Anthropic investiert 20 Millionen Dollar in KI-Regulierungskampagne für Midterms 2026
Das KI-Unternehmen unterstützt parteiübergreifende Kandidaten, die für strengere Regulierung der Branche eintreten.

Das KI-Labor Anthropic mischt sich mit einer 20-Millionen-Dollar-Spende in den US-Wahlkampf 2026 ein. Das Unternehmen, das bereits wegen seiner Befürwortung von KI-Regulierungen vom Weißen Haus kritisiert wurde, unterstützt die überparteiliche Gruppe Public First Action. Diese Organisation wirbt für Kandidaten beider politischer Lager, die sich für eine stärkere Regulierung künstlicher Intelligenz einsetzen.
Public First Action startete bereits erste Werbekampagnen im sechsstelligen Bereich. Zu den unterstützten Kandidaten gehören die republikanische US-Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee, die nun für das Gouverneursamt kandidiert, sowie Senator Pete Ricketts aus Nebraska, der seine Wiederwahl anstrebt. Blackburn profilierte sich mit Gesetzesentwürfen zur Online-Sicherheit von Kindern, während Ricketts Initiativen zur Beschränkung des Verkaufs fortschrittlicher US-Chips nach China einbrachte.
Die von den ehemaligen Abgeordneten Brad Carson und Chris Stewart geleitete Gruppe plant, in diesem Wahlzyklus 30 bis 50 Kandidaten zu fördern. Carson erklärte gegenüber CNBC, man wolle zwischen 50 und 75 Millionen Dollar einsammeln – deutlich weniger als die 125 Millionen Dollar des Pro-KI-PACs Leading the Future, der von Tech-Größen wie Andreessen Horowitz und OpenAI-Mitbegründer Greg Brockman unterstützt wird.
Mehrheit der Amerikaner fordert KI-Regulierung
Carson sieht die öffentliche Meinung auf seiner Seite. Eine Gallup-Umfrage vom September ergab, dass 80 Prozent der Befragten Regeln für KI-Sicherheit und Datenschutz befürworten – selbst wenn dies die Technologieentwicklung verlangsamen würde. Anthropic begründete sein politisches Engagement in einem Blogbeitrag damit, Risiken kontrollieren, Kinder schützen und Transparenz von Unternehmen einfordern zu wollen, die die leistungsstärksten KI-Modelle entwickeln.
Die Initiative stößt auf Widerstand aus dem Weißen Haus. David Sacks, Trumps KI- und Krypto-Beauftragter, warf Anthropic im Oktober eine "ausgeklügelte Regulatory-Capture-Strategie" vor, die auf Angstmacherei basiere. Er beschuldigte das Unternehmen, hauptverantwortlich für einen "Regulierungswahn der Bundesstaaten" zu sein, der das Startup-Ökosystem schädige.
Trump unterläuft Regulierungsinitiativen der Bundesstaaten
Im Dezember unterzeichnete Präsident Trump eine Exekutivverordnung, die einen einheitlichen Bundesrahmen für KI-Regulierung schafft. Die Anordnung beschneidet die Befugnisse einzelner Bundesstaaten – insbesondere demokratisch regierter wie Kalifornien und New York – eigene KI-Gesetze zu erlassen. Für die deutsche Tech-Branche könnte die Debatte Signalwirkung haben, da auch in der EU über den richtigen Regulierungsansatz für künstliche Intelligenz gerungen wird.
