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Big Four verbessern Prüfqualität – Tether erhält erstes Vollaudit

Neue PCAOB-Daten zeigen Fortschritte bei den großen Wirtschaftsprüfern, während Tether erstmals ein vollständiges unabhängiges Audit vorlegt.

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Big Four verbessern Prüfqualität – Tether erhält erstes Vollaudit

Die Wirtschaftsprüfungsbranche befindet sich in einem bedeutenden Wandel. Zwei aktuelle Entwicklungen verdeutlichen dies besonders: Verbesserte Prüfqualität bei den Big Four laut neuen Daten des US-amerikanischen Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) sowie ein historischer Meilenstein für den Stablecoin-Anbieter Tether, der erstmals ein vollständiges unabhängiges Audit vorweisen kann.

Das PCAOB, die US-Aufsichtsbehörde für Wirtschaftsprüfer börsennotierter Unternehmen, hat neue Inspektionsdaten für das Jahr 2025 veröffentlicht. Demnach haben alle vier großen Prüfgesellschaften – EY, Deloitte, PwC und KPMG – ihre sogenannten Deficiency Rates, also die Fehlerquoten bei Prüfungen, gegenüber dem Vorjahr verbessert. Dieser kollektive Fortschritt markiert eine Erholung nach der Pandemiezeit, in der die Branche einen deutlichen Anstieg an Prüfmängeln verzeichnet hatte – ein Trend, den Experten unter anderem auf die Störungen durch Remote-Arbeit zurückführten.

EY und Deloitte führen das Ranking an

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei EY. Die Gesellschaft hatte ihre eigene Leistung seit 2021 als „inakzeptabel" bezeichnet und daraufhin ihre Prüfungssparte umstrukturiert, stark in Technologie und Datenanalyse investiert sowie sich strategisch von schwierigen Mandanten getrennt. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: EY teilt sich nun mit Deloitte die Spitzenposition, beide Gesellschaften melden eine Deficiency Rate von lediglich 5 Prozent.

Dennoch bestehen innerhalb der Big Four weiterhin deutliche Unterschiede. PwC verzeichnet eine Fehlerquote von 9 Prozent, während KPMG mit 13 Prozent die höchste Rate unter den vier großen Prüfgesellschaften aufweist. Auch mittelgroße Prüfgesellschaften konnten sich verbessern: BDO USA senkte seine Deficiency Rate von 60 auf 34 Prozent, Grant Thornton US verbesserte sich von 48 auf 33 Prozent – beides erhebliche Fortschritte, wenngleich auf einem insgesamt höheren Niveau als die Big Four.

Das PCAOB selbst steht unter neuer Führung. Der von der Trump-Administration ernannte Vorsitzende Jim Logothetis signalisiert einen Kurswechsel in der Aufsichtsphilosophie: Die Behörde will sich künftig weniger auf einzelne Prüfungsinspektionen konzentrieren und stattdessen die Qualitätskontrollsysteme der Gesellschaften als Ganzes bewerten. Branchenvertreter hatten zuvor kritisiert, dass Inspektoren unter der Biden-Ära zu stark auf Kleinigkeiten fokussiert waren, anstatt systemische Schwächen zu identifizieren – und dass das bisherige Inspektionsregime nicht ausreichend zwischen schwerwiegenden Fehlern und rein technischen Mängeln unterscheide.

Tether erhält erstes vollständiges Audit von KPMG

Parallel zu diesen Entwicklungen in der klassischen Wirtschaftsprüfung hat Tether, der weltgrößte Stablecoin-Anbieter, einen bedeutenden Schritt in Richtung Transparenz unternommen. Das Unternehmen gab bekannt, erstmals ein vollständiges unabhängiges Audit seiner Jahresabschlüsse erhalten zu haben – durchgeführt von KPMG US. Das Audit bezieht sich auf das Geschäftsjahr, das am 31. Dezember 2025 endete, und mündete in einem sogenannten „unqualified audit opinion", also einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk.

KPMG bestätigte, dass Tethers Jahresabschlüsse den US-GAAP-Standards entsprechen und die finanzielle Lage des Unternehmens in allen wesentlichen Belangen fair darstellen. Dies ist ein erheblicher Fortschritt gegenüber der bisherigen Praxis: Tether hatte sich bislang auf vierteljährliche Reserve-Attestierungen beschränkt – zeitlich begrenzte Momentaufnahmen der gehaltenen Vermögenswerte –, die kein vollständiges Bild der Unternehmenslage liefern.

Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit Reputationsbedenken sowie fehlende kryptowährungsspezifische Regulierungen als Hindernisse für ein vollständiges Audit angeführt. Das Fehlen eines solchen Audits war ein Streitpunkt für potenzielle Investoren und hatte unter anderem dazu beigetragen, dass ein Fundraising-Vorhaben ins Stocken geriet, das bis zu 20 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar einsammeln wollte.

Transparenz mit Einschränkungen

Trotz des Meilensteins hat Tether entschieden, den vollständigen Prüfbericht nicht öffentlich zugänglich zu machen. KPMG US bestätigte zwar die Erteilung des Bestätigungsvermerks, verwies jedoch auf die Vertraulichkeitspflicht gegenüber dem Mandanten und machte keine weiteren Angaben.

Diese Einschränkung verdeutlicht eine anhaltende Spannung im Kryptosektor: Einerseits wächst der Druck auf digitale Vermögenswerte, sich an traditionellen Finanzstandards zu orientieren und institutionelles Vertrauen zu gewinnen. Andererseits kollidiert dieser Transparenzanspruch mit den üblichen Gepflogenheiten unternehmerischer Vertraulichkeit. Die Entwicklungen bei den Big Four und bei Tether spiegeln insgesamt einen branchenweiten Trend zu höheren Rechenschaftsstandards wider – auch wenn die Debatte darüber, wie Prüfqualität gemessen und kommuniziert werden sollte, noch lange nicht abgeschlossen ist.

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