Anleger setzen auf KI-Nachfrage im Gesundheitssektor, RBC sieht Wachstum
Die KI-getriebene Nachfrage wird zum Wachstumstreiber für Hersteller von Laborgeräten, so die Analysten von RBC Capital Markets.

Die künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zunehmend zu einem Wachstumsmotor für den Gesundheitssektor. Anleger erhöhen einer Einschätzung der Analysten von RBC Capital Markets zufolge ihre Positionen in der Life-Sciences-Branche, weil die KI-getriebene Nachfrage für Hersteller von Laborgeräten und andere Unternehmen in der Arzneimittel-Lieferkette an Bedeutung gewinnt. Die Einschätzung wurde in den Market Talks zum Gesundheitssektor veröffentlicht, die exklusiv bei Dow Jones Newswires um 04:20 Uhr, 12:20 Uhr und 16:50 Uhr ET erscheinen.
Nach Angaben von RBC deuten jüngste Äußerungen von Unternehmensführern darauf hin, dass sich die KI-Nachfrage von theoretischen Überlegungen zu nachweisbaren Fakten entwickelt. Das Signal sei damit konkreter geworden und stütze die Erwartungen an die Branche. Traditionelle Pharmaunternehmen und KI-native Startups im Bereich der Wirkstoffentwicklung investieren in einem Umfang, der einen deutlichen Anstieg der Erzeugung biologischer Daten erfordert, so die Analysten weiter.
Das Nachfragemuster folgt der Wertschöpfungskette
Die Analysten von RBC beschreiben ein klar gestaffeltes Muster der Nachfrage, das sich je nach Position der Unternehmen in der Wertschöpfungskette unterscheidet. „Das Nachfragesignal unterscheidet sich je nach Position in der Wertschöpfungskette: Forschung und Labore sind jetzt gefragt, gefolgt von Instrumenten, während Verbrauchsmaterialien erst einige Quartale später folgen“, zitiert RBC die eigene Einschätzung.
Dieses zeitliche Nacheinander ist für Anleger von besonderer Bedeutung. Denn es legt nahe, dass sich der Nachfrageimpuls nicht gleichmäßig über den gesamten Sektor verteilt, sondern entlang der Kette weiterwandert. Zuerst profitieren demnach die forschungsnahen Bereiche, danach die Anbieter von Instrumenten und erst zu einem späteren Zeitpunkt die Hersteller von Verbrauchsmaterialien.
Auch bei den Auftragsforschungseinrichtungen zeigen sich laut RBC bereits Effekte. „Präklinische [Auftragsforschungseinrichtungen] (CROs) verzeichnen steigende Volumina, da neue Assets schneller durch die Forschungsphase voranschreiten“, heißt es in der Einschätzung. Den Analysten zufolge kommen schließlich die Auftragsarzneimittelhersteller (CDMOs) sowie Bioprocessing-Unternehmen an die Reihe.
Einordnung für deutsche Anleger
Für deutsche Privatanleger, die im Gesundheits- und Life-Sciences-Bereich investiert sind, liefert die RBC-Einschätzung einen Hinweis darauf, wo innerhalb der Lieferkette die KI-Nachfrage zuerst sichtbar wird. Die Argumentation stellt die Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt und nicht einzelne Unternehmen. Entscheidend ist demnach, an welcher Stelle ein Anbieter positioniert ist — ob in Forschung und Laboren, bei Instrumenten, bei Verbrauchsmaterialien, bei der präklinischen Auftragsforschung oder bei CDMOs und Bioprocessing.
Die Beobachtung von RBC basiert auf Aussagen von Unternehmensführern, die auf eine Verschiebung von der Theorie zur Evidenz hindeuten. Ob sich diese Dynamik über mehrere Quartale fortsetzt, dürfte für die Einschätzung der Branche entscheidend bleiben. Klar ist: Die Nachfrage nach KI-gestützter Wirkstoffentwicklung setzt Investitionen voraus, die wiederum die Erzeugung biologischer Daten erheblich steigern — ein Effekt, der sich über die gesamte Arzneimittel-Lieferkette auswirken kann.
Die Market Talks werden exklusiv bei Dow Jones Newswires veröffentlicht. Der Beitrag stammt aus der Feder des Autors adria.calatayud@wsj.com.
