ByteDance entwickelt eigenen KI-Chip: Gespräche mit Samsung über Produktion
TikTok-Mutter investiert 22 Milliarden Dollar in KI und plant Fertigung von bis zu 350.000 Chip-Einheiten.

Die TikTok-Muttergesellschaft ByteDance arbeitet an der Entwicklung eines eigenen Chips für künstliche Intelligenz und verhandelt mit Samsung Electronics über dessen Fertigung. Das berichteten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Reuters. Das chinesische Technologieunternehmen strebt an, bis Ende März erste Chip-Muster zu erhalten.
ByteDance plant, in diesem Jahr mindestens 100.000 Einheiten des Chips zu produzieren, der speziell für KI-Inferenz-Aufgaben konzipiert ist. Langfristig möchte das Unternehmen die Produktion schrittweise auf bis zu 350.000 Einheiten hochfahren. Die Verhandlungen mit Samsung umfassen auch den Zugang zu Speicherchips, die angesichts des weltweiten Ausbaus der KI-Infrastruktur extrem knapp sind.
Ein Sprecher von ByteDance erklärte, die Informationen über das hauseigene Chipprojekt seien unzutreffend, ohne dies weiter auszuführen. Samsung lehnte eine Stellungnahme ab. Die Entwicklung würde dennoch einen Meilenstein für ByteDance markieren, das seit mindestens 2022 verstärkt Fachpersonal für die Chipentwicklung einstellt.
Milliarden-Investment in KI-Technologie
Das Chipprojekt mit dem Codenamen SeedChip ist Teil der umfassenderen KI-Strategie von ByteDance. Das Unternehmen plant, in diesem Jahr mehr als 160 Milliarden Yuan (umgerechnet 22 Milliarden Dollar) für KI-bezogene Beschaffungen auszugeben. Mehr als die Hälfte davon soll in den Kauf von Nvidia-Chips sowie in die Weiterentwicklung des hauseigenen Chips fließen.
ByteDance setzt darauf, dass die KI-Technologie sein gesamtes Geschäftsportfolio transformieren wird – von Kurzvideos über E-Commerce bis hin zu Cloud-Diensten für Unternehmen. Das Unternehmen gründete 2023 die Einheit Seed, um KI-Modelle zu entwickeln und deren Anwendungen zu fördern.
Aufholjagd bei KI-Modellen
ByteDance-Manager Zhao Qi erklärte Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung im Januar, dass die KI-Investitionen allen Geschäftsbereichen zugutekommen würden. Zhao, der den Doubao-Chatbot von ByteDance und dessen internationale Version Dola beaufsichtigt, räumte ein, dass die KI-Modelle des Unternehmens hinter globalen Marktführern wie OpenAI zurücklägen.
Globale Technologiegiganten wie die Google-Mutter <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, Amazon und Microsoft haben bereits eigene KI-Chips entwickelt, um die Abhängigkeit von Nvidia zu verringern. Für chinesische Technologieunternehmen haben zudem die US-Exportkontrollen für den Verkauf fortschrittlicher Chips nach China die Dringlichkeit erhöht, eigene KI-Prozessoren zu entwickeln.
Während ByteDance noch keinen eigenen Chip auf den Markt gebracht hat, sind die Konkurrenten Alibaba und Baidu bereits weiter: Alibaba stellte im vergangenen Monat seinen Zhenwu-Chip für groß angelegte KI-Workloads vor. Baidu verkauft Chips an externe Kunden und plant, seine Chipeinheit Kunlunxin in Kürze an die Börse zu bringen. Reuters berichtete bereits im Juni 2024, dass ByteDance mit dem US-Chipdesigner Broadcom an einem fortschrittlichen KI-Prozessor arbeite.
