Bloomberg: PAG verhandelt exklusiv über Mehrheitsbeteiligung an Evergrande-Immobilientochter
Die asiatische Beteiligungsgesellschaft PAG führt exklusive Gespräche über eine Mehrheitsbeteiligung an der Evergrande Property Services Group.

Die asiatische Private-Equity-Firma PAG führt exklusive Verhandlungen über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an einer Immobilientochter der China Evergrande Group. Das berichtet Bloomberg News am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Mit dem Schritt versuchen die Liquidatoren des angeschlagenen Immobilienentwicklers, Mittel für die Gläubiger zurückzugewinnen.
Im Zentrum der Gespräche steht die Evergrande Property Services Group, die an der Hongkonger Börse unter der Kennnummer 6666 notiert ist. Laut Bloomberg verhandelt PAG über die endgültigen Konditionen für eine Beteiligung an dem Unternehmen. Die Gespräche laufen noch, und es besteht keine Gewissheit, dass ein Deal tatsächlich zustande kommt. Der Bericht stützt sich auf anonyme Quellen, die Angaben sind daher mit der üblichen Vorsicht zu behandeln.
An der Börse sorgte die Nachricht für Auftrieb. Die Aktien von Evergrande Property Services stiegen bis 06:55 Uhr GMT um 2,6 Prozent auf 1,17 Hongkong-Dollar. Der Marktwert des Immobilienmanagementunternehmens liegt bei rund 12,3 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet etwa 1,6 Milliarden US-Dollar. Gemessen an der Größe des Mutterkonzerns vor dessen Zusammenbruch handelt es sich um einen vergleichsweise kleinen Vermögenswert – für die Liquidatoren aber um einen, der sich verwerten lässt.
Die Details
Der potenzielle Verkauf ist Teil der laufenden Abwicklung von Evergrande, die seit mehr als zwei Jahren andauert. Im Januar 2024 hatte ein Gericht in Hongkong den Entwickler zur Liquidation verurteilt. Seitdem versuchen die Liquidatoren, die Rückflüsse für die Gläubiger durch Vermögensverkäufe und rechtliche Ansprüche zu maximieren. Die Beteiligung an der Immobilientochter gehört zu den Assets, die auf diesem Weg zu Geld gemacht werden sollen.
PAG ist dabei nicht der einzige Interessent. Bloomberg hatte bereits im vergangenen Monat berichtet, dass PAG, Warburg Pincus und Trustar zu den Unternehmen gehören, die nach dem Scheitern von Gesprächen mit einem chinesischen staatlichen Bieter neue Angebote prüfen. Der Bieterkreis ist damit international besetzt und besteht ausschließlich aus Finanzinvestoren – also aus Beteiligungsgesellschaften, die nicht operativ im Immobiliengeschäft tätig sind, sondern auf Rendite durch Verkauf oder Restrukturierung setzen.
Das Umfeld bleibt schwierig. Das einst größte Immobilienunternehmen Chinas war 2021 in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem es Schulden in Höhe von mehr als 300 Milliarden US-Dollar angehäuft hatte. Evergrande wurde damit zum Symbol der langanhaltenden Immobilienkrise des Landes. Diese Krise hat in den vergangenen Jahren auch zahlreiche andere Entwickler erfasst und das Vertrauen von Käufern, Banken und Anleiheinvestoren nachhaltig belastet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass mehrere Private-Equity-Firmen neue Angebote für die Evergrande Property Services Group Ltd. vorbereiten. Nach Angaben mit der Situation vertrauter Personen kehrten PAG, Warburg Pincus und Trustar Capital in den Bieterprozess für das in Hongkong notierte Immobilienmanagementunternehmen zurück. Auslöser war, dass die Liquidatoren der China Evergrande Group keine Einigung mit Guangdong Provincial Tourism Holdings Co. erzielt hatten, mit dem zuvor exklusive Gespräche geführt worden waren.
