BlackRock senkt Bewertung für US-Aktien vor der Gewinnsaison
Der weltgrößte Vermögensverwalter stuft US-Aktien herab, während die Renditen von US-Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten notieren.

BlackRock hat seine Bewertung für US-Aktien gesenkt. Der weltgrößte Vermögensverwalter reagiert damit auf ein Marktumfeld, in dem die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Laufzeitkurve hinweg auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten notieren. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal, denn BlackRock gilt als einer der einflussreichsten Akteure an den globalen Kapitalmärkten.
Der Schritt fällt in eine heikle Phase: Am Dienstag beginnt die neue Gewinnsaison an der Wall Street. Im Mittelpunkt stehen zunächst die großen Banken, doch die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich bereits auf die Technologiebranche. Dieser Sektor dürfte sich nach einem beunruhigenden Einbruch bei koreanischen Chipaktien weiter unter Verkaufsdruck befinden.
Die Technologiebranche war bislang der Haupttreiber des bullischen Marktes des S&P 500 (SPX), der damit nun ein viertes Jahr erreicht. Der Index hat einen Großteil seiner 14 Prozent Rendite in diesem Jahr im Frühjahr erzielt, nachdem er von den Tiefstständen im April nach oben gedreht war. Seither verläuft die Entwicklung zähflüssig.
Die Details
Zwischen Juni und dem Schlusskurs am Montag bei 7.807 Punkten legte der S&P 500 nur um rund 2,6 Prozent zu. Das ist ein vergleichsweise geringes Plus für einen Zeitraum von mehreren Monaten und deutet auf eine nachlassende Dynamik hin. Der Index bewegt sich damit weiterhin in der Nähe seiner bisherigen Höchststände, ohne neue Impulse zu setzen.
Besonders bemerkenswert ist der Zusammenhang mit dem Anleihenmarkt. Die Renditen von US-Staatsanleihen (Treasuries) notieren über die gesamte Laufzeitkurve hinweg auf Niveaus, die es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gab. Hohe Anleiherenditen erhöhen die Attraktivität von festverzinslichen Wertpapieren gegenüber Aktien und belasten damit insbesondere wachstumsstarke Technologiewerte, deren Bewertung stark von künftigen Gewinnen abhängt.
Ein weiterer Belastungsfaktor kommt aus Asien: Ein beunruhigender Einbruch bei koreanischen Chipaktien hat den Technologiesektor zusätzlich unter Druck gesetzt. Da Chiphersteller zu den wichtigsten Zulieferern der globalen Tech-Industrie zählen, wirkt sich eine Schwäche in diesem Bereich unmittelbar auf die Stimmung an den US-Börsen aus. Die Kombination aus hohen Zinsen und schwachen Chipwerten trifft den Markt damit an seiner empfindlichsten Stelle.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.07.2026 berichtete aktien.news, dass BlackRock im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen hat. Die Aktie des weltgrößten Vermögensverwalters legte am Mittwoch im S&P 500 merklich zu, nachdem die gemeldeten Quartalsergebnisse die Prognosen der Wall Street klar übertrafen. Das verwaltete Vermögen belief sich auf mehr als 15,3 Billionen US-Dollar – ein Zuwachs von 10,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und rund 4 Prozent über den Erwartungen der Analysten.
Am 27.07.2026 meldete aktien.news, dass der Anleihenmarkt zunehmend Warnsignale für Aktienanleger sendet. Hochzinsanleihen, gemessen am iShares iBoxx $ High Yield Corporate Bond ETF (HYG), verzeichneten im laufenden Monat ein Minus von fast 1 Prozent und steuerten damit auf den dritten monatlichen Rückgang in Folge zu – den fünften in den letzten sechs Monaten. Der S&P 500 war zu diesem Zeitpunkt um mehr als 2 Prozent gefallen, seit er Anfang Juni ein Intraday-Allzeithoch erreicht hatte.
Schon am 20.05.2026 hatte aktien.news über deutliche Verluste an den US-Märkten berichtet. Der S&P 500 verlor 0,7 Prozent, der technologielastige Nasdaq gab um 0,8 Prozent nach, der Dow Jones Industrial Average schloss mit einem Minus von 0,6 Prozent. Im Mittelpunkt der Marktturbulenzen standen die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen, die auf 5,18 Prozent kletterten – den höchsten Stand seit dem Jahr 2007.
Am 27.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktienrally unter Druck geraten war. Sorgen über die Rentabilität von KI-Investitionen, anhaltende Lieferkettenunterbrechungen sowie die Aussicht auf dauerhaft höhere Zinsen belasteten die Stimmung. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite fielen zum ersten Mal seit April 2024 an jedem einzelnen Tag einer Kalenderwoche; der S&P 500 verlor dabei rund 2 Prozent, der Nasdaq Composite rund 4,6 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die gesenkte Bewertung von US-Aktien durch BlackRock ein wichtiges Signal, denn viele Depots enthalten US-Titel oder entsprechende Indexfonds. Die Kombination aus hohen Anleiherenditen und einer nachlassenden Dynamik beim S&P 500 zeigt, dass die Risikobereitschaft an den Märkten abnimmt. Wer stark auf US-Technologie setzt, sollte diese Entwicklung besonders aufmerksam verfolgen.
Anleger sollten beachten, dass hohe Anleiherenditen eine echte Alternative zu Aktien darstellen können. Gleichzeitig bleibt die Technologiebranche der entscheidende Faktor für die Entwicklung des S&P 500. Solange dieser Sektor unter Druck steht, dürfte es für den Gesamtmarkt schwierig werden, neue Impulse zu setzen.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Bewertung von BlackRock ist eine Einschätzung des Marktumfelds, keine Prognose für einzelne Wertpapiere.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist der Dienstag, an dem die neue Gewinnsaison beginnt. Zunächst richten sich die Blicke auf die großen Banken, deren Zahlen traditionell den Auftakt bilden. Danach dürfte sich die Aufmerksamkeit auf die Technologiebranche verlagern, die den Ausgang der Berichtssaison maßgeblich bestimmen wird.
Entscheidend wird sein, ob sich der Technologiesektor nach dem Einbruch bei koreanischen Chipaktien stabilisieren kann. Ebenso wichtig ist die Entwicklung der Treasury-Renditen: Bleiben sie auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten, dürfte der Druck auf US-Aktien bestehen bleiben.
Kurz erklärt
- S&P 500: Ein US-Aktienindex, der die Entwicklung der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet.
- Treasury-Renditen: Die Renditen von US-Staatsanleihen, die als Referenz für das globale Zinsniveau gelten.
- Laufzeitkurve: Die Darstellung der Renditen von Anleihen mit unterschiedlich langen Laufzeiten.
