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Bundesbankchef Nagel: EZB-Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher

Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnt vor anhaltend hoher Inflation und hält EZB-Zinserhöhungen für zunehmend wahrscheinlich.

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Bundesbankchef Nagel: EZB-Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank als zunehmend wahrscheinlich bezeichnet. In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit dem Handelsblatt machte Nagel deutlich, dass die EZB angesichts der hartnäckig hohen Inflation handeln müsse. „Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher, wenn sich das Inflationsbild nicht grundlegend ändert", sagte er.

Die EZB hatte bereits im vergangenen Monat über eine Zinserhöhung debattiert und einen Schritt im Juni als wahrscheinlich signalisiert. Hintergrund sind die hohen Energiepreise, die die Inflation weit über das Ziel der Notenbank getrieben haben. Nagel warnte zudem vor sogenannten Zweitrundeneffekten, die das schnelle Preiswachstum dauerhaft verfestigen könnten.

EZB nähert sich dem Negativszenario

Besonders besorgniserregend ist laut Nagel die Entwicklung der Inflationsaussichten. „Wir befinden uns nicht mehr im Basisszenario der Projektionen der EZB und bewegen uns auf das Negativszenario zu", sagte er. Das bedeutet konkret: Die EZB-Basisprojektion sieht den Inflationshöhepunkt bei 3,1 Prozent im zweiten Quartal, während das Negativszenario einen Anstieg auf 4,2 Prozent im vierten Quartal vorsieht.

Beide Szenarien gehen zwar davon aus, dass die Inflation im nächsten Jahr wieder auf oder unter den Zielwert von 2 Prozent zurückkehren wird. Doch die Unsicherheit ist gestiegen. Das Basisszenario, das auf den damaligen Marktpreisen basiert, kalkuliert bereits zwei Zinserhöhungen ein – und damit weniger als die drei Schritte, die an den Finanzmärkten aktuell eingepreist sind.

Nagel betonte zudem, dass die Inflation selbst bei einem baldigen Ende des Krieges im Iran deutlich länger erhöht bleiben könnte, als Entscheidungsträger noch vor wenigen Wochen angenommen hatten. Als Gründe nannte er die Zerstörung von Raffineriekapazitäten, reduzierte Lagerbestände, unterbrochene Lieferketten sowie die gestiegene geopolitische Unsicherheit. „Wir können die hohen Energiepreise nicht ignorieren", so Nagel.

Preisstabilität als oberstes Gebot

Nagel, der als potenzieller Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im nächsten Jahr gilt, unterstrich die Kernaufgabe der Notenbank unmissverständlich. „Unser Auftrag ist Preisstabilität", sagte er. „Längerfristig ist es für alle besser, wenn klar ist, dass wir unser Inflationsziel ernst nehmen und die Inflationsrate mittelfristig nahe bei 2 Prozent halten."

Für deutsche Privatanleger und Sparer sind diese Aussagen von erheblicher Bedeutung. Steigende Leitzinsen der EZB wirken sich direkt auf Kreditzinsen, Hypotheken und Anleiherenditen aus. Gleichzeitig könnten höhere Zinsen erstmals seit Jahren wieder attraktivere Konditionen für Tages- und Festgeldkonten bringen – nach einer langen Phase der Nullzinspolitik, die Sparer stark belastet hatte.

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