreicht.

Das zweite Argument ist die weitgehend internalisierte Lieferkette. Im Gegensatz zum US-Technologiesektor, der auf Vorleistungen aus aller Welt angewiesen ist, hat China sein Technologie-Ökosystem stark im Inland verankert. US-Exportkontrollen, die Chinas Zugang zu fortschrittlichen Halbleitern bremsen sollten, haben die unbeabsichtigte Folge gehabt, Pekings Selbstversorgung zu beschleunigen. Das Ergebnis: eigene KI-Modelle, lokale Fertigungskapazität und ein fester Zugriff auf Seltene Erden.

Das dritte und vielleicht stärkste Argument ist die niedrige Korrelation. Der 12-Monats-Durchschnitt der rollierenden Zwei-Jahres-Korrelation zwischen dem MSCI China und dem S&P 500 liegt heute bei nur 14 Prozent – verglichen mit 70 Prozent im Zeitraum 2018/19. Ähnlich hat sich der chinesische Markt von anderen entwickelten Märkten entkoppelt: Die monatliche Korrelation zum MSCI Japan beträgt nur noch rund 3 Prozent, zum MSCI Europe rund 29 Prozent. Kurz vor der Covid-19-Pandemie lagen diese Werte noch bei etwa 70 Prozent.

Kein einfacher Ersatz, aber eine neue Landkarte

China ist kein unkomplizierter Ersatz für amerikanische Aktien. Die USA haben bereits Beschränkungen für Investitionen in chinesische Technologie verhängt, und es gibt Anzeichen, dass die EU Ähnliches erwägt. Diese regulatorischen Risiken dürfen Anleger nicht ignorieren.

Dennoch muss die alte Landkarte der Diversifizierung aktualisiert werden. Wer sich gegen Klumpenrisiken im US-Technologiesektor absichern will, braucht einen Markt mit einem anderen makroökonomischen Motor, einem anderen Politikzyklus und anderen geopolitischen Risiken. China erfüllt diese Kriterien zunehmend – und das ausgerechnet als jener Markt, den Washington am stärksten zu isolieren versucht hat.

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