Bank of Korea hält Leitzins bei 3,00 % – restriktiver Kurs bleibt
Die südkoreanische Notenbank pausiert nach zwei Zinserhöhungen, hebt ihre Wachstumsprognosen an und schließt weitere Schritte nicht aus.

Die Bank of Korea (BOK) hat ihren Leitzins unverändert bei 3,00 % belassen. Die Entscheidung der südkoreanischen Zentralbank entsprach den Erwartungen der Analysten und unterbricht vorerst den jüngsten Straffungszyklus, in dem die Notenbank im Juli und August zwei Zinserhöhungen in Folge vorgenommen hatte.
Das siebenköpfige geldpolitische Gremium begründet die Pause damit, dass es die Auswirkungen der bisherigen Straffungsmaßnahmen besser einschätzen will. Zusätzlich verweist die BOK auf externe Risikofaktoren – darunter die Unsicherheiten durch den Nahostkonflikt sowie die Geld- und Fiskalpolitik großer Volkswirtschaften. Trotz der Zinspause bleibt der Ton hawkish: Weitere Zinsschritte bleiben ausdrücklich möglich, um die Inflation in Richtung des 2-Prozent-Ziels zu führen.
Für die südkoreanische Wirtschaft zeichnet die Notenbank ein robustes Bild. Sie hob ihre Wachstumsprognosen für das laufende und das kommende Jahr an; die Werte dürften deutlich über den bisherigen Schätzungen von 3,3 % beziehungsweise 2,9 % liegen. Getragen wird diese Entwicklung vor allem vom Exportsektor, der massiv von der globalen Nachfrage nach Halbleitern für Künstliche Intelligenz profitiert.
Die Details
Die Exportzahlen unterstreichen diese Einschätzung. Im September stiegen die Ausfuhren im Jahresvergleich um 83,7 %, wobei die Halbleiterlieferungen ein Plus von 263 % verzeichneten. Im Zeitraum von Januar bis September überstiegen die Exporte erstmals die Marke von 800 Milliarden US-Dollar.
Ein zentraler Diskussionspunkt bleibt die Inflation. Im September lag sie bei 2,9 % und damit seit 13 Monaten über dem Zielwert der Zentralbank. BOK-Gouverneur Shin Hyun Song betonte bei den Jahrestagungen von IWF und Weltbank, dass die Geldpolitik restriktiv bleiben müsse. Begründet wird dies damit, dass sowohl kostenseitiger als auch nachfrageseitiger Inflationsdruck besteht.
Zusätzliche Sorge bereitet der Bank der Immobilienmarkt. Trotz der Forderung von Präsident Lee Jae Myung, das Wohnungsangebot massiv auszuweiten, stellte die BOK fest, dass die Wohnungsbaudarlehen weiter zunehmen. Zugleich hat sich der Preisanstieg in Seoul und Umgebung erneut beschleunigt.
Beim weiteren Zinspfad lehnte Gouverneur Shin eine Festlegung auf einen festen Endpunkt ab. Die Bank werde ihre Entscheidungen datenabhängig treffen und sich nicht starr an Markterwartungen orientieren. Analysten wie Paik Yoon-min von Kyobo Securities interpretieren dies nicht als Abkehr vom erwarteten Zinsgipfel bei 3,50 %. Die Experten von Capital Economics gehen davon aus, dass die Pause lediglich eine temporäre Evaluierungsphase darstellt, und rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung am 26. November.
Die Finanzmärkte reagierten verhalten. Der Kospi-Index notierte 1,23 % niedriger, während der Won gegenüber dem US-Dollar leicht aufwertete.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of Korea ihren Leitzins bei 2,50 Prozent bestätigte. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen von 34 der 36 von LSEG befragten Analysten. Seit der letzten Zinssenkung im Mai 2023 hielt die Zentralbank die Zinsen damals konstant, während die südkoreanische Wirtschaft im dritten Quartal um 1,3 Prozent im Quartalsvergleich wuchs und der Immobilienmarkt in Seoul als Herausforderung galt.
