Aclara und CAP nehmen Seltenerd-Demonstrationsanlage in Chile in Betrieb
Das Joint Venture von Aclara Resources und CAP will mit geschmolzener Salz-Elektrolyse NdPr-Metalle und -Legierungen in industriellem Maßstab validieren.

Das kanadische Seltenerd-Entwicklungsunternehmen Aclara Resources und sein Joint-Venture-Partner CAP haben eine Demonstrationsanlage in Betrieb genommen, um die Technologie zur Herstellung von Seltenerdmetallen und -legierungen weiterzuentwickeln. Die Anlage steht im Stahlwerk Huachipato von CAP im chilenischen Talcahuano. Aclara Resources ist an der Toronto Stock Exchange (TSX) notiert.
Kern des Verfahrens ist ein geschmolzener Salz-Elektrolyseprozess. Damit werden Neodym- und Praseodymoxide (NdPr) in Metalle und Legierungen umgewandelt. Die Anlage soll diese Technologie im industriellen Maßstab und unter realen Betriebsbedingungen validieren.
Die nominelle Produktionskapazität ist auf bis zu 175 Kilogramm Seltenerdmetall pro Tag ausgelegt, angestrebt wird eine Zielreinheit von mindestens 99,5 Prozent. Betrieben wird die Anlage in Produktionskampagnen. Diese sollen nachweisen, dass das Verfahren Metalle und Legierungen unter stabilen, kontinuierlichen Industrieprozessen herstellen kann und dabei die Qualitätsspezifikationen erfüllt, die potenzielle internationale Kunden fordern. Zudem dienen die Kampagnen dazu, operative Erfahrungen zu sammeln und die Teams auszubilden, die später in der industriellen Anlage tätig sein werden.
Die Details
Hinter der Anlage steht Aclara Metals, ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen CAP und Aclara Resources. Das detaillierte Design der elektrolytischen Zelle im industriellen Maßstab wurde vollständig von Teams von Aclara Metals und Huachipato entwickelt. Da es für diesen metallurgischen Prozess zur Metallisierung von Seltenerden keine etablierten Industriestandards gibt, bezeichnet Aclara Metals sein intern entwickeltes Know-how als hochgradig wertvolles technologisches Asset.
Die Technologie baut auf dem metallurgischen Know-how und der Erfahrung auf, die über Jahrzehnte im Stahlwerk Huachipato angesammelt wurden. Jorge Salvatierra, Aufsichtsratsvorsitzender von CAP, beschreibt die Anlage als konkretes Beispiel dafür, wie die Fähigkeiten und das Wissen aus Huachipato in neue Branchen übertragen werden können: „Wir verbinden metallurgische Erfahrung, Infrastruktur und Talent mit neuen technologischen Fähigkeiten, um in Chile Innovationen voranzutreiben und an einer kritischen Mineralien-Wertschöpfungskette teilzuhaben, die mit dem Energieübergang verknüpft ist.“ Es handele sich zudem um die Art von Projekt, die im Rahmen des industriellen Wandels von Huachipato vorangetrieben werden solle, indem neue Nutzungsmöglichkeiten für bestehende Fähigkeiten gefunden und Raum für wissens- und innovationsintensive Initiativen geschaffen werde.
Aclara Metals evaluiert nach eigenen Angaben zudem eine zweite Demonstrationsphase. Sie würde nach Abschluss der NdPr-Produktionsstufe Dysprosiumoxid (Dy) hinzufügen, um eine NdPrDy-Legierung herzustellen. Ergebnisse auf Basis von Echtzeitdaten der Demonstrationsanlage sollen kritische technische und operative Eingaben für die Grundauslegung des zukünftigen Industrieprojekts von Aclara Metals in Louisiana, USA, liefern. Diese Daten sollen auch zur Entwicklung und Verfeinerung prädiktiver digitaler Modelle genutzt werden, die den Prozess optimieren und einen stabileren und effizienteren Betrieb der Elektrolysezellen unterstützen sollen.
Aclara CEO Ramón Barúa zufolge markiert die Demonstrationsanlage einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung einer integrierten Seltenerd-Versorgungskette. Sie ergänze die Konzentrations-Pilotanlagen des Unternehmens in Chile und Brasilien sowie seine Trennungs-Pilotanlage in Virginia, USA. Mit der Ergänzung von Metallisierungs- und Legierungsproduktionsfähigkeiten rücke Aclara näher an eine End-to-End-Technologie- und Produktionsplattform heran, die Bergbau, Konzentration, Trennung, Metallisierung und Legierungsproduktion integriert. „Dies vervollständigt eine Wertschöpfungskette, die entscheidend ist, um eine sichere westliche Quelle sowohl für schwere als auch leichte Seltenerden zu etablieren“, erklärt Barúa.
Álvaro Castellón, General Manager von Aclara Metals, ordnet die Bedeutung des Verfahrens ein: Die Metallisierung von Seltenerden im Westen stelle eine seltene, fast nicht existente Technologie dar. „Diese Demonstrationsanlage wird es uns ermöglichen, einen der vier Prozesse, die die Metallisierung ausmachen, zu replizieren und konkrete Erkenntnisse zu gewinnen, die die bereits laufenden Ingenieursarbeiten ergänzen, während wir uns einem zukünftigen Industriewerk in den USA annähern.“ Die metallurgische Erfahrung von Huachipato habe zusammen mit dem Antrieb und der Überzeugung von CAP und Aclara eine einzigartige Kombination geschaffen, die es erlaube, schnell voranzukommen und konkrete Ergebnisse zu liefern.
Die Initiative ist Teil der Strategie von Aclara und CAP, sich einer integrierten, rückverfolgbaren und nachhaltigen Wertschöpfungskette für Seltenerden anzunähern, die den Bereich Extraktion und Trennung bis hin zur Produktion von Metallen und Legierungen umfasst. In Chile soll die Extraktion am Penco-Modul stattfinden, der ersten Seltenerd-Lagerstätte des Landes.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 23.07.2026 berichtete aktien.news, dass Aclara Resources eine bedeutende Bundesförderung durch das US-Energieministerium (DoE) erhalten hat. Im Rahmen der „Genesis Mission“-Initiative wurde das Unternehmen für Phase I eines Projekts ausgewählt, das KI-Technologien zur Optimierung der inländischen Trennung von Seltenerden entwickeln soll. Das Projekt trägt den Titel „AI-Enabled Process Optimization for Multi-Feed Rare Earth Separation“. Erfolgreiche Phase-I-Projekte haben die Möglichkeit, in Phase II aufzusteigen und zusätzliche Bundesmittel zu erhalten.
Am 15.06.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie von USA Rare Earth nach der offiziellen Inbetriebnahme einer hydrometallurgischen Demonstrationsanlage in Wheat Ridge, Colorado, um 6,9 Prozent zulegte. Das Unternehmen strebt die erste Produktion von separierten Oxiden für das dritte Quartal 2026 an und will sich als einer der wenigen Anbieter außerhalb Chinas positionieren, die in der Lage sind, separierte schwere Seltenerdoxide herzustellen.
Am 20.01.2026 berichtete aktien.news über Expansionspläne von USA Rare Earth in Europa: Über die Tochtergesellschaft Less Common Metals Europe SAS soll in Lacq, Frankreich, eine Metall- und Legierungsproduktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 3.750 Tonnen entstehen, die mit erheblicher staatlicher Förderung realisiert werden soll. Der Standort liegt unmittelbar neben der geplanten Oxidverarbeitungsanlage von Carester SAS mit 1.600 Tonnen Kapazität, die Ende 2026 in Betrieb gehen soll.
Am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass REalloys die Finanzierung für zwei strategisch bedeutende Projekte vollständig gesichert hat: die Modernisierung der Seltenerd-Verarbeitungsanlage des Saskatchewan Research Council (SRC) in Kanada sowie den Bau einer neuen Metallisierungsanlage für schwere Seltene Erden in den USA. Dafür stellt REalloys 58,3 Millionen US-Dollar bereit, finanziert ausschließlich aus vorhandenen Barmitteln, ohne zusätzliche Kapitalmaßnahmen.
Was das für Anleger bedeutet
Mit der Inbetriebnahme in Talcahuano erweitert Aclara sein technologisches Profil über die reine Gewinnung und Trennung hinaus auf die Metallisierung und Legierungsproduktion. Für Anleger ist relevant, dass das Unternehmen damit nach eigener Darstellung einen weiteren Baustein einer integrierten Wertschöpfungskette vorlegt, der bislang vor allem in Asien beheimatet ist. Die im Umfeld zu beobachtende Dynamik – von der US-Förderung für Aclara über staatlich unterstützte Projekte von USA Rare Earth in Frankreich bis zur vollständig finanzierten Metallisierungsanlage von REalloys – zeigt, dass mehrere westliche Akteure parallel an einer unabhängigen Versorgung mit Seltenerdmetallen arbeiten.
Zugleich bleibt festzuhalten: Die chilenische Anlage ist eine Demonstrationsanlage. Sie soll Prozesse validieren und Daten liefern, nicht den Markt beliefern. Konkrete Angaben zu Investitionssummen, Finanzierung oder Zeitplan für ein Industriewerk in Louisiana nennt die Mitteilung nicht. Anleger sollten daher zwischen technologischen Meilensteinen und kommerzieller Produktion unterscheiden.
Ausblick
Aclara Metals will die Demonstrationsanlage in mehreren Produktionskampagnen betreiben und dabei die Qualitätsspezifikationen potenzieller internationaler Kunden erfüllen. Parallel wird eine zweite Demonstrationsphase geprüft, die nach Abschluss der NdPr-Stufe Dysprosiumoxid ergänzen und so eine NdPrDy-Legierung herstellen würde. Die gewonnenen Echtzeitdaten sollen in die Grundauslegung des geplanten Industrieprojekts in Louisiana einfließen und zur Verfeinerung prädiktiver digitaler Modelle dienen. In Chile soll die Extraktion am Penco-Modul erfolgen, der ersten Seltenerd-Lagerstätte des Landes.
Kurz erklärt
- Seltene Erden: Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Metallen, die unter anderem in Magneten, Elektronik und Elektromotoren eingesetzt werden.
- Schmelzsalz-Elektrolyse: Ein Verfahren, bei dem Metalloxide in geschmolzenem Salz elektrisch zu reinen Metallen umgewandelt werden.
- Metallisierung: Der Schritt, in dem aus Seltenerdoxiden tatsächlich nutzbare Metalle und Legierungen entstehen.
- NdPr: Die Kombination aus Neodym und Praseodym, zwei leichten Seltenerden, die häufig gemeinsam verarbeitet werden.
- Legierung: Ein Werkstoff aus mindestens zwei Metallen, der gezielt andere Eigenschaften aufweist als die Einzelmetalle.
