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Baillie-Gifford-Preis 2026: Biografien und Reportagen dominieren die Shortlist

Sechs Autoren, drei aus den USA: Die Shortlist für den Baillie-Gifford-Preis für Sachbücher 2026 setzt auf Biografien und investigativen Journalismus.

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Baillie-Gifford-Preis 2026: Biografien und Reportagen dominieren die Shortlist

Die Shortlist für den Baillie-Gifford-Preis für Sachbücher 2026 steht fest. Sechs Autorinnen und Autoren sind nominiert, drei von ihnen stammen aus den USA. Das Feld wird von Biografien und investigativem Journalismus dominiert. Vorgestellt wurde die Auswahl von Roula Khalaf, der Chefredakteurin der Financial Times, in ihrem wöchentlichen Newsletter.

Die Juryvorsitzende Kirsty Lang, Moderatorin und Kulturjournalistin, bezeichnete die nominierten Bücher als „charismatische“ Lektüren. „Es ist eine eklektische Liste, die durch Geschichten vereint wird, in denen Menschen eine Welt voller Konflikte aber auch Hoffnung navigieren“, sagte Lang. Angesichts eines wahrgenommenen Rückgangs der Beliebtheit von Sachbüchern erklärte sie deutlich: „Sachbücher sind blühend.“

Der Preisdirektor Toby Mundy fügte hinzu, dass die „Narrative wieder an Bedeutung gewonnen haben“. Die Shortlist verbindet damit sehr unterschiedliche Stoffe: Lebensbeschreibungen von Alexander dem Großen und Barbara Cartland treffen auf fesselnde Berichte über das Untergrundmilieu Londons und das revolutionäre Syrien.

Die Details

Nicholas Boggs wurde für „Baldwin: A Love Story“ nominiert, die erste große Biografie über James Baldwin seit drei Jahrzehnten. Sie basiert auf neuem Material und persönlichen Briefen, zeichnet sein Leben als schwuler Mann nach und zeigt auf, wie seine intimsten Beziehungen ihn prägten.

Patrick Radden Keefe, der 2021 den Preis für „Empire of Pain“ erhielt – die Geschichte der Rolle der Sackler-Dynastie in der Opioid-Krise –, kehrt mit „London Falling“ auf die Shortlist zurück. Ausgehend vom mysteriösen Tod eines 19-jährigen Briten und der stark enttäuschten Suche seiner Eltern nach Antworten bahnt sich Keefe einen scharfsinnigen Weg durch das Untergrundmilieu der Stadt und deren Position als globales Zentrum für illegales Vermögen.

Anand Gopal, ehemaliger Finalist des Pulitzer-Preises und des National Book Award, wurde für „Days of Love and Rage“ ausgewählt, das Lang als „bemerkenswerte Reportage“ bezeichnete. Basierend auf mehr als 2.000 Interviews verfolgt es das Leben gewöhnlicher Bürger in der syrischen Stadt Manbij während der Revolution von 2011.

Zwei britische Autoren haben es auf die Shortlist geschafft. Edmund Richardson ist für „Alexander: God, King, Man“ nominiert, eine filmische Nacherzählung des Lebens von Alexander dem Großen und ein „faszinierendes Porträt der Führung“, so Lang. Matthew Sweet steht mit „The Great Dictator“ auf der Liste, der zweiten literarischen Biografie. Sweet erfasst das Leben und die Paradoxien von Barbara Cartland, die den Großteil ihrer 723 Romane ihrer Sekretärin diktierte. Der Rezensent der FT lobte das Buch dafür, dass es eine „bereits üppig ausgefallene Darstellung eines langen, komplexen Lebens mit juwelengleichen Miniatur-Vignetten unterwegs“ verbinde.

Die einzige Frau in dieser Jahresauswahl ist die deutsch-britische Autorin Andrea Wulf, die bereits 2008 auf der Longlist stand. Sie wurde für ihr Porträt des radikalen Geographen, Botanikers und Schriftstellers George Forster aus dem 18. Jahrhundert ausgewählt, „The Traveller“ – die vierte Biografie auf der Shortlist. Der FT-Rezensent beschrieb es als „ein faszinierendes Buch über ein faszinierendes Leben“.

Lang wurde von einem überwiegend weiblich besetzten Jurypanel unterstützt: Bea Carvalho, Leiterin der Buchabteilung bei Waterstones, die Schriftstellerin und Historikerin Tiffany Jenkins, der Literaturredakteur des Spectator Sam Leith, die Journalistin Ravi Mattu und die preisgekrönte Romanautorin Elif Shafak. Auf die Frage nach der Dominanz männlicher Autoren verwies Lang darauf, dass das Jurypanel überwiegend weiblich besetzt sei.

Hintergrund: Was bisher geschehen

Bereits am 23.09.2026 berichtete aktien.news über die Shortlist des Booker Prize 2026 für Belletristik, auf der mit Douglas Stuart und Marlon James zwei ehemalige Gewinner stehen. Am 15.06.2026 hatte aktien.news die Sommerlektüre 2026 vorgestellt, die Auswahl der besten Krimis und Thriller der Financial Times, kuratiert unter anderem von FT-Chefredakteurin Roula Khalaf. Am 19.09.2026 folgte ein Bericht über luxuriöse Accessoires und Kunstgegenstände aus Khalafs wöchentlichem Newsletter. Und am 26.09.2026 meldete aktien.news die neue Tolkien-Biografie von DJ Taylor, „The King Under the Mountain: In Search of J.R.R. Tolkien“, die ebenfalls in Khalafs Newsletter-Auswahl vorgestellt wurde.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger hat die Shortlist eines Literaturpreises keine unmittelbare Marktrelevanz – es werden keine Aktien, Fonds oder Rohstoffe bewertet. Interessant ist der Blick auf den Absender: Der Baillie-Gifford-Preis wird von der Financial Times begleitet, deren Chefredakteurin Roula Khalaf die Auswahl in ihrem wöchentlichen Newsletter präsentiert. Wer die FT als Informationsquelle für Finanzmärkte nutzt, bekommt dort also regelmäßig auch Kultur- und Buchinhalte – ein Hinweis darauf, wie Medienhäuser ihr Publikum über das Kernthema hinaus binden. Der Preis selbst ist mit 50.000 Pfund Sterling dotiert.

Ausblick

Der Gewinner des mit 50.000 Pfund Sterling dotierten Preises wird am 4. November in London bekannt gegeben. Im vergangenen Jahr hatte die australische Autorin Helen Garner für „How to End a Story“ gewonnen, ihre Sammlung von Tagebüchern, die drei Jahrzehnte umspannt. Wer die Diskussion verfolgen möchte, kann der Online-Buchgruppe der FT auf Facebook unter FT Books Café beitreten und FT Weekend auf Instagram und X folgen.

Kurz erklärt

  • Shortlist: Auswahl der Finalisten eines Literaturpreises, aus der der Gewinner gekürt wird.
  • Longlist: Erste, längere Auswahlliste eines Literaturpreises vor der Verkürzung zur Shortlist.
  • Investigativer Journalismus: Rechercheform, bei der Journalisten Missstände durch eigene Nachforschungen aufdecken.
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