Anthropic verhandelt über 1 Gigawatt Rechenkapazität bei Stream Data Centers
KI-Unternehmen führt Gespräche über direkte Anmietung von Rechenzentren mit Apollo-Beteiligung.

Das KI-Unternehmen Anthropic befindet sich in frühen Verhandlungen über die Anmietung von bis zu einer Gigawatt Rechenkapazität bei Stream Data Centers. Das berichtete The Information am Dienstag unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Der Entwickler des KI-Modells Claude verhandelt demnach darüber, direkter Mieter der Standorte zu werden, die vom Datenzentrenbetreiber Stream Data Centers entwickelt wurden. An diesem hält Apollo Global Management die Mehrheitsbeteiligung.
Die geplante Rechenkapazität von einem Gigawatt ist beachtlich. Zum Vergleich: Ein Gigawatt entspricht der Leistung eines großen Kernkraftwerksblocks. Für KI-Unternehmen sind solche Kapazitäten jedoch zunehmend notwendig, um die enormen Rechenanforderungen für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle zu bewältigen. Anthropic gehört zu den bekanntesten KI-Unternehmen weltweit und steht im direkten Wettbewerb mit OpenAI, Google DeepMind und anderen großen Akteuren der Branche.
Die Details
Anthropic werde die Einrichtungen voraussichtlich mit Tensor Processing Units (TPUs) ausstatten, die von Broadcom und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet entwickelt wurden. TPUs sind speziell für KI-Berechnungen optimierte Prozessoren, die als zentrale Infrastrukturkomponente für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle gelten. Das Unternehmen könnte zudem Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia oder andere KI-Chips in den Datenzentren einsetzen, hieß es in dem Bericht.
Zu den Verhandlungen gehörte auch die Möglichkeit, dass Google eine Kreditbürgschaft für das Projekt übernimmt. Der Umfang dessen, was eine solche Bürgschaft abdecken würde, bleibt jedoch unklar. Die Beteiligung von Google ist insofern bemerkenswert, als der Suchmaschinenkonzern bereits eng mit Anthropic zusammenarbeitet und gleichzeitig über seine Cloud-Sparte eigene KI-Dienste anbietet.
Stream Data Centers, der Betreiber der geplanten Standorte, steht unter Mehrheitskontrolle von Apollo Global Management. Apollo ist einer der größten alternativen Vermögensverwalter der Welt und hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt im Bereich der KI-Infrastrukturfinanzierung engagiert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.06.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic neue Mietverträge für Rechenzentren anstrebt und dabei gleichzeitig finanzielle Unterstützung von Google sucht. Die Pläne deuteten auf einen weiteren Ausbau der Infrastruktur des Claude-Entwicklers hin.
Am 06.05.2026 wurde bekannt, dass sich Anthropic im Rahmen einer Vereinbarung dazu verpflichtet hat, über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 200 Milliarden US-Dollar bei Google Cloud auszugeben. Diese Verpflichtung machte damals mehr als 40 Prozent des Auftragsbestands aus, den Google gegenüber Investoren offengelegt hatte.
Am 07.04.2026 gab Broadcom den Abschluss einer langfristigen Vereinbarung mit Google zur Entwicklung künftiger Generationen von kundenspezifischen KI-Chips bekannt. Parallel dazu unterzeichnete Broadcom eine weitere Vereinbarung mit Anthropic: Ab 2027 soll das KI-Startup Zugang zu einer KI-Rechenkapazität von rund 3,5 Gigawatt erhalten, die auf den KI-Prozessoren von Google basiert.
Am 29.05.2026 berichtete aktien.news, dass Apollo Global Management und Blackstone eine der größten KI-Infrastrukturfinanzierungen der jüngeren Geschichte vorantreiben. Die beiden Finanzinvestoren arbeiten daran, weitere Kapitalgeber für eine Fremdkapitalfinanzierung in Höhe von rund 36 Milliarden US-Dollar zu gewinnen, um Anthropic den massiven Ausbau seiner Rechenkapazitäten zu ermöglichen. Die Mittel sollen konkret für den Kauf von maßgeschneiderten Google-Chips – TPUs – verwendet werden.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen Verhandlungen fügen sich nahtlos in die bisherige Strategie von Anthropic ein: Das Unternehmen baut seine Recheninfrastruktur massiv aus und setzt dabei auf eine Kombination aus eigenen Mietverträgen, Partnerschaften mit Finanzinvestoren und der Unterstützung von Google. Für Anleger ist bemerkenswert, dass mehrere große Finanzakteure gleichzeitig auf den Erfolg von Anthropic setzen.
Apollo Global Management ist sowohl über die Mehrheitsbeteiligung an Stream Data Centers als auch über die 36-Milliarden-Finanzierung vom Mai 2026 direkt an der KI-Infrastruktur von Anthropic beteiligt. Google wiederum sichert sich über Kreditbürgschaften und Cloud-Verträge eine enge Bindung an das KI-Startup. Broadcom profitiert als Lieferant der TPUs von der Expansion.
Anleger sollten jedoch beachten, dass es sich bei den aktuellen Verhandlungen um frühe Gespräche handelt. Ob und in welchem Umfang der Mietvertrag mit Stream Data Centers zustande kommt, ist noch offen. Die KI-Branche ist zudem hart umkämpft, und die enormen Investitionen in Infrastruktur müssen sich langfristig auszahlen.
Ausblick
Die Verhandlungen mit Stream Data Centers befinden sich in einer frühen Phase. Ein Abschluss steht noch aus. Parallel dazu läuft die 36-Milliarden-Finanzierung durch Apollo und Blackstone, die weitere Kapitalgeber sucht. Ab 2027 soll Anthropic zudem Zugang zu einer Rechenkapazität von rund 3,5 Gigawatt über die Broadcom-Vereinbarung erhalten. Die Entwicklung der Gespräche mit Stream Data Centers und die Frage, ob Google eine Kreditbürgschaft übernimmt, dürften in den kommenden Wochen und Monaten für weitere Schlagzeilen sorgen.
Kurz erklärt
- Tensor Processing Unit (TPU): Ein speziell für KI-Berechnungen entwickelter Prozessor, der von Google entwickelt wird und besonders effizient für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle ist.
- Gigawatt: Eine Maßeinheit für elektrische Leistung, die in der Rechenzentrumsbranche verwendet wird, um die Gesamtkapazität von Rechenzentren zu beschreiben.
- Kreditbürgschaft: Eine finanzielle Garantie, bei der ein Dritter – in diesem Fall Google – für die Rückzahlung eines Kredits einsteht, falls der eigentliche Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.