Am 26.02.2026 meldete aktien.news, dass die BOK den Leitzins erneut unverändert bei 2,50 Prozent beließ. Als Begründung nannte die Notenbank die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit sowie eine abkühlende Inflation, die ihr mehr Spielraum zur Bewertung des weiteren geldpolitischen Kurses verschaffte. Gleichzeitig hob sie ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 von 1,8 auf 2,0 Prozent an. Als wesentlicher Treiber galt der von künstlicher Intelligenz befeuerte Halbleiterboom.
Am 16.07.2026 folgte die geldpolitische Wende: Nach Angaben von aktien.news erhöhte die BOK ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75 %. Es war die erste Zinserhöhung der südkoreanischen Zentralbank seit Anfang 2023. Zur Begründung verwies die Notenbank auf wachsende Inflationsrisiken durch steigende Energieimportkosten, Lieferkettenstörungen infolge des Krieges im Nahen Osten sowie eine anhaltende Schwäche des Won.
Am 13.10.2026 berichtete aktien.news, dass Gouverneur Shin Hyun Song an einer restriktiven Geldpolitik festhält. Sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation dürften für „eine gewisse Zeit“ über dem Zielwert von 2 Prozent liegen. Shin verwies auf steigende Energiekosten infolge des Krieges im Nahen Osten sowie auf die stark ansteigende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz; in Südkorea überlagere der KI-Zyklus den übrigen Preisdruck.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem über drei Kanäle relevant. Erstens signalisiert die Zinspause keine geldpolitische Entspannung: Die BOK hält an ihrem restriktiven Kurs fest und schließt weitere Erhöhungen ausdrücklich nicht aus. Zweitens bleibt der Zinspfad datenabhängig, weshalb Marktteilnehmer kurzfristig mit schwankenden Erwartungen rechnen müssen.
Drittens liefert der südkoreanische Exportsektor ein deutliches Konjunktursignal. Südkorea ist ein wichtiger Zulieferer in der globalen Halbleiterkette, sodass die Entwicklung der Chip- und KI-Nachfrage auch für Technologieunternehmen außerhalb Asiens von Bedeutung ist. Anleger mit Engagements in südkoreanischen Aktien oder in Technologiewerten sollten daher sowohl die Inflationsentwicklung als auch die Immobilienpreise in Seoul im Blick behalten, da beide Faktoren die künftigen Zinsentscheidungen beeinflussen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste geldpolitische Termin ist die Sitzung am 26. November. Die Experten von Capital Economics erwarten für diese Zusammenkunft eine weitere Zinserhöhung, während Analysten wie Paik Yoon-min von Kyobo Securities das erwartete Zinsgipfelniveau bei 3,50 % bestätigt sehen. Gouverneur Shin hat sich dagegen bewusst nicht auf einen festen Endpunkt festgelegt und will die Entscheidungen von der Datenlage abhängig machen.
Beobachten dürften die Märkte darüber hinaus die Inflationsrate, die im September bei 2,9 % lag, die Entwicklung der Halbleiterausfuhren sowie die Lage am Wohnungsmarkt in Seoul und Umgebung. Auch die Wachstumsprognosen der BOK, die nun über den bisherigen Schätzungen von 3,3 % und 2,9 % liegen, werden in den kommenden Wochen Gegenstand der Diskussion bleiben.
Kurz erklärt
- Leitzins: Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank Geld beschaffen können, und damit eine zentrale Steuergröße für die Kreditzinsen einer Volkswirtschaft.
- Restriktive Geldpolitik: Ausrichtung der Notenbank, die auf eine Dämpfung der Nachfrage und damit auf niedrigere Inflation zielt.
- Hawkish: Bezeichnung für eine geldpolitische Haltung, die eher höhere Zinsen und eine straffere Geldpolitik befürwortet.
