BYD wächst im Oktober erneut: Exporte legen um 102,8 Prozent zu
Der chinesische E-Auto-Hersteller steigert den Absatz den sechsten Monat in Folge, während das Exportgeschäft zum entscheidenden Wachstumstreiber wird.

Der chinesische Elektrofahrzeughersteller BYD hat im Oktober den sechsten Monat in Folge ein Umsatzwachstum verzeichnet. Wie aus Unternehmensdaten hervorgeht, stiegen die Fahrzeugverkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 490.168 Einheiten. Damit schwächte sich das Wachstumstempo gegenüber dem September-Wert von 17 Prozent jedoch leicht ab.
Für deutsche Anleger ist vor allem ein Detail aufschlussreich: Während die Binnennachfrage in China weiterhin durch einen intensiven Preiskampf und eine schwache Konjunktur belastet ist, fungieren die Auslandsmärkte als entscheidender Wachstumstreiber. Die Exporte von BYD legten im Jahresvergleich um 102,8 Prozent auf 170.194 Einheiten zu. Der Konzern bleibt damit der wichtigste Herausforderer von Tesla auf dem weltweiten E-Auto-Markt.
Die Zahlen zeigen zugleich, dass das Wachstum nicht mehr allein aus dem Heimatmarkt kommt. Der chinesische Automarkt steckt in einem schwierigen Umfeld fest, in dem Hersteller mit Rabatten um Käufer ringen. Umso wichtiger wird für BYD das Geschäft jenseits der Landesgrenzen.
Die Exporte wachsen deutlich schneller als der Gesamtabsatz
Ein genauer Blick auf die Zahlen macht die Verschiebung sichtbar: Die Exporte legten mit 102,8 Prozent auf 170.194 Einheiten weit stärker zu als der Gesamtabsatz mit 11 Prozent auf 490.168 Einheiten. Das Auslandsgeschäft entwickelt sich damit zum eigentlichen Motor des Unternehmens, während das Inlandsgeschäft nur noch moderat wächst.
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung im Monatsvergleich. Im September hatte BYD noch ein Wachstum von 17 Prozent erreicht, im Oktober waren es 11 Prozent. Das Tempo verlangsamt sich also, auch wenn das Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs bleibt. Der sechste Zuwachs in Folge unterstreicht, dass BYD die Absatzflaute des Vorjahres hinter sich gelassen hat.
Das Gewinnwachstum verlangsamt sich auf 28 Prozent
Trotz der robusten Absatzzahlen zeigen sich Herausforderungen in der Bilanz. Das Gewinnwachstum von BYD verlangsamte sich im dritten Quartal auf 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr und blieb damit hinter den Markterwartungen zurück. Bereits am 30.10.2026 berichtete aktien.news, dass BYD im dritten Quartal einen Nettogewinn von 10 Mrd. Renminbi (rund 1,5 Mrd. Dollar) erzielt hatte – ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Umsätze kletterten im Dreimonatszeitraum bis September um 14 Prozent auf 221,5 Mrd. Renminbi. Beide Werte blieben jedoch deutlich unter den Erwartungen der Analysten, wie aus Umfragen des Datenanbieters Bloomberg hervorgeht.
Hinzu kommen regulatorische Hürden. Als einer der führenden Exporteure von Hybridfahrzeugen in die EU könnte BYD von neuen Beschränkungen betroffen sein, die darauf abzielen, den Import von Hybridmodellen nach Europa zu begrenzen. Bereits am 13.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Europäische Union eine Vereinbarung mit China bekanntgab, die Importe chinesischer Hybridfahrzeuge auf 350.000 Einheiten pro Jahr begrenzt. Zusammen mit SAIC und Chery ist BYD für über 90 Prozent des chinesischen Hybrid-Absatzvolumens in der EU verantwortlich. Am Tag dieser Nachricht fiel die BYD-Aktie um 2,8 Prozent auf HK$72,25.
