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Boroo übernimmt Victoria Gold: Eagle-Mine im Yukon vor Neustart

Der Singapur-Konzern Boroo kauft Victoria Gold für bis zu 140 Millionen kanadische Dollar und will die stillgelegte Eagle-Mine sanieren.

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Boroo übernimmt Victoria Gold: Eagle-Mine im Yukon vor Neustart

Der in Singapur ansässige Bergbaukonzern Boroo hat sich darauf geeinigt, die insolvente kanadische Goldgesellschaft Victoria Gold zu übernehmen. Der Kaufpreis liegt bei bis zu 140 Millionen kanadische Dollar, umgerechnet rund 100 Millionen US-Dollar. Mit der Transaktion verbindet Boroo das Ziel, die Goldmine Eagle im Yukon zu sanieren und möglicherweise wieder in Betrieb zu nehmen. Das gab das private Unternehmen am Donnerstag bekannt.

Die Mine Eagle liegt rund 375 Kilometer nördlich von Whitehorse auf dem traditionellen Land der First Nation of Na-Cho Nyäk Dun. Der Betrieb steht seit dem Zusammenbruch einer Heap-Leach-Anlage im Juni 2024 still – also seit mehr als zwei Jahren. Der Vorfall hatte den Bergbau im Yukon zum Erliegen gebracht und Victoria Gold in ein Insolvenzverfahren geführt.

„Unser Abkommen zur Übernahme von Victoria Gold und der Goldmine Eagle markiert einen entscheidenden Wendepunkt für dieses grundlegende Asset im Yukon“, erklärte Dulguun Erdenebaatar, CEO von Boroo, in einer Erklärung. „Im vergangenen Jahr haben unsere technischen und Umweltteams unzählige Stunden vor Ort mit umfangreichen Due-Diligence-Prüfungen verbracht, um sicherzustellen, dass der Bergbau in der Mine Eagle verantwortungsvoll wiederaufgenommen werden kann und die umweltbedingten Herausforderungen des Standorts behoben werden.“ Die Gespräche mit der Na-Cho Nyäk Dun laufen nach Angaben des Unternehmens weiter.

Die Details

Die Zahlungsstruktur ist zweistufig: Bei Abschluss der Transaktion zahlt Boroo 40 Millionen kanadische Dollar upfront, weitere 100 Millionen kanadische Dollar folgen als Meilensteinzahlungen, sobald Genehmigungs- und kommerzielle Produktionsziele erreicht sind. Als Käuferin tritt die hundertprozentige Boroo-Tochter Gatsuurt Mining auf, die alleiniger Aktionär von Victoria werden soll. Der Treuhänder PricewaterhouseCoopers beabsichtigt, Anfang Dezember die Genehmigung durch den Ontario Superior Court of Justice einzuholen, wobei ein Abschluss der Transaktion um den 31. Dezember angestrebt wird.

Boroo hat zugesagt, bestimmte Sanierungspflichten zu übernehmen und beim Abschluss der Transaktion gegenüber dem Yukon finanzielle Sicherheiten zu stellen. Die Höhe dieser Sicherheitsleistung wurde in der Ankündigung nicht offengelegt. Nach dem vorgeschlagenen Gerichtsbeschluss würden einige bestehende Verbindlichkeiten bei Victoria verbleiben, während andere an ein separates Unternehmen übertragen würden, das weiterhin in der Insolvenzverwaltung bleibt. Zudem hat Boroo nach eigenen Angaben die Bedingungen eines Rahmenabkommens mit den Behörden des Yukon vereinbart, das Sanierung, Wiederaufnahme und Stilllegung betrifft und mit dem Abschluss der Übernahme in Kraft tritt.

Für den Wiederaufbau rechnet Boroo zwischen 2027 und 2029 mit Ausgaben von rund 800 Millionen kanadischen Dollar für Sanierungsmaßnahmen, Wasserbehandlung, Stabilisierung des Geländes und einen gestaffelten Wiederanlauf. Über die erste Lebensdauer der Mine hinweg sollen mehr als 600 Millionen kanadische Dollar investiert werden, um den Betrieb zu unterstützen und zu verlängern. Zusammen mit dem Kaufpreis untermauern diese Pläne die angekündigte Verpflichtung, mehr als 1,5 Milliarden kanadische Dollar in Kanada zu investieren. Ein festes Datum für den Produktionswiederaufstart nannte das Unternehmen nicht, ebenso wenig spezifisch an Eagle gebundene Finanzierungsquellen.

Die ersten Arbeiten von Boroo konzentrieren sich auf die Stabilisierung des eingestürzten Haldenmaterials und die Behandlung cyanidbelasteten Wassers. Der vorgeschlagene Wiederaufbau umfasst zudem die Überprüfung der Stabilität von Gruben und Abraumhalden, die Validierung von Reserven und Ressourcen, die Reparatur von Ausrüstung sowie die Einführung strengerer Kontrollen bezüglich Erzcharakteristika und Vermischung.

