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EZB-Entscheidungsträger uneins über weiteren Zinspfad in der Energiekrise

EZB-Rat uneins: Weitere Zinserhöhung im Oktober möglich, aber Risiken für Wachstum wachsen

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EZB-Entscheidungsträger uneins über weiteren Zinspfad in der Energiekrise

Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich nach ihrer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr gespalten über den weiteren geldpolitischen Kurs. Während einige Währungshüter angesichts steigender Energiepreise auf weitere Anhebungen drängen, warnen andere vor den Risiken für das Wirtschaftswachstum.

Die EZB hatte am Donnerstag ihren Leitzins von 2,25 Prozent auf 2,50 Prozent angehoben und damit das obere Ende des neutralen Bereichs erreicht. Aus informierten Kreisen verlautete, dass Entscheidungsträger mit einer weiteren Straffung rechnen, die bereits im Oktober erfolgen könnte. Die Notenbank bewegt sich damit in einem zunehmend schwierigen Fahrwasser zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturschutz.

Bundesbankpräsident Nagel sieht Spielraum nach oben

Bundesbankpräsident Joachim Nagel schloss nicht aus, dass die EZB in einen „leicht restriktiven Bereich“ vordringen müsse, um die Inflation wirksam zu bekämpfen. Gegenüber CNBC betonte er jedoch, dass dies maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Energiepreise abhänge. Die Aussage macht deutlich, dass die künftige Geldpolitik stark von den externen Rahmenbedingungen bestimmt wird.

Diese Einschätzung wird von anderen Notenbankern geteilt. Der estnische Zentralbankchef Ülo Kaasik bezeichnete die Markterwartungen von mindestens drei weiteren Zinserhöhungen im kommenden Jahr als „nachvollziehbar“. Er verwies auf die Gefahr, dass die Preissteigerungen bei Gas, Kraftstoffen und Lebensmitteln deutlich stärker und langanhaltender ausfallen könnten als bisher prognostiziert. Auch der slowenische Zentralbankgouverneur Primož Dolenc warnte vor den steigenden Energie- und Stromkosten in den kommenden Herbst- und Wintermonaten.

Mahnende Stimmen aus Irland

Demgegenüber mahnte der irische Notenbankchef Gabriel Makhlouf zur Vorsicht. In einem Blogbeitrag betonte er, dass ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten zwar die Inflation über einen längeren Zeitraum hoch halten könnte, eine zu starke Zinsanhebung jedoch das Wirtschaftswachstum ernsthaft gefährden würde. Makhlouf unterstrich, dass die EZB mit einer zu restriktiven Politik „echte Kosten“ in Form von Wachstumseinbußen riskieren könnte.

Die unterschiedlichen Positionen spiegeln das grundlegende Dilemma der EZB wider: Einerseits müssen die Währungshüter die hartnäckige Inflation bekämpfen, die maßgeblich von den Energiepreisen getrieben wird. Andererseits droht bei zu aggressiven Zinsschritten eine wirtschaftliche Abkühlung, die vor allem die konjunkturell schwächeren Euro-Länder hart treffen könnte.

Prognosen mit Unsicherheiten behaftet

Die EZB hatte ihre Prognosen für Wachstum und Inflation am Donnerstag zwar leicht nach oben korrigiert, räumte jedoch ein, dass die jüngsten Entwicklungen an den Energiemärkten in diesen Berechnungen noch nicht vollständig abgebildet sind. Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die tatsächliche Teuerung möglicherweise höher ausfallen könnte als derzeit offiziell erwartet.

Für deutsche Anleger und Sparer bedeutet die aktuelle Lage eine anhaltende Unsicherheit. Die Zinsentscheidungen der EZB beeinflussen maßgeblich die Renditen von Staatsanleihen, die Kreditkosten für Unternehmen und die Sparzinsen. Eine weitere Straffung der Geldpolitik würde die Finanzierungsbedingungen in der gesamten Eurozone verschärfen.

Die künftige Geldpolitik bleibt somit ein Balanceakt zwischen der Eindämmung der inflationsgetriebenen Energiepreise und der Vermeidung einer wirtschaftlichen Abkühlung. Die Entscheidung im Oktober wird richtungsweisend sein – und die Märkte werden genau darauf achten, ob sich die Falken oder die Tauben im EZB-Rat durchsetzen.

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