Alibaba intensiviert KI-Strategie: Neuer Chip und größeres Modell angekündigt
Alibaba kündigt neues KI-Modell und Chip an – Aktie steigt um 5 Prozent.

Der chinesische Technologiekonzern Alibaba hat auf seiner jährlichen Apsara-Konferenz in Hangzhou gleich mehrere strategische Weichenstellungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz bekannt gegeben. Das Unternehmen arbeitet an einem KI-Modell, das bis zu viermal größer sein soll als das aktuelle Flaggschiff Qwen3 8 Max, und stellte mit dem Zhenwu V900 einen neuen KI-Chip vor, der als der leistungsstärkste Chinas bezeichnet wird. Die Ankündigungen ließen die in Hongkong notierten Aktien von Alibaba am Dienstag um 5,1 Prozent auf den höchsten Stand innerhalb eines Monats steigen.
Der Zeitpunkt der Ankündigungen ist kein Zufall. Chinesische Technologieunternehmen wetteifern derzeit darum, inländische Alternativen zu Nvidias KI-Prozessoren zu entwickeln, während die US-Exportbeschränkungen für Hochtechnologie nach China weiter verschärft werden. Alibaba baut sein KI-Geschäft auf allen Ebenen aus – von Foundation Models über Halbleiter bis hin zu den Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb zunehmend leistungsfähiger KI-Systeme benötigt werden.
Die Details
Im Zentrum der Ankündigungen steht das geplante neue KI-Modell des Qwen-Teams von Alibaba. Chief Executive Eddie Wu erklärte, das Team plane, ein neues Modell mit 5 Billionen bis 10 Billionen Parametern zu trainieren. Zum Vergleich: Alibabas aktuelles Flaggschiff Qwen3 8 Max verfügt über 2,4 Billionen Parameter – eine grobe Messgröße für die Größe und Leistungsfähigkeit eines KI-Modells. Das neue Modell wäre damit bis zu viermal so groß.
In einer separaten Erklärung teilte Alibaba mit, dass es derzeit sein nächstes Modell der Generation Qwen 4 trainiere. Zukünftige Modelle wie Qwen 4,5 und Qwen 5 sollen schrittweise auf 5 Billionen bis 10 Billionen Parameter skalieren. Wu zufolge habe das Qwen-Team „bedeutende“ Fortschritte erzielt, indem Modelle dazu gebracht wurden, sich selbst zu verbessern – sie identifizieren Schwächen, führen Experimente durch und generieren Trainingsdaten mit begrenztem menschlichem Eingriff.
Parallel dazu stellte Alibaba den Zhenwu V900 vor, einen neuen KI-Chip, der vom Halbleiter-Tochterunternehmen T-Head entwickelt wurde. Wu sagte, der Prozessor liefere eine dreimal so hohe Leistung wie sein Vorgänger, der M890, und könne in Clustern mit bis zu 500.000 Chips verbunden werden, um die größten KI-Modelle zu trainieren und auszuführen. Der Chip soll im ersten Quartal 2027 in Serie produziert und kommerziell eingeführt werden. Wu rechnet mit einem „signifikanten Wachstum“ bei den jährlichen Liefermengen von KI-Chips.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass Alibaba auf dem jährlichen Alibaba Cloud Summit in Peking den Vorgängerchip Zhenwu M890 vorgestellt hatte. Auch dieser Prozessor, entwickelt von T-Head, bot bereits die dreifache Leistung seines Vorgängers Zhenwu 810E und war speziell für die aufkommende Welle von KI-„Agenten“ konzipiert – Softwaresysteme, die komplexe, mehrstufige Aufgaben mit begrenzter menschlicher Aufsicht ausführen können.
Am 3. August 2026 berichtete aktien.news über die Vorstellung des KI-Modells Qwen3-Max, das über 2,4 Billionen Parameter verfügt. Die Aktie stieg damals an der New Yorker Börse um 4,5 Prozent und an der Hongkonger Börse um 7 Prozent. Alibaba bezeichnete Qwen3-Max als weiteren Schritt im intensiver werdenden KI-Wettbewerb zwischen China und den USA.
