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Benzinpreise sinken nach US-Iran-Deal – Lieferketten bleiben angespannt

Ein vorläufiges Abkommen zwischen den USA und Iran entlastet die Energiemärkte – doch Experten warnen vor strukturellen Risiken.

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Benzinpreise sinken nach US-Iran-Deal – Lieferketten bleiben angespannt

Die Ankündigung eines vorläufigen Memorandums of Understanding zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat die globalen Energiemärkte in Bewegung versetzt. Präsident Donald Trump verkündete das Abkommen, das eine mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus in Aussicht stellt – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch diese Meerenge fließt rund ein Fünftel des globalen Ölhandels. Die Nachricht sorgte unmittelbar für Erleichterung an den Rohstoffmärkten.

Die US-amerikanischen Benzinpreise sind erstmals seit Mitte April unter die psychologisch wichtige Marke von vier Dollar pro Gallone gefallen. Der Datendienst GasBuddy meldete am Sonntag einen nationalen Durchschnittspreis von 3,997 Dollar, während der Automobilclub AAA am Montag einen leicht höheren Wert von 4,065 Dollar auswies. Auslöser war ein Rückgang der Rohölpreise um mehr als vier Dollar pro Barrel infolge der Einigungsmeldung.

Trotz dieser kurzfristigen Entlastung ist die wirtschaftliche Bilanz des Konflikts verheerend: Seit Kriegsbeginn im März haben US-Verbraucher schätzungsweise 46 Milliarden Dollar mehr für Benzin ausgegeben als zuvor. Die Nachhaltigkeit der gesunkenen Preise bleibt fraglich. Bjarne Schieldrop von der Investmentbank SEB bezeichnete die aktuelle Marktstruktur als „fragil" und warnte, das Abkommen könne scheitern, wenn politische oder technische Details unlösbar bleiben.

Benzinvorräte auf Dekadentief

Zusätzlich belasten strukturelle Engpässe den US-Markt. Die saisonalen Benzinlagerbestände erreichten Anfang Juni mit 215,1 Millionen Barrel den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Hohe Inlandsnachfrage und starke Exportvolumina setzen die Vorräte weiter unter Druck. Sollte die Wiedereröffnung der Straße von Hormus – die aufwendige Minenräumungsoperationen erfordert – sich verzögern, droht eine erneute Preisumkehr.

Auch die Automobilindustrie leidet massiv unter den Folgen des Konflikts. Autowerkstätten in Tokio und Detroit kämpfen seit Monaten mit gravierenden Engpässen bei Erdölprodukten wie Motoröl, Verdünnungsmitteln und Dieselabgasflüssigkeit. Hiroyuki Nakamura, Direktor beim Tokioter Unternehmen Shin Etsu Denso, erklärte, sein Betrieb erlebe die schlimmsten Versorgungsengpässe seiner 35-jährigen Karriere. Besonders der in Japan beliebte „Perlweiß"-Lackierfarbton ist kaum noch verfügbar.

Masato Yagai, Präsident von Fuchu Car, berichtete, sein Betrieb könne nur noch alle zwei Wochen eine 300-ml-Flasche des begehrten Perlfinishs beschaffen. Kleinere Werkstätten sind gezwungen, Aufträge zu priorisieren oder Kunden abzuweisen. Analysten der UBS, darunter Shunta Omura, weisen darauf hin, dass große Lackhersteller bevorzugt Großautokonzerne beliefern und den Reparaturmarkt hintenanstellen. Strenge Lagervorschriften für gefährliche Erdölprodukte verhindern zudem, dass kleinere Betriebe Vorräte anlegen können.

Schmierstoffkrise bis mindestens 2027

In den USA verschärft der Ausfall einer Shell-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar die Lage zusätzlich. Diese Anlage war ein wichtiger Lieferant von Gruppe-III-Basisöl, einem zentralen Bestandteil synthetischer Schmierstoffe. Holly Alfano, CEO der Independent Lubricant Manufacturers Association, warnte, dass sich die Schmierstoffpreise voraussichtlich nicht vor Mitte 2027 entspannen werden. Automobilhersteller wie Nissan haben bereits Ölrationierungsmaßnahmen für ihre US-Händler eingeführt.

Experten betonen, dass ein diplomatischer Durchbruch keine sofortige logistische Erholung bedeutet. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus erfordert komplexe Minenräumungen und die Wiederherstellung von Seeversicherungen – ein Prozess, der Wochen dauern kann. Tom Kloza, Chefenergieberater von Gulf Oil, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Wenn keine wesentlichen Fortschritte bei der Räumung der Meerenge, der Wiederherstellung von Schiffsversicherungen und der Eindämmung von Gewalt durch iranische Proxys erzielt werden, könnte die Atempause nur von kurzer Dauer sein."

Die Märkte befinden sich damit in einem Zustand vorsichtigen Abwartens. Der Optimismus über eine diplomatische Lösung trifft auf die Realität erschöpfter Lagerbestände und angespannter globaler Lieferketten. Für Verbraucher und Unternehmen diesseits und jenseits des Atlantiks bleibt die Lage vorerst ungewiss.

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