Brasilien: Wirtschaft wächst 2025 um 2,5% dank Agrarsektor
Zentralbank-Index zeigt robuste Entwicklung trotz straffer Geldpolitik – Landwirtschaft als Wachstumstreiber

Die brasilianische Wirtschaft ist im Jahr 2025 um 2,5 Prozent gewachsen, wie der IBC-Br-Index der Zentralbank zeigt. Der als Frühindikator für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) geltende Index basiert auf Schätzungen für Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen und produktionsbezogenen Steuern. Ohne den außergewöhnlich starken Agrarsektor hätte das Wachstum lediglich 1,8 Prozent betragen.
Die offiziellen BIP-Zahlen werden am 3. März erwartet. Von der Zentralbank wöchentlich befragte Ökonomen prognostizieren für 2025 ein BIP-Wachstum von 2,3 Prozent. Dies bedeutet eine deutliche Verlangsamung gegenüber den 3,4 Prozent des Vorjahres. Zu Jahresbeginn hatten Experten sogar nur mit einem Anstieg von 2,0 Prozent gerechnet.
Das verhaltene Wachstum erfolgt vor dem Hintergrund einer extrem restriktiven Geldpolitik. Die brasilianische Zentralbank hatte den Leitzins Selic in einem aggressiven Straffungszyklus um 450 Basispunkte angehoben und hält ihn seit Juli unverändert bei 15 Prozent – dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Ziel der Maßnahmen ist die Eindämmung des Inflationsdrucks.
Landwirtschaft als Stabilitätsanker
Der Agrarsektor erwies sich 2025 als entscheidender Wachstumstreiber mit einem beeindruckenden Plus von 13,1 Prozent. Diese robuste Entwicklung federte die Schwäche in anderen Wirtschaftsbereichen ab. Im vierten Quartal verzeichneten alle Sektoren außer der Industrie positive Werte, der IBC-Br-Index stieg um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Im Dezember fiel der Index saisonbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dies war ein geringerer Rückgang als die von Reuters unter Ökonomen ermittelten minus 0,5 Prozent. Die Wirtschaftsaktivität endete das Jahr damit verhalten, stabilisierte sich aber nach einer branchenübergreifenden Verlangsamung zur Jahresmitte auf niedrigem Niveau.
Zinswende in Sicht
Die Währungshüter haben für den kommenden Monat den Beginn eines Lockerungszyklus signalisiert. "Die wirtschaftliche Aktivität endete 2025 verhalten, was die Argumente für eine bevorstehende Lockerung untermauert", schrieb Andres Abadia, Chefökonom für Lateinamerika bei Pantheon Macroeconomics, in einer Mitteilung an Kunden. Die verhaltene Konjunkturentwicklung stärkt damit die Erwartungen an sinkende Zinsen in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.
