Bank of England vor Zinswende: Erste Anhebung seit drei Jahren erwartet
Die Bank of England dürfte den Leitzins von 3,75 auf 4,00 Prozent anheben – getrieben von Nahost-Konflikt und Inflationsdruck.
Die Bank of England (BoE) steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Erstmals seit drei Jahren wird eine Anhebung des Leitzinses erwartet. Angesichts des anhaltenden US-Iran-Konflikts und des damit verbundenen Inflationsdrucks rechnen Experten damit, dass das Monetary Policy Committee (MPC) den Leitzins von derzeit 3,75 Prozent auf 4,00 Prozent anheben wird. Eine Reuters-Umfrage deutet auf ein Abstimmungsergebnis von 7 zu 2 hin.
Im Mittelpunkt der Sitzung steht der Inflationsdruck. Die offizielle Inflationsrate lag im September bei 3,5 Prozent. Aktuelle Prognosen zeichnen jedoch ein deutlich düsteres Bild: Eine Umfrage der Financial Times unter zwölf Ökonomen zeigt, dass die Inflation Anfang 2027 ihren Höhepunkt bei durchschnittlich 4,4 Prozent erreichen könnte. Das liegt deutlich über den offiziellen Schätzungen des Office for Budget Responsibility (OBR), die von 3,8 Prozent ausgehen.
Grund für diese Korrektur nach oben sind die massiv gestiegenen Energiepreise, die durch die Eskalation im Nahen Osten getrieben werden. Die Erdgaspreise liegen derzeit beim Dreifachen des Niveaus vor dem Konflikt. Auch die Stromrechnungen für Haushalte könnten im Januar um über 25 Prozent steigen. Damit bleibt der Energiesektor der zentrale Treiber der Teuerung – und der wichtigste Grund für die erwartete Zinswende.
Die britische Wirtschaft zeigt sich resilienter als erwartet
Die wirtschaftliche Lage präsentiert sich ambivalent. Einerseits zeigt sich die britische Wirtschaft resilienter als erwartet, was teilweise auf Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zurückgeführt wird. Andererseits warnt Peder Beck-Friis von PIMCO vor einer zu aggressiven Straffung der Geldpolitik. Er sieht die Zinsanhebung eher als „Risikomanagement-Kalibrierung“ und erwartet nach einem weiteren Schritt im Februar eine längere Phase der Stabilität. Seine Begründung: Die britische Wirtschaft wird schwächer als die US-amerikanische eingeschätzt.
Die politische Großwetterlage beeinflusst die Märkte zusätzlich. Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hoffen Investoren auf eine politische Blockade in Washington, die möglicherweise den Weg für ein Ende des achtmonatigen Konflikts im Nahen Osten ebnen könnte. Diese Hoffnung hat bereits Spuren an den Märkten hinterlassen: Die Brent-Ölpreise fielen auf unter 100 US-Dollar pro Barrel, was wiederum die Renditen von Staatsanleihen drückte und den US-Dollar schwächte. Das britische Pfund konnte sich hingegen auf einem Sieben-Wochen-Hoch behaupten, da Händler die bevorstehende Zinsentscheidung der BoE einpreisen.
Innerhalb des MPC bleibt die Strategie umstritten. Während Gouverneur Andrew Bailey bisher Zurückhaltung übte, da Unternehmen gestiegene Kosten besser abfederten als in der Vergangenheit, warnen Mitglieder wie Catherine Mann vor einem Kontrollverlust bei der Inflation. Die Märkte sind derweil optimistischer als viele Ökonomen und preisen bereits vier Zinsschritte für das kommende Jahr ein. Ob die BoE diesem Pfad folgt oder – wie von Experten wie Beck-Friis prognostiziert – moderater agiert, wird die heutige Entscheidung zeigen.
