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Biotech-Start-ups nutzen Reverse Mergers für schnellere Börsengänge

Die Zahl der Biotech-Unternehmen, die per Reverse Merger an die Börse gehen, hat sich 2026 fast versechsfacht.

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Biotech-Start-ups nutzen Reverse Mergers für schnellere Börsengänge

Die Biotech-Branche erlebt einen bemerkenswerten Trend: Immer mehr Start-ups umgehen den klassischen Börsengang und nutzen stattdessen sogenannte Reverse Mergers, um schneller an die Nasdaq zu gelangen. Laut der Investmentbank William Blair haben in diesem Jahr bereits 23 Biotech-Unternehmen angekündigt, diesen Weg zu gehen – im Vorjahr waren es lediglich vier. Das entspricht einer Versechsfachung innerhalb eines einzigen Jahres.

Bei einem Reverse Merger fusioniert ein privates Unternehmen mit einer bereits börsennotierten Gesellschaft. Dadurch übernimmt das private Unternehmen de facto die Börsenhülle des Fusionspartners und gelangt so an den Kapitalmarkt – ohne den aufwendigen und kostspieligen traditionellen IPO-Prozess durchlaufen zu müssen. Als Fusionskandidaten dienen häufig Unternehmen, die erhebliche Rückschläge erlitten haben, etwa durch das Scheitern eines wichtigen Wirkstoffkandidaten.

Pandemie-Boom als Treiber des aktuellen Angebots

Der aktuelle Anstieg der Reverse Mergers ist eng mit dem überhitzten Biotech-IPO-Markt der Pandemiejahre verknüpft. Laut Daten von FactSet gab es im Jahr 2020 insgesamt 51 und im Jahr 2021 sogar 70 Biotech-Börsengänge – bevor der Markt im darauffolgenden Jahr abrupt austrocknete. Viele dieser Unternehmen erlitten seither klinische Rückschläge und sind nun empfänglich für Zusammenschlüsse.

Ein prominentes Beispiel ist Cyclerion Therapeutics, das 2019 an die Börse ging, jedoch eine Reihe klinischer Misserfolge hinnehmen musste – darunter das Scheitern seiner Sichelzellen-Therapie. Das Unternehmen versuchte vergeblich, sich auf neue Geschäftsfelder auszurichten, und wurde schließlich selbst zum Übernahmeziel für einen Reverse Merger.

Bemerkenswert ist, dass der Anstieg der Reverse Mergers parallel zu einer Erholung des klassischen IPO-Marktes verläuft. In diesem Jahr wurden ebenfalls 23 traditionelle Biotech-Börsengänge verzeichnet, verglichen mit 12 im Vorjahr. Beide Wege gewinnen also gleichzeitig an Bedeutung – ein Zeichen für die insgesamt wachsende Dynamik im Biotech-Sektor.

Imagewandel: Reverse Merger wird salonfähig

Lange Zeit galt der Reverse Merger in der Finanzbranche als zweitklassige Alternative zum klassischen Börsengang. Dieses Stigma schwindet jedoch zunehmend. „In der Vergangenheit galt der Börsengang durch Reverse Mergers als zweitklassige Option", sagte Brian Rosenzweig, Partner für Kapitalmärkte bei der Anwaltskanzlei Covington. „Diese Einschätzung hat sich jedoch weitgehend geändert, da der Markt für Reverse Mergers professioneller geworden ist."

Zu diesem Wandel trägt auch eine wachsende Zahl professioneller Investoren bei, die bereit sind, solche Transaktionen zu finanzieren. Das reichhaltige Angebot an börsennotierten, aber angeschlagenen Biotech-Unternehmen trifft damit auf eine zunehmend institutionalisierte Nachfrageseite – eine Kombination, die den Reverse-Merger-Markt strukturell verändert.

Für deutsche Privatanleger ist dieser Trend relevant, da viele europäische Biotech-Unternehmen ebenfalls an der Nasdaq notiert sind oder eine US-Notierung anstreben. Der Reverse Merger bietet dabei eine schnellere Route an den wichtigsten Kapitalmarkt für Life-Science-Unternehmen weltweit – mit entsprechenden Chancen, aber auch Risiken für Investoren, die in frühe Börsenphasen einsteigen.

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