Am 20. Juli 2026 hatte aktien.news zudem berichtet, dass Alibaba sein neues Modell unter dem Namen Qwen3 8 Max bewirbt und der Kurs der Alibaba-Aktie im vorbörslichen Handel um mehr als 3 Prozent auf 118,78 US-Dollar gestiegen war.
Bereits am 22. Januar 2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf Bloomberg News, dass Alibaba einen Börsengang seiner KI-Chip-Einheit T-Head Semiconductor plane. Die 2018 gegründete Halbleiter-Tochter solle zunächst umstrukturiert werden, bevor ein IPO geprüft werde. Der konkrete Zeitpunkt und die potenzielle Bewertung blieben damals noch unklar.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen Ankündigungen zeigen, dass Alibaba seine KI-Strategie mit hohem Tempo vorantreibt. Das Unternehmen investiert gleichzeitig in größere Modelle, leistungsfähigere Chips und den Ausbau der Rechenzentrumskapazität. Wu setzte ein Ziel für die globale Rechenzentrumskapazität von Alibaba Cloud, die bis 2032 20 Gigawatt überschreiten soll. Die Kundennachfrage nach KI sei „außergewöhnlich robust“ und beschleunige das Umsatzwachstum von Alibaba Cloud, so Wu, obwohl Engpässe in der Lieferkette das Tempo der Expansion begrenzen.
Für Anleger ist bemerkenswert, dass Alibaba mit dem Zhenwu V900 und der T-Head-Tochter nicht nur ein Software-Unternehmen ist, sondern zunehmend auch in der Hardware-Entwicklung eigene Wege geht. Die US-Exportbeschränkungen für Nvidia-Chips machen solche Eigenentwicklungen für chinesische Unternehmen strategisch notwendig. Der geplante Börsengang von T-Head, über den bereits im Januar 2026 berichtet wurde, könnte hier zusätzliches Kapital für die weitere Expansion bringen.
Die Aktie reagierte positiv auf die Neuigkeiten. Der Kursanstieg von 5,1 Prozent in Hongkong zeigt, dass die Anleger die strategische Ausrichtung des Konzerns honorieren. Allerdings warnte Wu selbst: „Die wirklich bahnbrechenden Produkte des Zeitalters der maschinellen Intelligenz sind noch nicht angekommen.“ Er verglich die KI-Codierung mit der Glühbirne des elektrischen Zeitalters – eine frühe Anwendung statt des bahnbrechenden Produkts.
Ausblick
Alibaba trainiert derzeit sein nächstes Modell der Generation Qwen 4. Die weiteren Modelle Qwen 4,5 und Qwen 5 sollen auf 5 Billionen bis 10 Billionen Parameter skalieren. Der neue KI-Chip Zhenwu V900 soll im ersten Quartal 2027 in Serie produziert und kommerziell eingeführt werden. Alibaba Cloud wird nach Angaben von Wu in diesem Quartal damit beginnen, seine AI-Supernodes im kommerziellen Maßstab in Betrieb zu nehmen. Die mittelfristige und langfristige Nachfrage der Branche übersteige die Versorgungsmöglichkeiten des Unternehmens bei weitem, so Wu. Das Ziel für die globale Rechenzentrumskapazität von Alibaba Cloud liegt bei über 20 Gigawatt bis 2032.
Kurz erklärt
- Parameter: Eine Kennzahl in der KI-Entwicklung, die beschreibt, wie viele numerische Einstellungen ein Modell nutzt, um Informationen zu verarbeiten und Antworten zu generieren. Mehr Parameter bedeuten in der Regel leistungsfähigere Modelle.
- KI-Chip: Ein speziell für die Berechnungen Künstlicher Intelligenz optimierter Prozessor. Anders als herkömmliche Computerchips sind KI-Chips darauf ausgelegt, die großen Datenmengen und komplexen Rechenoperationen zu bewältigen, die beim Training und Betrieb von KI-Modellen anfallen.
- Foundation Model: Ein großes, vortrainiertes KI-Modell, das als Grundlage für verschiedene spezifische Anwendungen dient. Es wird mit riesigen Datenmengen trainiert und kann dann für unterschiedliche Aufgaben wie Textgenerierung, Bilderkennung oder Sprachverarbeitung angepasst werden.
