Bayer-Aktie springt auf 50 Euro: Glyphosat-Vergleich bringt nur kurze Erleichterung
Milliardenschwerer Deal mit US-Kanzleien lässt Kurs explodieren – doch Analysten bleiben skeptisch

Die Bayer-Aktie erlebte am Dienstagabend einen spektakulären Kurssprung auf knapp 50 Euro. Ein Niveau, das der DAX-Konzern zuletzt vor über zwei Jahren erreichen konnte. Auslöser war die Verkündung eines umfassenden Vergleichs in den langwierigen Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA.
Der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern einigte sich mit mehreren großen Anwaltskanzleien auf eine milliardenschwere Einigung. Zehntausende Kläger werfen Bayer vor, dass der Unkrautvernichter-Wirkstoff Glyphosat Krebserkrankungen verursacht habe. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe unter Verweis auf zahlreiche wissenschaftliche Studien entschieden zurück.
Euphorie an der Börse hält nicht lange an
Trotz der initialen Kurseuphorie zeigen sich Marktteilnehmer zurückhaltend. Die Aktie konnte das Hoch von knapp 50 Euro nicht halten und gab bereits am Folgetag wieder nach. Analysten warnen, dass der Vergleich zwar Rechtssicherheit schaffe, die fundamentalen Herausforderungen des Konzerns jedoch bestehen bleiben.
Die Glyphosat-Problematik belastet Bayer seit der Monsanto-Übernahme im Jahr 2018 massiv. Allein für Rechtsstreitigkeiten und Vergleiche hat der Konzern bereits zweistellige Milliardenbeträge zurückgestellt. Der aktuelle Deal dürfte diese Rückstellungen weiter belasten.
Operative Schwächen bleiben bestehen
Neben den juristischen Altlasten kämpft Bayer mit schwächelndem Geschäft in beiden Kernsparten. Die Pharmasparte leidet unter Patentabläufen wichtiger Medikamente, während das Agrargeschäft mit sinkenden Preisen und schwacher Nachfrage konfrontiert ist. Der Aktienkurs liegt trotz des jüngsten Anstiegs noch immer rund 60 Prozent unter dem Niveau vor der Monsanto-Übernahme.
Investoren sollten den aktuellen Kursanstieg daher mit Vorsicht genießen. Solange keine nachhaltige Verbesserung der operativen Performance erkennbar ist, dürfte die Aktie volatil bleiben. Der Glyphosat-Vergleich beseitigt zwar ein Risiko, löst aber nicht die strukturellen Probleme des Konzerns.
