America First als Bumerang: US-Verbündete suchen neue Handelswege
Während Trump mit Zöllen droht, schmieden China, EU und Kanada eigene Abkommen.

Die isolationistische Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump treibt traditionelle Verbündete in neue Partnerschaften. Seit Jahresbeginn haben mehrere Staaten und Wirtschaftsblöcke Handelsabkommen geschlossen, die Washington außen vor lassen – eine direkte Reaktion auf Trumps unberechenbare "America First"-Politik.
Besonders aktiv zeigt sich China: Anfang Januar vereinbarte Peking mit Kanada den Abbau von Handelsbarrieren, was eine wütende Reaktion aus dem Weißen Haus provozierte. Auch der britische Premierminister Keir Starmer reiste nach Peking, um die Beziehungen zu Präsident Xi Jinping neu zu beleben. Beide Seiten einigten sich auf niedrigere Handels- und Reisebarrieren.
Die Europäische Union zog nach: Sie unterzeichnete ein lang erwartetes Freihandelsabkommen mit Indien und machte Fortschritte beim Mercosur-Deal mit südamerikanischen Ländern. Diese diplomatischen Aktivitäten fanden statt, nachdem Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Kanadas Premier Mark Carney, öffentlich kritisiert hatte.
Verbündete setzen auf Diversifizierung
Jimena Blanco, Chefanalystin beim Risikoanalyseunternehmen Verisk Maplecroft, bestätigt gegenüber CNBC eine "messbare Verschlechterung" in der Kommunikation zwischen den USA und ihren Verbündeten. Die Reaktion der Partner sei jedoch pragmatisch: Statt sich vom globalen Handelssystem abzuwenden, diversifizieren sie ihre wirtschaftlichen Engagements.
Joseph Parkes, Senior Analyst bei Verisk Maplecroft, betont: "Die USA sind aus technologischer, handelspolitischer, währungstechnischer und sicherheitspolitischer Sicht einfach zu wichtig." Dennoch arbeiteten wichtige Verbündete langfristig daran, ihre globalen Beziehungen in strategischen Bereichen neu auszubalancieren.
Strategische Flexibilität als Ziel
Regierungen weltweit versuchen laut Parkes, "Handelsabkommen auszuweiten, um strategische Flexibilität aufzubauen und die Abhängigkeit von Märkten und Lieferketten von einem einzelnen Land zu verringern". Diese Strategie dient als Absicherung gegen Trumps unvorhersehbare Handelspolitik, die sowohl Freunde als auch Feinde mit Strafzöllen und territorialen Drohungen konfrontiert.
Analysten vergleichen die aktuelle Phase mit einer "holprigen Strecke" statt einem endgültigen Bruch. Die Verbündeten hätten kaum eine andere Wahl, als Washington weiterhin auf ihrer Seite zu halten – während sie gleichzeitig alternative Wege für Handel und Kooperation erkunden. Die America First-Politik könnte sich damit als Bumerang erweisen, der die wirtschaftliche und geopolitische Dominanz der USA langfristig schwächt.
