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Australiens Immobilienflaute: Die versteckten Kosten des Umsatzrückgangs

Sinkende Transaktionszahlen belasten Australiens Wirtschaft mit bis zu 5,6 Milliarden Dollar jährlich.

• 2 Min
Australiens Immobilienflaute: Die versteckten Kosten des Umsatzrückgangs

Der australische Immobilienmarkt stagniert – und die Folgen reichen weit über fallende Preise hinaus. Zwar sind die Immobilienpreise seit ihrem Höchststand im März um weniger als 4 % gesunken, doch die Anzahl der Immobilientransaktionen hat sich drastisch reduziert. Dieser Rückgang des Handelsvolumens trifft ein komplexes Ökosystem aus Dienstleistern und Unternehmen, die wirtschaftlich von Eigentümerwechseln abhängig sind.

Eine Analyse von Reuters beziffert das Ausmaß: Seit Juni ist der Immobilienumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 15 % eingebrochen. Dadurch entgehen der australischen Wirtschaft schätzungsweise 355 bis 710 Millionen Australische Dollar pro Monat – umgerechnet etwa 253 bis 505 Millionen US-Dollar. Auf das Jahr hochgerechnet ergibt sich ein potenzieller Umsatzverlust von 2,8 bis 5,6 Milliarden Australischen Dollar.

Betroffen sind Branchen wie der Möbelhandel, das Handwerk, Umzugsunternehmen und Immobilienvermittler. Die Daten des Immobilienberaters Cotality bestätigen, dass das Transaktionsvolumen derzeit 10,5 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegt.

Druck auf Bilanzen und Betriebe

Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich bereits in den Bilanzen. Die Möbelhauskette Harvey Norman meldete im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang von 15 %, was auf eine geringere Nachfrage nach Einrichtungsgegenständen und Renovierungen zurückzuführen ist. Auch kleinere Betriebe geraten unter Druck.

Das Unternehmen „The Moving Box Company" musste seine Belegschaft aufgrund eines Umsatzrückgangs von 19 % reduzieren. In der Immobilienbranche selbst führt der Kostendruck dazu, dass zahlreiche Makler und Vermittler ihre Tätigkeit aufgeben oder fusionieren müssen. Der Real Estate Institute of Victoria berichtet, dass etwa 350 von 6.600 Mitgliedern ihre Mitgliedschaft kündigen – viele verlassen den Beruf komplett.

So entstand die Schätzung

Die Methodik hinter dieser Schätzung basiert auf den typischen Ausgaben bei einem Verkauf und Umzug in ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit drei Schlafzimmern. Reuters berücksichtigte dabei Kosten für Maklerprovisionen, Rechtsberatung, Umzugsdienste sowie Anschaffungen von Möbeln und Geräten. Um die Realität abzubilden, wurden die Ausgaben gewichtet: Während universelle Kosten wie Maklergebühren zu 100 % einflossen, wurden seltener anfallende Ausgaben – etwa für Malerarbeiten vor dem Verkauf – nur anteilig gewichtet.

Staatliche Einnahmen wie die Stempelsteuer sowie Banken wurden von der Analyse ausgeschlossen, da der Fokus auf dem kommerziellen Sektor lag. James Graham, Dozent für Wohnungsökonomie an der Universität von Sydney, bezeichnet die Methodik als plausibel. Er weist jedoch darauf hin, dass der sogenannte „Vermögenseffekt" – bei dem sinkende Immobilienwerte das allgemeine Konsumvertrauen dämpfen – hier nicht eingerechnet wurde.

Ursachen und Ausblick

Die aktuelle Entwicklung ist das Resultat einer Kombination aus gestiegenen Zinsen und staatlichen Maßnahmen, wie der Kürzung von Steuervergünstigungen für Kapitalerträge und strengeren Regeln für Immobilieninvestoren. Angesichts der neuen Anti-Geldwäsche-Richtlinien, die seit Juli zusätzliche Compliance-Kosten verursachen, verschärft sich die Lage für viele Marktteilnehmer weiter.

Für deutsche Anleger zeigt das australische Beispiel, wie eng der Immobilienmarkt mit dem weiteren Wirtschaftsgefüge verflochten ist. Ein Rückgang der Transaktionen belastet nicht nur Verkäufer und Käufer, sondern ganze Wertschöpfungsketten – vom Möbelhandel über das Handwerk bis hin zu den Vermittlern. Die australische Branche steht damit vor einer Phase der Konsolidierung, in der viele Akteure gezwungen sind, ihr Geschäftsmodell grundlegend anzupassen.

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