Auch Xiaomi und XPeng melden starke Oktober-Zahlen
Im breiteren Branchenkontext zeigt sich ein differenziertes Bild. Wie Investors Business Daily berichtet, konnten neben BYD auch andere Tesla-Konkurrenten wie Xiaomi und XPeng starke Verkaufszahlen für den Oktober melden. Während der preisgünstige Anbieter Leapmotor weiterhin ein dynamisches Wachstum verzeichnet, kämpfen Unternehmen wie Nio und insbesondere Li Auto mit Schwierigkeiten.
Die Branche bereitet sich derzeit auf den traditionellen Endjahres-Push vor, bei dem die Hersteller versuchen, ihre Jahresziele zu erreichen, bevor die Nachfrage in den Monaten Januar und Februar erfahrungsgemäß nachlässt. Dieser saisonale Effekt ist in China seit Jahren zu beobachten und setzt die Hersteller unter Druck, ihre Ziele noch im laufenden Jahr zu erreichen.
BYD treibt den Wandel vom Exporteur zum globalen Automobilkonzern voran
Der Blick zurück zeigt, wie wechselhaft das Jahr für BYD verlaufen ist. Bereits am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass BYD im Mai die lang anhaltende Absatzschwäche überwunden hatte. Mit 383.453 verkauften Fahrzeugen erzielte das Unternehmen ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – der erste Zuwachs nach acht aufeinanderfolgenden Rückgängen. Auch auf der Produktionsseite gab es positive Signale: Die Fertigung legte um 8,8 Prozent zu, der erste Produktionsanstieg seit Juli 2025.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass BYD den Wandel vom reinen Exporteur zum globalen Automobilkonzern vorantreibt. Der chinesische Autohersteller betrachtet internationale Märkte demnach nicht länger nur als Absatzmärkte für in China hergestellte Fahrzeuge. Stattdessen entstehen Fabriken, Forschungsabteilungen und lokale Lieferketten in wichtigen Märkten. Diese Strategie erklärt, warum das Exportwachstum für das Unternehmen strategisch so bedeutsam ist.
Starke Absatzzahlen treffen bei BYD auf schwächeres Gewinnwachstum
Für deutsche Anleger ist die Kombination aus starkem Absatz und schwächerem Gewinnwachstum ein wichtiges Signal. Der Preiskampf im weltweit größten Automarkt drückt auf die Margen, während das Exportgeschäft die Ausfälle im Heimatmarkt ausgleicht. Die am 30.10.2026 berichteten Quartalszahlen zeigten, dass das Exportgeschäft die schwachen Absatzzahlen auf dem heimischen chinesischen Markt ausglich – ein Muster, das sich im Oktober fortsetzt.
Gleichzeitig bleiben die regulatorischen Risiken in Europa bestehen. Die von der EU beschlossene Obergrenze für chinesische Hybridimporte trifft BYD als einen der größten Anbieter besonders. Anleger sollten daher sowohl die Absatzzahlen als auch die politischen Rahmenbedingungen im Auge behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Experten erwarten Erholung erst im Jahr 2027
Der Ausblick bleibt verhalten. Experten gehen davon aus, dass sich der chinesische Automobilmarkt nach dem diesjährigen Abschwung erst im Jahr 2027 wieder spürbar erholen wird. Bis dahin dürfte der Preiskampf in China anhalten und die Margen der Hersteller belasten.
Kurzfristig richtet sich der Fokus auf den Endjahres-Push. Die Hersteller versuchen, ihre Jahresziele zu erreichen, bevor die Nachfrage im Januar und Februar nachlässt. Wie sich BYD in diesem Zeitraum schlägt, dürfte auch davon abhängen, wie stark die Exporte weiter zulegen können.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der BYD-Zahlen
- Absatz: Die Anzahl der verkauften Fahrzeuge eines Herstellers in einem bestimmten Zeitraum.
- Export: Der Verkauf von Fahrzeugen in Märkte außerhalb des Heimatlandes.
- Hybridfahrzeug: Ein Fahrzeug, das sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen Elektroantrieb nutzt.
