BofA senkt Inflationsprognose für Eurozone wegen sinkender Gaspreise
Verbesserte Gaspreisaussichten veranlassen die Bank of America, ihre Inflations- und Wachstumsprognosen für die Eurozone deutlich zu revidieren.

Die Bank of America hat ihre Inflationsprognosen für die Eurozone nach unten korrigiert. Ausschlaggebend sind verbesserte Aussichten bei den Erdgaspreisen, die den wirtschaftlichen Druck auf die Währungsunion spürbar mindern. Die Gesamtinflation soll nun im späten dritten Quartal 2026 bei rund 3,3 Prozent ihren Höchststand erreichen – statt wie bisher erwartet bei 4 Prozent im vierten Quartal 2026.
Für das Jahr 2026 prognostiziert die Bank nun eine HVPI-Inflation von 2,9 Prozent in der Eurozone. Das entspricht einem Rückgang von 40 Basispunkten gegenüber der vorherigen Schätzung. Für 2027 erwartet die Bank of America eine Inflationsrate von 1,9 Prozent – ein Minus von 20 Basispunkten im Vergleich zur früheren Prognose.
Auch die Kerninflation wird nach unten revidiert: Für 2026 rechnet die Bank mit 2,2 Prozent, für 2027 mit 2,1 Prozent – jeweils ein Rückgang um 10 Basispunkte. Die Gesamtinflation soll im zweiten Quartal 2027 wieder unter die Marke von 2 Prozent fallen, während die Kerninflation erst gegen Ende desselben Jahres das 2-Prozent-Ziel erreichen dürfte.
Wachstumsprognosen ebenfalls angehoben
Parallel zu den gesenkten Inflationserwartungen hebt die Bank of America ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone an. Für 2026 erwartet sie nun ein Wachstum von 0,7 Prozent – ein Plus von 10 Basispunkten gegenüber der vorherigen Schätzung. Für 2027 werden 1,2 Prozent prognostiziert, was einem Anstieg um 20 Basispunkte entspricht.
Das niedrigere Gaspreisniveau reduziert laut Bank of America den realwirtschaftlichen Schock der anhaltenden Krise um etwa ein Drittel. Allerdings bestehen die Auswirkungen höherer Ölpreise sowie die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit weiterhin. Das stärkste Wachstum wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet, bevor es sich bis Ende 2027 auf etwa 0,3 Prozent im Quartalsvergleich abschwächt.
EZB-Zinspfad: Zwei Erhöhungen, dann Senkungen
Hinsichtlich der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hält die Bank of America an ihrer Erwartung von zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im Juni und Juli 2026 fest. Dies würde den Einlagensatz auf 2,5 Prozent anheben. Die Risiken einer Verschiebung der zweiten Erhöhung auf September 2026 nehmen laut der Bank jedoch zu.
Gleichzeitig gewichtet die Bank of America das Risiko, dass gar keine Zinserhöhungen erfolgen, höher als das Risiko von Anhebungen um insgesamt mehr als 50 Basispunkte. Diese Einschätzung spiegelt die nach wie vor bestehende Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf in der Eurozone wider.
Ab Juni 2027 erwartet die Bank of America vierteljährliche Zinssenkungen der EZB. Der Einlagensatz soll bis Ende 2027 auf 1,75 Prozent sinken. Die Zentralbank könnte dabei bei einem Einlagensatz von 2,0 Prozent eine Pause einlegen – solange, bis ein anhaltendes Unterschreiten des Inflationsziels weitere Senkungen auf unter 2 Prozent im Jahr 2028 erzwingt.