Am 14.04.2026 berichtete aktien.news, dass sich Hui Ka Yan, Gründer der China Evergrande Group, in Anklagepunkten wie Betrug bei der Mittelbeschaffung und Bestechung schuldig bekannt hat. Das Geständnis des 67-Jährigen nach drei Jahren in Haft markierte den Schlusspunkt unter den Zusammenbruch eines der einst mächtigsten Immobilienkonzerne der Welt. Evergrande befand sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Gesamtverbindlichkeiten von mehr als 300 Milliarden US-Dollar in Liquidation – ein Betrag, der in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Finnlands entspricht.
Zwei weitere Berichte vom 04.03.2026 und 04.09.2026 zeigen, dass die Sonderlage in der chinesischen Immobilienbranche kein Einzelfall ist. Anfang März 2026 stockten die Gespräche zwischen dem US-Private-Equity-Riesen Blackstone und dem Hongkonger Immobilienentwickler New World Development, weil sich die Gründerfamilie Cheng dagegen wehrte, die Kontrolle abzugeben. Anfang September 2026 stiegen dagegen die Aktien des chinesischen Immobilienriesen Longfor in Hongkong um bis zu 9,2 Prozent auf 6,37 Hongkong-Dollar, nachdem das Unternehmen Anleihegläubiger über seine stabile Liquiditätslage informiert hatte. Der Hang Seng Index gewann im Vergleich dazu lediglich 2,1 Prozent hinzu.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht in erster Linie ein Signal zur Lage der chinesischen Immobilienbranche und ihrer Abwicklung – nicht eine konkrete Investmentgeschichte. Beteiligt ist mit PAG ein Finanzinvestor, der eine Mehrheitsbeteiligung anstrebt; ob und zu welchen Konditionen ein solcher Deal zustande kommt, ist laut Bloomberg offen. Der Kurs der Evergrande-Property-Services-Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 2,6 Prozent, was zeigt, wie stark solche Berichte kurzfristig auf den Kurs einwirken – und wie schnell diese Bewegung wieder verpuffen kann, wenn die Gespräche scheitern.
Wer in Hongkong notierte Immobilientitel aus China hält, sollte die weitere Entwicklung des Bieterprozesses verfolgen. Die Beteiligung an einem Unternehmen mit einem Marktwert von rund 12,3 Milliarden Hongkong-Dollar ist klein genug, um in einem Zeitungsbericht für deutliche Kursausschläge zu sorgen – ein Hinweis darauf, wie dünn die Nachrichtenlage und wie sensibel die Anlegerbasis in diesem Segment ist. Dieser Artikel ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Bloomberg zufolge laufen die Verhandlungen zwischen PAG und den Liquidatoren noch. Eine Zusage, dass ein Abschluss gelingt, gibt es nicht. Die Liquidation der China Evergrande Group dauert seit mehr als zwei Jahren an und ist damit weiterhin nicht beendet. Weitere Termine, Fristen oder konkrete Konditionen nennt der Bericht nicht.
Klar ist nur: Das Verfahren um die Evergrande Property Services Group hat bereits mehrere Anläufe und einen gescheiterten exklusiven Bieterprozess hinter sich. Ob der erneute Anlauf mit PAG nun zu einem Verkauf führt, dürfte in den kommenden Wochen über die Höhe der Rückflüsse für die Gläubiger mitentscheiden.
Kurz erklärt
- Liquidation: Ein gerichtlich angeordnetes Verfahren, bei dem das Vermögen eines zahlungsunfähigen Unternehmens verwertet und der Erlös an die Gläubiger verteilt wird.
- Private Equity: Beteiligungsgesellschaften, die Kapital in nicht börsennotierte oder unterbewertete Unternehmen investieren und dieses nach einer Restrukturierung oder einem Verkauf wieder herauslösen wollen.
- Mehrheitsbeteiligung: Ein Anteil an einem Unternehmen, der dem Käufer die Kontrolle über die Geschäftsführung und die strategische Ausrichtung verschafft.
- Marktkapitalisierung: Der Börsenwert eines Unternehmens, der sich aus dem Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl der ausgegebenen Aktien ergibt.
