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Amazon-Razzia in Italien: Steuerermittlungen wegen mutmaßlicher Hinterziehung bis 2024

Finanzpolizei durchsucht Mailänder Zentrale und Wohnungen von Managern – Verdacht auf nicht gemeldete Betriebsstätte

2 Min
Amazon-Razzia in Italien: Steuerermittlungen wegen mutmaßlicher Hinterziehung bis 2024

Die italienische Finanzpolizei hat am Donnerstag die Amazon-Zentrale in Mailand durchsucht. Wie Reuters von zwei Insidern erfuhr, stehen neue Steuerermittlungen gegen den US-Technologiekonzern im Raum. Die Guardia di Finanza durchsuchte zudem die Wohnungen von sieben Amazon-Managern sowie Büroräume der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Im Zentrum der Ermittlungen steht die Frage, ob Amazon zwischen 2019 und 2024 über eine nicht gemeldete, feste Betriebsstätte in Italien verfügte. In diesem Fall hätte das Unternehmen deutlich höhere Steuern im Land zahlen müssen. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die in Luxemburg ansässige Amazon EU Sarl und deren Direktorin Barbara Scarafia wegen des Verdachts der unterlassenen Einkommenserklärung.

Laut einem 13-seitigen Durchsuchungsbeschluss, der Reuters vorliegt, unterhielt Amazon bereits vor August 2024 eine feste Betriebsstätte in Italien. Erst zu diesem Zeitpunkt trat der Konzern einem Programm zur kooperativen Steuerkonformität bei und begann, Steuern in Italien zu entrichten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Amazon EU Sarl im Jahr 2024 insgesamt 159 Mitarbeiter eines anderen Amazon-Unternehmens entlassen und wieder eingestellt habe – offenbar um die Steuerpflicht zu verschleiern.

Beschlagnahmung von IT-Ausrüstung und E-Mails

Die Finanzpolizei beschlagnahmte Computer und andere IT-Geräte von Managern, darunter Festplatten mit E-Mails der Mitarbeiter. Diese werden bei Amazon alle drei Monate aus den Systemen gelöscht, weshalb die Sicherung der Daten für die Ermittler von besonderer Bedeutung ist. KPMG, gegen die selbst nicht ermittelt wird, geriet ins Visier, weil die Gesellschaft ein Gutachten zu den untersuchten Vorgängen erstellt hatte.

Dieser Fall ist nur einer von mehreren Steuerstreitigkeiten, die Amazon in Italien beschäftigen. Im Dezember einigte sich das Unternehmen mit der italienischen Steuerbehörde auf die Zahlung von 510 Millionen Euro, um einen Steuerstreit beizulegen. In einem weiteren Verfahren vermutet die Mailänder Staatsanwaltschaft eine Hinterziehung von rund 1,2 Milliarden Euro für den Zeitraum 2019 bis 2021.

Mehrere parallele Ermittlungsverfahren

Zusätzlich führt die Staatsanwaltschaft zwei weitere Untersuchungen gegen Amazon durch. Eine betrifft mutmaßliche Steuerhinterziehung im Zeitraum 2021 bis 2024, die andere konzentriert sich auf mutmaßlichen Zoll- und Steuerbetrug im Zusammenhang mit Importen aus China. Der Abschluss der Ermittlungen zum Zeitraum 2019 bis 2021 wird laut einer mit der Sache vertrauten Person für Anfang dieses Jahres erwartet.

Amazon war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. KPMG lehnte einen Kommentar ab. Auch der Anwalt von Barbara Scarafia war für eine unmittelbare Stellungnahme nicht zu erreichen.

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