Ein unabhängiges Gutachten führte den Ausfall von Eagle am 24. Juni 2024 auf eine statische Verflüssigung zurück, bei der Material an Festigkeit verliert und fließt. Als beitragende Faktoren wurden schlecht drainierende Erze, angesammeltes Wasser, Bewässerung und Hangbedingungen identifiziert. Etwa 1,8 Millionen Tonnen entzogen sich der Kontrolle, kontaminiertes Material wurde außerhalb des Containment-Systems der Mine freigesetzt. PwC wurde am 14. August 2024 nach einem Antrag des Yukon zum Treuhänder bestellt. Boroo nahm im April dieses Jahres exklusive Akquisitionsverhandlungen auf. Der Yukon hat Darlehen in Höhe von bis zu 220 Millionen kanadischen Dollar an den Treuhänder genehmigt, gesichert durch einen vorrangigen Anspruch gegenüber anderen Gläubigern; diese Obergrenze stellt nicht den letztlich ausgegebenen oder zurückgewonnenen Betrag dar.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der Fall Eagle reiht sich in eine Serie von Projekten ein, über die aktien.news in diesem Jahr berichtet hat und die auf die Wiederbelebung stillgelegter oder historisch produzierender Goldstandorte setzen. Bereits am 18.04.2026 berichtete aktien.news, dass Revival Gold (TSXV: RVG; US-OTC: RVLGF) sein Goldprojekt Mercur im US-Bundesstaat Utah stärker in den Fokus rückt und CEO Hugh Agro in einem gesponserten Videointerview mit dem Bergbau-Fachmedium The Northern Miner über die Perspektiven des Projekts sprach – ein Standort mit bedeutender Geschichte als ehemals produzierende Goldmine.

Am 20.04.2026 meldete aktien.news, dass Agnico Eagle Mines eine umfangreiche Konsolidierungsstrategie für seine Liegenschaften im Central Lapland Greenstone Belt in Finnland angekündigt hat. Das Unternehmen schloss endgültige Vereinbarungen für drei separate Transaktionen ab, darunter der Erwerb sämtlicher Aktien von Rupert Resources und Aurion Resources sowie der von B2Gold gehaltenen 70 Prozent an Fingold Ventures.

Am 10.05.2026 berichtete aktien.news über die Touquoy-Mine in der Provinz Nova Scotia, die aus gelagertem Erz Gold im Wert von geschätzten 180 Millionen US-Dollar gewinnen soll. Hinter dem Vorhaben steht Atlantic Mining Nova Scotia, eine Tochtergesellschaft des australischen Bergbauunternehmens St Barbara Ltd., die im April 2026 die Genehmigung zur Wiederaufbereitung von rund drei Millionen Tonnen gelagertem Erz erhielt.

Am 25.07.2026 folgte der Bericht, dass Hemlo Mining (TSX: HMMC; US-OTC: HMMCF) den Betrieb seiner gleichnamigen Goldmine im Nordwesten Ontarios um rund 20 Jahre verlängern will und dafür insgesamt 130 Millionen US-Dollar investiert.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion vor allem ein Fall für die Beobachtungsliste, nicht für den direkten Einstieg: Boroo ist ein privat gehaltenes Unternehmen und letztlich vom mongolischen Investor Tulga Erdenebileg kontrolliert. Ein Übernahmeantrag vom Mai 2025 ergab, dass er über TDB Capital Singapore und Eminent Stride 70 Prozent hielt, ABC Trading 20 Prozent besaß und CEO Erdenebaatar 10 Prozent innehatte. Erdenebileg hält indirekt zudem 29,69 Prozent der Anteile an der mongolischen Trade and Development Bank.

Ein Investment ist über die börsennotierte Steppe Gold (TSX: STGO) möglich, an der Boroo laut einem Antrag vom Februar 56,88 Prozent hält. Boroo hatte 2021 zudem die Goldmine Lagunas Norte von Barrick in Peru übernommen. Die Jahresabschlüsse vom Juni für Boroo und eine definierte Gruppe von Tochtergesellschaften wiesen liquide Mittel in Höhe von 498,8 Millionen US-Dollar, Kredite in Höhe von 391,7 Millionen US-Dollar sowie weitere 107,2 Millionen US-Dollar an Bonds aus, die an verbundene Konzernunternehmen zahlbar sind. Diese Abschlüsse konsolidieren nicht vollständig alle Tochtergesellschaften von Boroo. Die Gruppe hatte im Vorjahr 300 Millionen US-Dollar durch eine Bond-Begebung mit 9,5 Prozent aufgenommen.

Offen bleibt die Aufteilung der Aufräumungsverantwortlichkeiten und die Rückgewinnung öffentlicher Mittel – beides dürfte den weiteren Verfahrensverlauf prägen. Anleger sollten beachten, dass die Transaktion noch der gerichtlichen Genehmigung bedarf und der Umfang der übernommenen Rekultivierungspflichten nicht beziffert wurde.

Ausblick

Konkrete Termine nennt Boroo nur für das Verfahren: Anfang Dezember will der Treuhänder PwC die Genehmigung des Ontario Superior Court of Justice einholen, der Abschluss der Transaktion wird um den 31. Dezember angestrebt. Die Sanierungs- und Investitionsausgaben von rund 800 Millionen kanadischen Dollar sind für den Zeitraum 2027 bis 2029 vorgesehen. Ein Datum für den Produktionswiederaufstart steht weiterhin nicht fest. Die Gespräche mit der First Nation of Na-Cho Nyäk Dun dauern an.

Kurz erklärt

  • Heap-Leach-Verfahren: Ein Verfahren, bei dem Gold mit einer Lösungsmittellösung aus aufgeschüttetem, zerkleinertem Erz herausgelöst wird.
  • Statische Verflüssigung: Ein Versagen von aufgeschüttetem Material, bei dem es an Festigkeit verliert und zu fließen beginnt.
  • Treuhänder: Eine vom Gericht bestellte Instanz, die im Insolvenzverfahren die Vermögenswerte verwaltet und eine Verwertung vorbereitet.
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