Break-even-Rate signalisiert höchste Inflationserwartungen seit 2022
Anleger am US-Anleihemarkt erwarten laut Break-even-Rate eine durchschnittliche Inflation von 2,7% pro Jahr für die nächsten fünf Jahre.

Die sogenannte Break-even-Inflationsrate – ein wichtiger Gradmesser für die Inflationserwartungen der Märkte – hat jüngst den höchsten Stand seit 2022 erreicht. Das geht aus Daten der US-Notenbank Federal Reserve hervor. Dieser Anstieg signalisiert, dass Investoren für die kommenden fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Inflation von rund 2,7% einpreisen.
Die Break-even-Rate ergibt sich aus der Differenz zwischen den Renditen herkömmlicher US-Staatsanleihen und sogenannter TIPS – Treasury Inflation-Protected Securities. TIPS sind inflationsgeschützte Wertpapiere, deren Wert an die Inflationsentwicklung gekoppelt ist und Anleger so vor Kaufkraftverlusten schützt. Kaufen und verkaufen Investoren beide Anleihetypen aktiv, spiegelt die entstehende Renditedifferenz ihre kollektive Einschätzung zur künftigen Preisentwicklung wider.
Was die Break-even-Rate bedeutet
Für Privatanleger ist die Break-even-Rate ein nützliches Instrument, um die Markterwartungen zur Inflation auf einen Blick zu erfassen. Liegt die Rate bei 2,7%, bedeutet das: Der Markt geht davon aus, dass die Inflation in den nächsten fünf Jahren im Schnitt 2,7% pro Jahr betragen wird. Zum Vergleich: Das offizielle Inflationsziel der US-Notenbank Fed liegt bei 2,0% – der aktuelle Wert liegt also spürbar darüber.
Der Anstieg auf den höchsten Stand seit 2022 ist bemerkenswert, da das Jahr 2022 von einer historisch hohen Inflation in den USA und weltweit geprägt war. Damals trieben Lieferkettenprobleme, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und steigende Energiepreise die Verbraucherpreise auf Mehrjahreshochs. Dass die Erwartungen nun wieder dieses Niveau erreichen, zeigt, wie angespannt die Stimmung unter Investoren derzeit ist.
Verbraucherpreisdaten verschärfen Inflationssorgen
Zusätzlichen Druck auf die Inflationserwartungen übten zuletzt die am Dienstag veröffentlichten Verbraucherpreisdaten aus. Diese Daten haben die Inflationssorgen an der Wall Street laut Berichten weiter verschärft. Konkrete Zahlen aus dem jüngsten Bericht wurden dabei als Belastungsfaktor für die Marktstimmung gewertet.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung am US-Anleihemarkt aus mehreren Gründen relevant. Erstens beeinflussen die Inflationserwartungen in den USA die globalen Kapitalmärkte und damit auch europäische Aktien und Anleihen. Zweitens gibt die Haltung der Fed zur Geldpolitik – die maßgeblich von der Inflationsentwicklung abhängt – den Takt für viele internationale Investitionsentscheidungen vor. Drittens können steigende US-Renditen den Dollar stärken und so auch Wechselkurseffekte für in Euro rechnende Anleger auslösen.
Die Break-even-Rate bleibt damit ein unverzichtbares Instrument zur Einschätzung des Inflationsumfelds – nicht nur für professionelle Marktteilnehmer, sondern auch für informierte Privatanleger, die ihre Portfolios entsprechend ausrichten möchten.
