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Bundesbank: Deutsche Wirtschaft könnte in diesem Jahr doppelt so stark wachsen

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält rund 1% Wachstum für möglich – angetrieben von Exportnachfrage und staatlichen Investitionen.

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Bundesbank: Deutsche Wirtschaft könnte in diesem Jahr doppelt so stark wachsen

Die deutsche Wirtschaft könnte in diesem Jahr doppelt so stark wachsen wie bislang angenommen. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel stellte am Freitag bei einer Rede in Frankfurt ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1% in Aussicht. Als Treiber nannte er eine robuste Exportnachfrage und staatliche Investitionen.

„Es ist durchaus möglich, dass wir im Durchschnitt für das Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1% verzeichnen", sagte Nagel. „Nach drei Jahren der Stagnation wäre dies tatsächlich ein kleiner, aber willkommener Hinweis." Damit übertrifft die neue Einschätzung die jüngsten Prognosen deutlich: Die Bundesbank selbst hatte im Juni nur ein jährliches Wachstum von 0.5% erwartet.

Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und die größte der Eurozone. In den vergangenen drei Jahren ist sie kaum gewachsen. Erschwerend kommt der Iran-Krieg hinzu, der die Wirtschaft nach Einschätzung von Beobachtern weiter schwächen dürfte, weil hohe Energiepreise die Industrie belasten. Die Produktion sei jedoch überraschend widerstandsfähig geblieben, betonte Nagel.

Die Details

Deutschland befinde sich in einem konjunkturellen Aufschwung, auch wenn das potenzielle Wachstum nach wie vor schleppend sei, sagte der Bundesbank-Präsident. Die aktuelle Entwicklung fällt damit besser aus als von vielen erwartet: Nahezu alle großen Prognoseinstitute hatten ein Wachstum deutlich unterhalb von 1% erwartet. Die Bundesbank gehörte mit ihrer Juni-Prognose von 0.5% sogar zu den pessimistischeren Vorhersagen.

Als einen zentralen Wachstumstreiber benannte Nagel das fiskalische Paket der Bundesregierung. Gemeint sind die verschuldungsfinanzierten zusätzlichen Staatsausgaben mit Fokus auf Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Deutschland profitiere zudem von einer unerwartet robusten Nachfrage aus dem Ausland, fügte er hinzu. Beide Faktoren zusammen erklären, warum die Erwartungen für das laufende Jahr nach oben korrigiert wurden.

Die überraschend starke Leistung Deutschlands ist ein wesentlicher Grund dafür, warum Prognoseinstitute ihre Euro-Zone-Prognosen kontinuierlich nach oben korrigieren. Sie gehen nun davon aus, dass die Währungsunion in diesem Jahr mit einer Rate expandiert, die ihrem 1% Wachstumspotenzial entspricht oder diesen übersteigt.

Der Iran-Krieg bleibt dabei ein Unsicherheitsfaktor. Er belastet die deutsche Wirtschaft über hohe Energiepreise, die vor allem die energieintensive Industrie treffen. Dass die Produktion dennoch überraschend widerstandsfähig blieb, wertet Nagel als positives Signal. Entscheidend ist nun, wie nachhaltig die Nachfrage aus dem Ausland und die staatlichen Investitionen das Wachstum stützen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 laut Bundesbank voraussichtlich eine moderate Expansion verzeichnet habe. Die Zentralbank teilte mit, die Wirtschaftsleistung sei zwischen April und Juni wahrscheinlich „leicht gestiegen" und übertreffe damit die vorherige Prognose einer Stagnation. Das sei eine bemerkenswerte Kehrtwende für die größte Volkswirtschaft der Eurozone, hieß es damals.

In einem weiteren Bericht vom 28.07.2026 verwies aktien.news darauf, dass von Reuters befragte Ökonomen für die drei Monate bis Juni lediglich einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwarteten. Trotz der Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten zeigte sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt widerstandsfähiger als befürchtet. Die Bundesbank hob damals zwei wesentliche Wachstumstreiber hervor – unter anderem profitierte der Industriesektor von einer dynamischen Auslandsnachfrage.

Ein dritter Bericht vom 28.07.2026 nannte ebenfalls ein moderates Wachstum im zweiten Quartal, getragen von einem widerstandsfähigen Industriesektor und stabilen Konsumausgaben. Bereits am 22.04.2026 berichtete aktien.news, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2026 moderat gewachsen sei, gestützt auf eine solide Industrie- und Dienstleistungsproduktion. Gleichzeitig warnte die Zentralbank vor erheblichen Risiken für das laufende Quartal: Die Hoffnungen der Bundesregierung, dass massive Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung das Wachstum ankurbeln würden, wurden durch den Iran-Krieg gefährdet.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die neue Einschätzung zwiespältig. Ein Wachstum von rund 1% würde nach drei Jahren der Stagnation eine Trendwende signalisieren. Das könnte die Erwartungen an exportorientierte Unternehmen stützen, die von der robusten Auslandsnachfrage profitieren.

Besonders relevant ist dabei die Nachfrage aus dem Ausland. Deutschland profitiert laut Nagel von einer unerwartet robusten Exportnachfrage. Für Anleger in exportorientierten Branchen ist das ein wichtiges Signal. Gleichzeitig bleibt die Industrie durch hohe Energiepreise belastet, die im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg stehen.

Zugleich birgt das widerstandsfähige Wachstum Risiken. Laut Nagel führt es zu weiterem inflationärem Druck. Das könnte die Europäische Zentralbank dazu zwingen, die Zinssätze noch weiter anzuheben. Das Preiswachstum liegt derzeit nahe an ihrem 2%-Ziel und könnte sich weiter beschleunigen. Steigende Zinsen verteuern Kredite, können Unternehmensbewertungen belasten und begünstigen zugleich Sparer. Anleger sollten diese Gemengelage im Blick behalten.

Ausblick

Ob die Erwartungen von rund 1% tatsächlich eintreffen, hängt nach Einschätzung Nagels auch von der weiteren Entwicklung der Exportnachfrage und der staatlichen Investitionen ab. Die Prognoseinstitute korrigieren ihre Euro-Zone-Erwartungen bereits nach oben und gehen davon aus, dass die Währungsunion in diesem Jahr ihr 1% Wachstumspotenzial erreicht oder übertrifft.

Entscheidend bleibt zugleich die Preisentwicklung. Das Preiswachstum liegt nahe am 2%-Ziel der EZB und könnte sich weiter beschleunigen. Sollte der inflationäre Druck zunehmen, könnte die Notenbank mit weiteren Zinsschritten reagieren. Für die weitere Konjunkturentwicklung Deutschlands bleibt der Iran-Krieg mit seinen Auswirkungen auf die Energiepreise ein zentraler Unsicherheitsfaktor.

Kurz erklärt

  • Reales Wirtschaftswachstum: Zunahme der Wirtschaftsleistung eines Landes, bereinigt um Preisänderungen.
  • Fiskalpaket: Bündel staatlicher Ausgabenmaßnahmen, das hier über zusätzliche Verschuldung finanziert wird.
  • Potenzielles Wachstum: Die Rate, mit der eine Volkswirtschaft langfristig wachsen kann, ohne zusätzliche Inflation zu erzeugen.
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