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Anthropic-IPO: Bewertung basiert auf $190-200 Milliarden Umsatzprognose 2028

Wall Street blickt ungewöhnlich weit in die Zukunft, um den KI-Konzern Anthropic für einen der größten Börsengänge der Geschichte zu bewerten.

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Anthropic-IPO: Bewertung basiert auf $190-200 Milliarden Umsatzprognose 2028

Anthropic bereitet sich auf einen der möglicherweise größten Börsengänge der Geschichte vor – und die Wall Street greift dabei zu ungewöhnlichen Bewertungsmethoden. Laut zwei mit den Finanzdaten des Unternehmens vertrauten Personen prognostiziert Anthropic für das Jahr 2028 einen Umsatz von etwa 190 bis 200 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl war bisher nicht öffentlich bekannt und bildet nun die Grundlage für die IPO-Bewertung des KI-Unternehmens.

Die Prognose stellt die zuletzt im Mai veröffentlichte Umsatz-Run-Rate von 47 Milliarden Dollar deutlich in den Schatten. Eine Run-Rate beschreibt das aktuelle Geschäftstempo hochgerechnet auf ein Jahr. Der Sprung von 47 auf bis zu 200 Milliarden Dollar bis 2028 verdeutlicht das enorme Wachstum, das Investoren mit ihrem Kapital finanzieren sollen.

Ungewöhnlicher Blick zwei Jahre in die Zukunft

Banker und Investoren nutzen laut vier Quellen sogenannte Umsatzmultiplikatoren – also ein Vielfaches des erwarteten Umsatzes – zur Bewertung von Anthropic. Diese Methode ist bei wachstumsstarken Softwareunternehmen ohne reifes Gewinnprofil durchaus üblich. Ungewöhnlich ist jedoch der Zeithorizont: Ein Ausblick auf zwei Jahre in die Zukunft ist selbst in der Technologiebranche selten.

Vergleichbare Präzedenzfälle gibt es dennoch. So verwiesen Unterstützer von Cerebras Systems im Vorfeld des diesjährigen Börsengangs auf Umsatzerwartungen für 2028. Prognosen für SpaceX reichten sogar bis ins Jahr 2029, bevor das Unternehmen im Juni mit einer Rekordbewertung an die Börse ging. Dieser Ansatz spiegelt die Schwierigkeit wider, ein KI-Unternehmen zu bewerten, dessen Margen noch durch enorme Ausgaben für Rechenleistung, Modelltraining und Personal unter Druck stehen.

Vergleichsunternehmen: Palantir, Cloudflare und SpaceX

Als Referenzpunkte für die Bewertung von Anthropic dienen laut den Quellen das Cloud-Infrastrukturunternehmen Cloudflare, das Unternehmenssoftware-Unternehmen Palantir sowie Elon Musks SpaceX. Palantir wird mit dem 53-fachen des für dieses Jahr erwarteten Umsatzes bewertet und gehört damit zu den teuersten Aktien an der Wall Street. SpaceX und Cloudflare werden laut LSEG-Daten beide mit dem 41,6-fachen des erwarteten Umsatzes für 2026 gehandelt.

Jedes dieser Unternehmen bietet eine andere Perspektive auf Anthropic: Palantir gilt als Maßstab für KI-nahe Wachstumsunternehmen, Cloudflare als Vergleich für Software- und Infrastrukturanbieter, und SpaceX als Beispiel für ein Unternehmen, das teilweise auf Basis künftiger Größenerwartungen bewertet wird – und nicht auf Basis des aktuellen Finanzprofils.

Rasantes Wachstum als Argument für Investoren

Die finanzielle Entwicklung von Anthropic zeigt bereits, wie dynamisch sich das Geschäft verändert. Ende 2025 lag die Umsatz-Run-Rate des Unternehmens noch bei rund 9 Milliarden Dollar, bevor sie bis Mai auf über 47 Milliarden Dollar anstieg. Das Unternehmen selbst gab an, dass seine Run-Rate in jedem der drei Jahre bis Anfang 2026 jährlich um mehr als das Zehnfache gewachsen ist.

Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert Anthropic einen Umsatz von mindestens 10,9 Milliarden Dollar – mehr als das Doppelte des Vorquartals. Damit wäre das Unternehmen auf Kurs für seinen ersten vierteljährlichen Betriebsgewinn von 559 Millionen Dollar. Investoren wetten darauf, dass mit dem Wachstum von Anthropic der Umsatz schneller steigen wird als die Kosten – was eine Ausweitung der Margen ermöglichen würde.

Etablierte Unternehmen werden in der Regel stärker nach Gewinn oder EBITDA bewertet. Für Anthropic spiegelt das aktuelle EBITDA jedoch nicht die Wirtschaftlichkeit wider, die Investoren bei entsprechender Skalierung erwarten. Das Unternehmen gibt enorme Summen für GPUs, Rechenkapazitäten, Modelltraining, Inferenz und Personal aus – Ausgaben, die mit wachsendem Geschäft einen geringeren Prozentsatz des Umsatzes ausmachen könnten.

Zweifel an dauerhafter Billion-Dollar-Bewertung

Nicht alle Beobachter sind uneingeschränkt optimistisch. David Merkel, Leiter der Investmentfirma Aleph Investments, äußerte sich skeptisch: „Könnten sie eine Bewertung von 2 Billionen Dollar erreichen? Ja, das könnten sie, und ich frage mich nur, ob sie über die Zeit dort bleiben würde." Merkel stellte zudem die grundlegende Frage: „Produziert KI wirklich so viel zusätzliche Produktivität? Das sind einfach Fragen, die wir uns stellen müssen, wenn wir über die Preisgestaltung oder den Kauf nachdenken."

Anthropic selbst reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Der geplante Börsengang gilt dennoch als eines der meistbeachteten Ereignisse am Kapitalmarkt – und als Lackmustest dafür, wie viel Vertrauen Investoren in die langfristigen Versprechen der KI-Industrie setzen.

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