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news über eine knappe Entscheidung
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Bank of England den Leitzins bei 3,75 Prozent belassen hatte. Die Entscheidung fiel damals mit 6:3 Stimmen im geldpolitischen Ausschuss und spiegelte die zunehmende Zerrissenheit der Währungshüter wider. Drei Mitglieder – Chefvolkswirt Huw Pill sowie die externen Mitglieder Megan Greene und Catherine Mann – stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent. Notenbankchef Andrew Bailey warnte in der begleitenden Stellungnahme eindringlich vor den Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Der anhaltende Konflikt habe die Preise für Erdgas und Brent-Rohöl in diesem Monat um knapp 20 Prozent in die Höhe getrieben.
Am 25.09.2026 meldete aktien.news, dass die BoE auf eine mögliche Zinswende zusteuerte. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise und der damit verbundenen Inflationsrisiken signalisierten mehrere hochrangige Entscheidungsträger eine Abkehr von der bisherigen abwartenden Haltung. Während die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank bereits mit Zinserhöhungen reagiert hatten, hielt die BoE ihren Leitzins zuletzt bei 3,75 Prozent. Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität, machte die veränderte Haltung bei einem Forum des National Institute of Economic and Social Research (NIESR) deutlich.
Schon am 17.09.2026 hatte aktien.news berichtet, dass die BoE ihren Leitzins voraussichtlich unverändert lassen würde, obwohl die Inflation im August auf 3,1 Prozent gestiegen war. Ökonomen erwarteten damals, dass der MPC den Leitzins bei 3,75 Prozent belässt – das wäre das sechste Treffen in Folge ohne Veränderung gewesen. Bereits am 30.04.2026 hatte die BoE den Leitzins unverändert bei 3,75% belassen, damals mit 8 zu 1 Stimmen. Lediglich Chefökonom Huw Pill plädierte für eine sofortige Anhebung auf 4,0%. Die Entscheidung fiel einen Tag nach dem identischen Schritt der US-Notenbank Federal Reserve und kurz vor der erwarteten Zinspause der Europäischen Zentralbank.
Die Zinsentscheidung wirkt auf deutsche Anleger über Währungs- und Anleihemärkte
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem über den Umweg der Währungs- und Anleihemärkte relevant. Ein schwächerer US-Dollar und gefallene Renditen von Staatsanleihen verändern die relative Attraktivität von Anleihen. Das britische Pfund notiert auf einem Sieben-Wochen-Hoch, weil Händler die bevorstehende Zinsentscheidung einpreisen. Gleichzeitig preisen die Märkte bereits vier Zinsschritte für das kommende Jahr ein – deutlich mehr, als Ökonomen wie Beck-Friis für angemessen halten. Diese Divergenz zwischen Markterwartung und Ökonomenprognose ist ein Risikofaktor: Enttäuscht die BoE die Erwartungen, kann das Pfund unter Druck geraten. Umgekehrt würde eine aggressive Straffung nach Einschätzung von Beck-Friis die schwächere britische Wirtschaft stärker belasten als die US-amerikanische.
Die nächste Sitzung im Februar entscheidet über den weiteren Pfad
Beck-Friis erwartet nach einem weiteren Schritt im Februar eine längere Phase der Stabilität. Die Märkte hingegen preisen bereits vier Zinsschritte für das kommende Jahr ein. Ob die BoE diesem Pfad folgt oder moderater agiert, wird die heutige Entscheidung zeigen. Zusätzlich bleibt der Nahost-Konflikt der zentrale Unsicherheitsfaktor. Investoren hoffen auf ein Ende des achtmonatigen Konflikts, was die Ölpreise bereits unter 100 US-Dollar pro Barrel gedrückt hat. Sollte sich diese Hoffnung nicht bestätigen, dürften die Energiepreise und damit der Inflationsdruck hoch bleiben.
Drei Fachbegriffe erleichtern das Verständnis der Zinsentscheidung
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
- Monetary Policy Committee (MPC): Das Gremium der Bank of England, das über die Geldpolitik und den Leitzins entscheidet.
- Basispunkt: Eine kleine Maßeinheit, mit der Zentralbanken Zinsänderungen angeben.
