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Brasiliens Wirtschaft wächst im zweiten Quartal nur moderat

Der Zentralbankindex IBC-Br zeigt nur 0,2% Wachstum – nach einem starken Jahresauftakt verliert die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas an Schwung.

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Brasiliens Wirtschaft wächst im zweiten Quartal nur moderat

Brasiliens Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2023 deutlich an Fahrt verloren. Der IBC-Br-Index der Zentralbank, der als Frühindikator für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt, verzeichnete gegenüber dem Vorquartal lediglich ein Wachstum von 0,2%. Nach einem starken ersten Quartal mit einem Plus von 1,1% signalisiert dieser Rückgang eine spürbare Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Besonders auffällig ist die Schwäche im Dienstleistungssektor, der das Rückgrat der brasilianischen Wirtschaft bildet. Dieser schrumpfte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,1%. Damit fiel ausgerechnet der bedeutendste Wirtschaftsbereich des Landes hinter die Erwartungen zurück.

Industrie und Landwirtschaft stützen das Wachstum

Das moderate Quartalswachstum wurde vor allem von der Industrie getragen, die im Vergleich zum Vorquartal um 0,5% expandierte. Die Landwirtschaft legte ebenfalls zu und verzeichnete ein Plus von 0,3%. Die produktionsbezogenen Steuern, die ebenfalls in den IBC-Br-Index einfließen, stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,1%.

Auf Monatsbasis fiel der IBC-Br im Juni gegenüber dem Vormonat auf saisonbereinigter Basis um 0,6%. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 0,53% gerechnet – der tatsächliche Rückgang fiel damit etwas stärker aus als erwartet. Die offiziellen BIP-Daten Brasiliens werden am 1. September von der Statistikbehörde IBGE veröffentlicht und dürften das Bild weiter konkretisieren.

Hohe Zinsen und nachlassende Staatsimpulse bremsen die Konjunktur

Die Verlangsamung im zweiten Quartal war laut Beobachtern weitgehend absehbar. Das brasilianische Finanzministerium erklärte, man habe mit einem schwächeren Wachstum gerechnet, da die Wirkung staatlicher Unterstützungsmaßnahmen nachlasse. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte im Vorfeld seiner angestrebten Wiederwahl im Oktober eine Reihe von Initiativen zur Kreditförderung angekündigt, deren konjunkturelle Wirkung nun abebbt.

Zusätzlich belasten die nach wie vor restriktiven Kreditkosten die Wirtschaftstätigkeit. Obwohl die brasilianische Zentralbank im März einen Lockerungszyklus eingeleitet hat, gehören die Realzinsen mit 14% weiterhin zu den höchsten weltweit. Für deutsche Anleger und Investoren, die an Schwellenländern interessiert sind, ist dies ein wichtiger Kontext: Brasilien kämpft trotz sinkender Leitzinsen noch immer mit einem erheblichen Zinsniveau.

Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Eindämmung der Inflation. Diese lag in den zwölf Monaten bis Juli bei 4,44% und damit noch deutlich über dem offiziellen Ziel der Zentralbank von 3,0%. Die Währungshüter stehen damit vor einem klassischen Dilemma: Einerseits soll die Inflation gesenkt werden, andererseits bremsen hohe Zinsen das Wirtschaftswachstum spürbar.

Für Investoren bleibt Brasilien ein Markt mit erheblichem Potenzial, aber auch mit strukturellen Herausforderungen. Die Kombination aus nachlassenden Fiskalimpulsen, hohen Realzinsen und einer schwächelnden Dienstleistungswirtschaft dürfte die Konjunkturdebatte im Land bis zur Veröffentlichung der offiziellen BIP-Zahlen am 1. September bestimmen.

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