Charles Schwab: Quartalszahlen am 15. Oktober könnten Kurs beflügeln
Das Wertpapierhaus Charles Schwab legt am 15. Oktober seine Q3-Zahlen vor – Analysten erwarten deutliches Wachstum.

Am Donnerstag, dem 15. Oktober, wird es für Anleger spannend: Charles Schwab (Ticker: SCHW) legt vor Börseneröffnung seine Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Das renommierte Wertpapierhaus steht im Fokus, denn die Erwartungen an das Zahlenwerk sind hoch. Viele Beobachter hoffen auf zweistellige Wachstumsraten, wie sie das Unternehmen in den vergangenen Quartalen geliefert hat.
Die Kursreaktion einer Aktie nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen hängt selten allein davon ab, wie Umsatz und Rentabilität im Vergleich zu den Analystenerwartungen ausfallen. Zwar spielt dieses Verhältnis eine wichtige Rolle, doch ein Unternehmen von der Größe von Schwab ist komplex und besteht aus zahlreichen Komponenten. Genau deshalb lohnt ein Blick auf die einzelnen Geschäftsbereiche.
Laut Daten, die das Wall Street Journal zusammengestellt hat, stufen 19 der 26 die Aktie verfolgenden Analysten diese entweder als „Buy" oder „Overweight" ein. Sechs bewerten sie als „Hold", und nur ein einziger Analyst sieht die Aktie untergewichtet. Angesichts dieser stark bullischen Ausrichtung überrascht es kaum, dass die Prognostiker ein weiteres Quartal mit beeindruckendem Wachstum erwarten.
Was die Analysten erwarten
Der Konsensschätzwert für den Umsatz liegt – bezogen auf Daten von Yahoo! Finance – knapp unter 7,2 Milliarden US-Dollar. Das wären 17 Prozent mehr als im dritten Quartal 2025. Bei der Rentabilität wird erwartet, dass das bereinigte Nettoergebnis um 27 Prozent auf 1,66 US-Dollar pro Aktie steigt. Um zu verstehen, warum diese Wachstumsprognosen so hoch angesetzt sind, lohnt sich ein Blick auf die kritischsten Elemente von Schwabs Geschäftsmodell.
Ein Geschäftsmodell wie eine Bank
Für viele ist Schwab ein klassisches Brokerage-Unternehmen, das mit der Abwicklung von Wertpapierhandel große Gewinne erzielt. Doch die Handelserlöse sind volatil, weil die Wertpapiermärkte selbst schwanken. Zudem haben Wettbewerber der nächsten Generation ihre Handelsgebühren bereits vor Jahren gesenkt, was zu einem Wettlauf nach unten führte. Viele Brokerage-Häuser erheben inzwischen keine Gebühren mehr für den klassischen Aktienhandel von Privatanlegern – auch Schwab gehört dazu, obwohl es weiterhin Einnahmen aus anderen Handelsarten generiert.
Stattdessen funktioniert Schwab eher wie eine Bank und stützt sich stark auf das Zinsüberschussgeschäft (Net Interest Income, NII). Darunter versteht man die Differenz zwischen den Zinsen, die das Unternehmen auf Kundeneinzahlungen zahlt, und den Zinsen, die es durch die Anlage dieser Mittel erwirtschaftet. Dieses Modell ist solide, weil es vorhersehbarer ist. Außerdem ist es schwierig, Geld zu verlieren, wenn man die Spanne zwischen niedrigen Auszahlungen an Kunden und den Zinserträgen selbst konservativer Anlagen nutzt.
Im zweiten Quartal kletterte das Zinsüberschussgeschäft im Jahresvergleich um 19 Prozent auf nahezu 3,4 Milliarden US-Dollar und machte mit 47 Prozent den mit Abstand größten Beitrag zum Gesamtumsatz. Die nächstgrößten Umsatzquellen sind die Vermögensverwaltungs- und Verwaltungsentgelte (etwa für Wealth Management) sowie die Handelserlöse. Diese brachten im Quartal jeweils über 1,8 Milliarden US-Dollar (26 Prozent des Gesamtumsatzes) beziehungsweise mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar (17 Prozent) ein.
Zinserhöhung als Rückenwind
Alle drei Aktivitäten dürften von der Erhöhung des Leitzinssatzes der US-Notenbank Fed um 25 Basispunkte am 16. September profitieren – wobei der Effekt im dritten Quartal wegen des Quartalsendes am 30. September minimal ausfallen dürfte. Höhere Zinsen treiben das Zinsüberschussgeschäft an, da die Spanne zwischen verdienten und gezahlten Zinsen tendenziell größer wird. Auch die Vermögensverwaltung profitiert, weil Kunden oft in renditestärkere Anlagen wechseln; aus demselben Grund kann dies den Wertpapierhandel ankurbeln.
Nach Zählung des Autors haben acht Analysten ihre Bewertungen für Schwab in diesem Monat bereits angepasst – vermutlich spielte die Fed-Maßnahme dabei eine Rolle. Interessanterweise ergab sich ein 4:4-Unentschieden zwischen jenen, die ihre Kursziele anhoben, und jenen, die sie senkten. Das könnte daran liegen, dass Zinsen eine zweischneidige Sache sind.
Risiken: Cash Sweep und Cash Sorting
Im Fall von Schwab könnten höhere Zinsen Kunden dazu bringen, sich mit den wenigen Cent unwohl zu fühlen, die sie für das Parken ihres Geldes in „Cash Sweep"-Regimen erhalten. Das würde sie dazu zwingen, anderswo nach renditestärkeren Optionen zu suchen. Ein weiterer potenzieller Stolperstein ist das „Cash Sorting", bei dem Kunden innerhalb des großen Angebots an investierbaren Assets von Schwab nach renditestärkeren Möglichkeiten suchen. In diesem Fall muss das Unternehmen kostengünstige Einlagen durch teurere ergänzende Finanzierungsquellen wie Termineinlagen (CDs) ersetzen, was die Zinsaufwendungen erhöht.
Dennoch geht der Autor davon aus, dass die Mehrheit der Kundenbasis eines Brokerage-Unternehmens nicht rastlos ihr Geld für höhere Renditen hin- und herschiebt. Vielmehr bevorzugen private Kunden, ihre Gelder sicher bei einem bekannten Finanzdienstleister wie Schwab geparkt zu lassen, bis sie eine Investitionsentscheidung treffen. Zudem gehört es zu den Stärken des Unternehmens, neue Geschäfte anzuziehen: Im zweiten Quartal fügte es 1,4 Millionen neue Konten hinzu, ein Anstieg von 27 Prozent.
Fazit
Zusammenfassend sieht der Autor in diesem Umfeld steigender Zinssätze und angespannter Wertpapiermärkte eine hohe Chance, dass Schwab im dritten Quartal besser abschneidet als von vielen erwartet. Seine Aktien behält er in seinem Portfolio.
