BNP Paribas übertrifft Q3-Gewinnprognose und kündigt 1,3-Milliarden-Rückkauf an
Frankreichs größte Bank steigert den Quartalsgewinn um 14 Prozent und startet im November einen Aktienrückkauf.

Die französische Großbank BNP Paribas hat am Mittwoch, dem 28. Oktober, einen Gewinnanstieg im dritten Quartal gemeldet, der die Erwartungen der Analysten übertraf. Das Nettoergebnis kletterte um 14 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro. Damit lag das Institut klar über dem Durchschnittswert von 3,23 Milliarden Euro, den die von der Bank befragten Analysten prognostiziert hatten.
Der Umsatz des nach Bilanzsumme größten Kreditinstituts der Eurozone stieg im Jahresvergleich auf 13,76 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen damit leicht. Zugleich kündigte BNP Paribas eine Aktienrückkaufmaßnahme in Höhe von 1,3 Milliarden Euro an, die im November eingeleitet werden soll. Das entspricht 1,45 Milliarden US-Dollar.
Getragen wurde das Ergebnis vor allem von den Investmentbankern des Hauses. BNP Paribas veröffentlicht ihre Zahlen in dieser Woche gemeinsam mit einer ganzen Reihe weiterer europäischer Institute, darunter die Deutsche Bank, UBS und Santander. Investoren beobachten dabei genau, ob die Kreditinstitute ihre jüngsten Rekordgewinne halten können. Für zusätzliche Spannung sorgte der Vortag: HSBC hatte am Dienstag einen Kälteeinschlag in der Branche ausgelöst, nachdem sie mit ihrem Umsatzwachstum enttäuscht hatte und ihre Kurse um fast 7 Prozent fielen.
Die Details
Den stärksten Beitrag zum Ergebnis lieferte zum zweiten Quartal in Folge ein rekordhoher Anstieg der Einnahmen aus dem Geschäft mit Equity- und Prime-Services. Dieser Wert legte gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zu. Damit übertraf BNP Paribas den durchschnittlichen Gewinn von 37 Prozent im Aktienhandel bei den fünf führenden US-Anbietern, wie eine Berechnung von Reuters anhand von Unternehmensangaben ergibt.
Die gesamten Umsätze der Sparte Corporate & Institutional Banking, die der langjährige CEO Jean-Laurent Bonnafe zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor gemacht hat, stiegen gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent. Die Einnahmen aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen blieben dagegen unverändert. Darin spiegelt sich ein branchenweit schwaches Quartal für das Fixed-Income-Geschäft wider.
Im Einzelkundengeschäft verzeichnete BNP Paribas einen Einkommensanstieg von 4 Prozent, begünstigt durch höhere Zinssätze. Die Bank gab zudem bekannt, dass sie ihren Common-Equity-Tier-1-(CET1)-Kapitalquotenwert, einen wichtigen Indikator für die finanzielle Stärke, bereits Ende Juni vorzeitig erreicht hatte. Analysten der RBC hatten vor den Ergebnissen erwartet, dass BNP einen Rückkauf in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro vorziehen werde, „um Vertrauen in ihre Aussichten auszudrücken“.
Ein Thema, das die französischen Banken derzeit belastet, sind die stark steigenden Renditen für Staatsanleihen der Eurozone – insbesondere in Frankreich angesichts der Bedenken bezüglich der fiskalischen Lage des Landes. Dadurch sind die Sorgen hinsichtlich der Exposition der Kreditinstitute gegenüber Staatsverschuldung wiederbelebt worden. BNP Paribas erklärte dazu, ihre Exposition gegenüber französischen Staatsanleihen sei begrenzt und betrage Ende September rund 19 Milliarden Euro. Frankreich habe im vergangenen Jahr weniger als 10 Prozent ihres vorsteuerlichen Einkommens ausgemacht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass BNP Paribas ihre mittelfristigen Finanzziele deutlich angehoben hat. Europas größter Kreditgeber nach Bilanzsumme will demnach bis 2028 eine Eigenkapitalrendite von über 13 Prozent erreichen. Die neue Zielvorgabe stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber der für 2025 gemeldeten Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE) von 11,6 Prozent dar. Für 2026 prognostizierte die Bank bereits eine ROTE von 12 Prozent. Die nun angepeilten 13 Prozent für 2028 übertreffen auch das bisherige Ziel von „etwa 13 Prozent“. Besonders ambitioniert zeigte sich BNP Paribas damals bei der Effizienzsteigerung: Das Kosten-Ertrags-Verhältnis sollte bis 2028 weiter sinken.
