ANZEIGE

Zwei Autozulieferer melden Insolvenz an

Jobverluste, Spardruck und Absatzflauten verschärfen die Krise der Branche

2 Min
Zwei Autozulieferer melden Insolvenz an

51.500 Arbeitsplätze weniger innerhalb eines Jahres – diese Zahl verdeutlicht die Dimension der Krise in der deutschen Automobilindustrie. Nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY entspricht das einem Rückgang von fast sieben Prozent der gesamten Jobs in der Branche. Kein anderer Industriezweig hat zuletzt einen ähnlich starken Beschäftigungseinbruch verzeichnet. Neben den großen Herstellern und Zulieferern geraten nun auch mittelständische Betriebe zunehmend unter Druck.

Die Liste der Sparprogramme in der Branche ist lang. Mercedes-Benz, Volkswagen, Bosch, Continental und ZF haben Kürzungen angekündigt, Porsche will sein Batterie-Tochterunternehmen Cellforce weitgehend einstellen. Laut EY-Partner Jan Brorhilker sind massive Gewinneinbrüche, Überkapazitäten und schwächelnde Auslandsmärkte die Hauptgründe für den Stellenabbau. Die Folgen für die Beschäftigung zeigen sich bereits deutlich, weitere Entlassungen könnten in den kommenden Monaten hinzukommen.

Besonders heikel ist die Lage für spezialisierte Unternehmen, wie die Insolvenzen von Huber Automotive und der MVI Group belegen. Huber Automotive mit Sitz in Mühlhausen im Täle entwickelt Hard- und Softwarelösungen, Gehäusekonzepte und Steuergeräte. Im Geschäftsjahr 2023/24 brach der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 58 Prozent ein und lag nur noch bei 38,9 Millionen Euro. Gründe waren die allgemein schwierige Wirtschaftslage sowie die Kaufzurückhaltung bei Elektrofahrzeugen. Zwar verzichteten Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen, doch die Maßnahmen reichten nicht aus. Der Vorstand meldete beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz an, das Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger als vorläufigen Insolvenzverwalter einsetzte.

Auch die MVI Group aus Wolfsburg hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht ernannte Tobias Hartwig von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Das Unternehmen beschäftigt rund 300 Mitarbeiter, deren Löhne und Gehälter bis Ende September über das Insolvenzgeld gesichert sind. Hartwig kündigte an, die Kernkompetenzen im Bereich IT- und Engineering-Dienstleistungen erhalten und weiterentwickeln zu wollen. Als Hauptursache für die Schieflage verweist MVI auf die schwierige Lage der eigenen Kunden, die unter Absatzflauten, Konkurrenz aus China, den Folgen des Umstiegs auf Elektromobilität und neuen US-Zöllen leiden.

Der Druck, den die großen Hersteller durch ihre Sparmaßnahmen erzeugen, schlägt somit unmittelbar auf kleine und mittelständische Zulieferer durch. Der Rückgang der Aufträge setzt Unternehmen wie Huber und MVI zusätzlich zu den branchenspezifischen Herausforderungen unter Druck. EY-Experte Brorhilker geht davon aus, dass sich der Abwärtstrend am Arbeitsmarkt fortsetzen wird. Für Schul- und Hochschulabsolventen, insbesondere Ingenieure, bedeute das schlechtere Perspektiven. Viele müssten sich neu orientieren, da die Industrie deutlich weniger Nachwuchskräfte einstelle.

AutoindustrieArbeitslosen FinanzenInsolvenz

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer