Zweite Insolvenz für Lilium
Geplatzte Investorenzusage, ausstehende Gehälter und ungewisse Zukunft für das Flugtaxi-Start-up

Lilium hat erneut Insolvenz angemeldet. Bereits vor vier Monaten hatte das bayerische Flugtaxi-Start-up einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Konsortium aus Investoren, darunter der slowakische Unternehmer Marian Boček, wollte das Unternehmen retten. Doch die geplante Übernahme scheiterte. Am Freitag meldete Lilium beim Amtsgericht erneut Insolvenz an. Den Mitarbeitenden wurde die Situation per E-Mail mitgeteilt. Darin heißt es, dass trotz intensiver Bemühungen keine tragfähige Finanzierungsoption gefunden wurde. Man befinde sich weiterhin in Gesprächen mit möglichen Investoren, um einen Fortbetrieb zu ermöglichen. Welche Insolvenzkanzlei den Prozess begleiten wird, ist noch unklar.
Seit zehn Jahren arbeitete das Unternehmen an einem elektrisch betriebenen Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann. Trotz hoher Entwicklungskosten konnte bislang kein marktreifes Produkt vorgestellt werden. Im Oktober vergangenen Jahres versuchte Lilium, staatliche Bürgschaften zu erhalten, blieb damit jedoch erfolglos. Daraufhin meldeten die beiden wichtigsten operativen Tochtergesellschaften Insolvenz an, gefolgt von der börsennotierten Muttergesellschaft.
Ein potenzieller Käufer wurde im Dezember gefunden. Eine Investorengruppe gründete die Mobile Uplift Corporation, die später in Lilium Aerospace GmbH umbenannt wurde. Man plante, die Vermögenswerte in einem Asset-Deal zu übernehmen und stellte zusätzlich eine Investition in Höhe von 200 Millionen Euro in Aussicht. Der größte Anteil von 150 Millionen Euro sollte von Boček kommen, dem Gründer des Batteriezellenherstellers InoBat. Allerdings blieb die zugesagte Zahlung aus. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche fungiert Boček lediglich als Treuhänder und verfügt möglicherweise selbst nicht über das nötige Kapital. Die versprochenen Mittel konnten daher bislang nicht überwiesen werden.
Lilium hoffte zuletzt auf eine kurzfristige Brückenfinanzierung durch andere Investoren, doch auch hier gab es keine schnelle Lösung. Die angespannte Finanzlage führte dazu, dass die rund 1000 Angestellten ihre Gehälter für den Januar noch nicht erhalten haben. Vor zwei Wochen wurden sie aufgefordert, ihre Arbeit bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Viele Beschäftigte berichten von finanziellen Schwierigkeiten. Eine Crowdfunding-Kampagne sammelte innerhalb weniger Tage etwa 1500 Euro, um Betroffene zu unterstützen.
Die Belegschaft kann nun auf Insolvenzgeld hoffen, doch eine Vorfinanzierung gestaltet sich schwierig. Die Bundesagentur für Arbeit bewilligt diese nur, wenn eine realistische Fortführungsperspektive besteht. Da die Übernahmebedingungen nicht erfüllt wurden, scheint ein Erhalt des Unternehmens unwahrscheinlich. Selbst im Falle eines Verkaufs der Patente und Prototypen droht wertvolles Wissen mit den scheidenden Mitarbeitenden verloren zu gehen.