Am 06.02.2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news, wonach BNP Paribas ihre strategischen Ziele für die kommenden Jahre deutlich angehoben hat. Der größte Kreditgeber der Eurozone gemessen an den Vermögenswerten strebt bis 2028 eine Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity, ROTE) von über 13 Prozent an. Das neue Ziel lag merklich über der bisherigen Prognose und unterstrich das Vertrauen des Managements in die laufenden Effizienzprogramme. Die angestrebte Rendite von mehr als 13 Prozent bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber den 11,6 Prozent, die für 2025 gemeldet wurden. Für 2026 rechnete die Bank bereits mit einer ROTE von 12 Prozent. Die Eigenkapitalrendite gilt als zentrale Kennzahl für die Profitabilität.
Auch bei den Wettbewerbern spielten Aktienrückkäufe zuletzt eine große Rolle. Am 29.07.2026 berichtete aktien.news, dass die UBS Group AG ein neues Aktienrückkaufprogramm im Wert von 3 Milliarden US-Dollar angekündigt hat. Die Züricher Großbank stützte sich dabei auf ein starkes zweites Quartal, in dem sowohl die Vermögensverwaltung als auch das Investmentbanking überzeugende Ergebnisse lieferten. Das neue Programm folgte unmittelbar auf einen erst in diesem Monat abgeschlossenen Rückkaufplan in gleicher Höhe. Der Nettogewinn der UBS belief sich im zweiten Quartal auf 2,8 Milliarden US-Dollar und lag damit über den Analystenprognosen.
Bereits am 30.04.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass die ING Group einen Aktienrückkauf in Höhe von 1 Milliarde Euro angekündigt hat. Auslöser war ein Quartalsergebnis, das die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Damit sendete die niederländische Großbank ein klares Signal der finanziellen Stärke an die Märkte. Aktienrückkäufe gelten im Bankensektor als wichtiges Instrument zur Kapitalrückgabe an die Aktionäre. Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft, reduziert es die Anzahl der im Umlauf befindlichen Papiere – was in der Regel den Gewinn je Aktie (EPS) steigert und den Kurs stützt. Für Privatanleger ist ein solches Programm daher oft ein positives Signal.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Kombination aus übertroffenem Quartalsgewinn und angekündigtem Aktienrückkauf ein doppeltes Signal. Einerseits zeigt das Ergebnis, dass das Investmentbanking von BNP Paribas derzeit deutlich stärker wächst als der Marktdurchschnitt – der Zuwachs von 50 Prozent im Equity- und Prime-Services-Geschäft liegt klar über dem Durchschnitt der fünf führenden US-Anbieter von 37 Prozent. Andererseits bedeutet der Rückkauf von 1,3 Milliarden Euro, dass die Bank überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückgibt, statt es zu horten.
Gleichzeitig sollten Anleger die Risikoseite nicht ausblenden. Die stark steigenden Renditen für Staatsanleihen der Eurozone und die fiskalischen Bedenken in Frankreich bleiben ein Belastungsfaktor für französische Institute. BNP Paribas hat zwar betont, dass ihre Exposition gegenüber französischen Staatsanleihen mit rund 19 Milliarden Euro begrenzt sei und Frankreich im vergangenen Jahr weniger als 10 Prozent des vorsteuerlichen Einkommens ausgemacht habe. Diese Einordnung ist jedoch eine Einschätzung des Unternehmens selbst.
Hinzu kommt die Unsicherheit im Branchenvergleich: Der enttäuschende Umsatzausweis von HSBC am Dienstag und der Kursrückgang von fast 7 Prozent zeigen, wie sensibel der Markt derzeit auf Wachstumszahlen im Bankensektor reagiert. Wer in europäische Bankaktien investiert ist, sollte daher die weiteren Quartalsberichte der kommenden Tage aufmerksam verfolgen.
Ausblick
BNP Paribas will die Aktienrückkaufmaßnahme in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im November einleiten. Hintergrund ist, dass die Bank ihren CET1-Kapitalquotenwert bereits Ende Juni vorzeitig erreicht hatte. In dieser Woche legen weitere europäische Großbanken ihre Zahlen vor, darunter die Deutsche Bank, UBS und Santander. Investoren werden dabei vor allem prüfen, ob die Institute die jüngsten Rekordgewinne bestätigen können oder ob sich die Enttäuschung von HSBC bei anderen Häusern wiederholt.
Kurz erklärt
- Aktienrückkauf: Ein Unternehmen kauft eigene Aktien an der Börse zurück und reduziert damit die Zahl der im Umlauf befindlichen Papiere.
- CET1-Quote: Kennzahl für die Kernkapitalausstattung einer Bank im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva.
- Eigenkapitalrendite (ROTE): Verhältnis des Gewinns zum materiellen Eigenkapital und damit Maßstab für die Profitabilität einer Bank.
- Fixed Income: Sammelbegriff für den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen.
