Amazon Web Services startet KI-Tool zur Beschleunigung der Medikamentenentwicklung
AWS launcht „Amazon Bio Discovery" – eine KI-Plattform, die Wirkstoffmoleküle generiert und Forschungsprozesse von Monaten auf Wochen verkürzt.

Amazon Web Services (AWS) hat mit „Amazon Bio Discovery" ein neues KI-gestütztes Forschungstool vorgestellt, das die Arzneimittelentwicklung in der Frühphase deutlich beschleunigen soll. Die Plattform bietet Forschern Zugang zu einer Bibliothek spezialisierter biologischer Basismodelle, die potenzielle Wirkstoffmoleküle generieren und bewerten können. Damit reagiert AWS auf den wachsenden Trend, künstliche Intelligenz in der Pharmaindustrie einzusetzen.
Ein integrierter KI-Agent unterstützt Nutzer bei der Auswahl geeigneter Modelle, der Festlegung von Parametern und der Interpretation der Ergebnisse. Forscher können die vielversprechendsten Kandidaten direkt an integrierte Laborpartner zur Synthese und zum Testen weiterleiten. Die Laborergebnisse fließen anschließend zurück in das System, um die nächste Designrunde zu steuern – ein geschlossener Kreislauf aus KI und Laborarbeit.
Engpass bei Bioinformatikern als Treiber
Rajiv Chopra, Vice President für Healthcare AI und Life Sciences bei AWS, erklärte gegenüber Reuters, dass der rasante Anstieg von Modellen zur Wirkstoffsuche Bioinformatiker zu einem Engpass gemacht habe. Gemeint sind Experten, die Laborziele in Pipelines für maschinelles Lernen übersetzen können. „Amazon Bio Discovery" soll genau hier ansetzen und diesen Flaschenhals in der Forschungskette auflösen.
Zu den frühen Anwendern der Plattform zählen laut AWS namhafte Unternehmen und Institutionen: der Pharmariese Bayer, das renommierte Broad Institute sowie das Biotechunternehmen Voyager Therapeutics. Darüber hinaus nutzen bereits 19 der 20 weltweit führenden Pharmaunternehmen die Cloud-Dienste von AWS – eine starke Ausgangsbasis für die Verbreitung des neuen Tools.
Fast 300.000 Antikörpermoleküle in wenigen Wochen generiert
Ein konkretes Anwendungsbeispiel liefert die Zusammenarbeit mit dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Dort generierte die Plattform mithilfe mehrerer Modelle fast 300.000 neuartige Antikörpermoleküle und grenzte diese auf 100.000 Kandidaten für Labortests durch den Partner Twist Bioscience ein. Ein Prozess, der normalerweise Monate in Anspruch nimmt, wurde so auf wenige Wochen verkürzt – ein beeindruckender Effizienzgewinn für die Krebsforschung.
Chopra betonte dabei ausdrücklich, dass der Dienst darauf abzielt, Wissenschaftler und Auftragsforschungsinstitute zu unterstützen und nicht zu ersetzen. Diese Klarstellung ist angesichts der wachsenden Debatte über den Einfluss von KI auf Arbeitsplätze in der Forschung von Bedeutung.
Analyst: Befürchtungen über KI-Einfluss übertrieben
Tycho Peterson, Analyst bei Jefferies, sieht die Sorgen rund um KI in der Arzneimittelforschung gelassen. Er erklärte, dass die Befürchtungen, KI könne den Bedarf an Instrumenten für die Arzneimittelforschung verringern, weitgehend übertrieben seien. Im Gegenteil: Peterson sieht Spielraum für höhere Ausgaben für Werkzeuge, da das Tempo und die Renditen von Forschungsprogrammen durch KI stiegen.
Neben „Amazon Bio Discovery" plant AWS gemeinsam mit der Boston Consulting Group und dem Pharmaunternehmen Merck die Vorstellung einer weiteren KI-Plattform. Diese soll auf dem Life Science Symposium von AWS präsentiert werden und darauf abzielen, die Auswahl von Standorten für klinische Studien zu verbessern – ein weiterer häufiger Engpass in der Arzneimittelentwicklung. Damit baut AWS seine Ambitionen im Life-Sciences-Sektor konsequent aus.
