BayWa trennt sich von Ökostrom-Tochter und schreibt Milliarden ab
Der Münchner Agrarkonzern überträgt BayWa r.e. an einen Sanierungsgesellschafter und konzentriert sich künftig auf sein Kerngeschäft.

Der Münchner Agrarkonzern BayWa macht im Rahmen seiner Sanierung einen entscheidenden Schritt: Die Wind- und Solarpark-Tochter BayWa r.e. wird auf einen externen Sanierungsgesellschafter übertragen. Damit verschwindet die Tochter aus der Bilanz der BayWa AG – ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt, um den seit zwei Jahren in der Krise steckenden Konzern zu stabilisieren.
Die Anteile der BayWa AG, die bisher 51 Prozent hielt, sowie die des schweizerischen Investors EIP werden auf den noch nicht namentlich bekannten Sanierungsgesellschafter übertragen. Die bisherigen Eigentümer bleiben lediglich am späteren Verkaufserlös beteiligt – allerdings haben die Gläubiger dabei den ersten Zugriff. Im Gegenzug erlassen diese der BayWa einen Teil ihrer Schulden und gewähren dem Konzern zwei zusätzliche Jahre zur finanziellen Erholung: Die Frist läuft nun bis Ende 2030.
Ursprüngliches Sanierungskonzept gescheitert
Der BayWa-Vorstand hat ein neu ausgehandeltes Sanierungskonzept gebilligt, das gemeinsam mit den Banken und den beiden Großaktionären erarbeitet wurde. Das vorherige Konzept war gescheitert, weil die Geschäfte der BayWa r.e. – die Wind- und Solarparks sowie Batteriespeicher entwickelt – deutlich schlechter liefen als geplant. Ursprünglich sollte der Verkauf der Tochter rund 1,7 Milliarden Euro einbringen und zur angestrebten Entschuldung um vier Milliarden Euro bis 2028 beitragen. Nun gilt ein Erlös von knapp einer Milliarde Euro als realistisch.
Die BayWa r.e. stand bei der Muttergesellschaft und bei EIP mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro in der Kreide. Diesen Betrag muss die BayWa AG nun vorerst abschreiben. Der wachsende Kapitalbedarf der Tochter hatte maßgeblich zur Schieflage des Gesamtkonzerns beigetragen. BayWa-r.e.-Sanierer Hans-Joachim Ziems begrüßte die Trennung: „Damit setzen wir unsere Transformation noch zügiger fort, und zwar in Eigenregie, ohne Reibungsverluste und Interessenkonflikte mit der BayWa AG und der EIP."
Banken stellen 700 Millionen Euro nachrangig
Auch die Gläubigerbanken machen im Rahmen der Verhandlungen erhebliche Zugeständnisse. Sie stellen 700 Millionen Euro an Krediten nachrangig. Weitere 900 Millionen Euro erhalten sie nur dann zurück, wenn der Verkauf der BayWa r.e. diese Summe tatsächlich einbringt. Laut einem Insider hatten die meisten Gläubiger ihre Forderungen bereits zumindest in dieser Größenordnung abgeschrieben.
Im Gegenzug geben die beiden Großaktionäre der BayWa AG – die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest – ihre gemeinsamen Anteile von 67,1 Prozent an einen Treuhänder ab. Sie erhalten diese nur dann zurück, wenn sie bei einer für 2029 geplanten Kapitalerhöhung mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital einschießen. Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, bekräftigte das Bekenntnis zur BayWa: „Die genossenschaftlichen Hauptaktionäre stehen zur BayWa. Dabei wird gelten: Zurück zu den Wurzeln – mit Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffen."
Weiterer Verkauf: Energie-Sparte und Neuseeland-Tochter
Der Konzern plant im Zuge der Sanierung weitere Desinvestitionen. Bis 2029 soll auch die Sparte „Wärme und Mobilität" veräußert werden, die unter anderem Holzpellets, Agrardiesel, Schmierstoffe, Heizöl und Wärmepumpen umfasst. Die Weiterentwicklung dieses Geschäfts würde laut einem Insider zu viel Kapital binden. Die zugehörigen Firmen dürften voraussichtlich einzeln an regionale Anbieter verkauft werden.
Noch in diesem Jahr – 2026 – steht zudem der Verkauf der neuseeländischen Apfelplantagen-Tochter T&G Global an. An dieser hält BayWa 74 Prozent der Anteile; der Börsenwert beläuft sich umgerechnet auf rund 150 Millionen Euro. Der Konzern soll sich künftig auf sein bewährtes Kerngeschäft mit Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffen konzentrieren – jene Bereiche, die die BayWa nach eigenen Angaben über Jahrzehnte profitabel getragen haben.
