Zollrückerstattung: Warum Händler neun Monate auf 164.000 Dollar warten
Der kalifornische Uhrenhändler Asher Rapkin wartet seit neun Monaten auf 164.000 Dollar Zollrückerstattung – ein Fall mit Signalwirkung.

Der kalifornische Uhrenhändler Asher Rapkin wartet seit neun Monaten auf die Rückerstattung von 164.000 Dollar an Zöllen. Die Abgaben hatte er auf Basis jener Handelszölle gezahlt, die der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) im Februar für rechtswidrig erklärte. Als das Urteil fiel, sei er mit seinen Kindern in seiner Küche auf und ab gesprungen, schildert der Inhaber eines Uhrenladens seine Reaktion. Von dieser Freude ist heute wenig geblieben: Sein Unternehmen Collective Horology hat nach seinen Angaben nur einen Teil des Geldes zurückerhalten.
Rapkin gibt an, seine Unterlagen bereits im März eingereicht zu haben. Eine Zahlung ging bei seinem Unternehmen jedoch erst im September ein – und auch danach blieb vieles unklar. Verantwortlich für die Verzögerungen macht der Unternehmer den Logistikkonzern FedEx (FDX), über den die Abwicklung der Zölle läuft. Sein Fall steht damit für ein Muster, das weit über einen einzelnen Uhrenladen hinausreicht: Zwischen einem gewonnenen Grundsatzurteil und der tatsächlichen Auszahlung an die betroffenen Unternehmen liegen in den USA offenbar viele Monate.
Dass sein Frust kein Einzelfall ist, legt bereits die schiere Zahl der Betroffenen nahe. Bereits im März berichtete aktien.news, dass Hunderttausende Unternehmen und Privatpersonen diese Abgaben gezahlt hatten und auf schnelle Rückzahlungen hofften. Genau diese Hoffnung hat sich für viele bis heute nicht erfüllt.
Die Details
Die bislang an Collective Horology zurückgeflossene Summe beläuft sich auf 59.200 Dollar. Diese Überweisung erfolgte laut Rapkin ohne jegliche Erläuterung dazu, welche Transaktionen damit erstattet wurden. Der Unternehmer kann also nicht nachvollziehen, welche konkreten Zollzahlungen ihm FedEx mit diesem Betrag ausgeglichen hat. Wie viele weitere Zahlungen noch ausstehen und wann sie fließen, lässt sich aus dem Vorgang nicht ableiten.
„Es ist ein Prozess, der tiefgreifende Mängel aufweist“, sagte Rapkin über das Verfahren. Besonders deutlich wird seine Kritik beim Blick auf den umgekehrten Fall: Würden die Rollen getauscht, fordere FedEx Zahlungen innerhalb weniger Wochen und drohe damit, seine Geschäftskonten zu schließen. „Das ist ironisch, angesichts dessen, wie sehr sie uns auf die Zahlungssummen fixieren“, so der Uhrenhändler.
Der Kontrast ist scharf: Auf der einen Seite ein kleiner Händler, der neun Monate auf 164.000 Dollar wartet, auf der anderen Seite ein Logistikkonzern, der laut Rapkin bei ausstehenden Forderungen sehr schnell Druck aufbaut. Die FedEx-Aktie (FDX) notierte unterdessen 1,15 Prozent im Plus – eine Kapitalmarktreaktion, die den bürokratischen Stillstand an der Basis nicht abbildet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.02.2026 berichtete aktien.news, dass FedEx Corporation (NYSE: FDX) die US-Regierung auf vollständige Rückerstattung der gezahlten Notfallzölle verklagt hat. Das Unternehmen reichte die Klage am Montag beim Court of International Trade ein – jenem Gericht, dem der Oberste Gerichtshof kurz zuvor die ausschließliche Zuständigkeit für Zollstreitigkeiten dieser Art zugesprochen hatte. FedEx gilt damit als erstes US-Unternehmen, das nach dem wegweisenden Supreme-Court-Urteil eine Rückerstattungsklage eingereicht hat.
Am 25.02.2026 folgte die Meldung, dass FedEx die vollständige Rückerstattung aller gezahlten Zölle zuzüglich Zinsen fordert. Grundlage der Klage war das Urteil des Supreme Court vom vergangenen Freitag, das die unter dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erlassenen Handelszölle von Präsident Trump für rechtswidrig erklärte. Der IEEPA ist ein US-Bundesgesetz, das dem Präsidenten weitreichende Befugnisse zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen in nationalen Notlagen einräumt – Befugnisse, die Trump für umfangreiche Importzölle genutzt hatte.
Am 07.03.2026 berichtete aktien.news, dass ein Richter am US-Bundeshandelsgericht die Trump-Regierung anwies, mit der Rückerstattung von rund 166 Milliarden Dollar zu beginnen. Das Geld stammte aus Zöllen, die der Supreme Court für nichtig erklärt hatte. Die Hoffnung auf rasche Erstattungen wurde jedoch schnell gedämpft: Die Regierung teilte dem Richter mit, dass eine sofortige Rückzahlung nicht stattfinden werde. Daraufhin schränkte der Richter seine eigene Anordnung umgehend wieder ein – ein ungewöhnlicher Schritt, der die Komplexität des Rechtsstreits verdeutlicht.
Am 09.06.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) vor dem Court of International Trade in Manhattan erschien, um einen Weg zur Rückerstattung von Zöllen in zweistelliger Milliardenhöhe zu finden. Richter Richard Eaton hatte die Anhörung als Verhandlungssitzung angesetzt. Im Mittelpunkt stand die Rückzahlung eines Teils der insgesamt 166 Milliarden Dollar, die der Supreme Court zuvor für rechtswidrig erklärt hatte. Eaton machte in einem Schreiben vom 3. Juni deutlich, dass die rechtlichen Grundfragen bereits geklärt seien.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Fall vor allem ein Lehrstück über Prozess- und Cashflow-Risiken. FedEx ist als Fracht- und Zolldienstleister tief in die Abwicklung internationaler Warenströme eingebunden. Wenn Unternehmen wie Collective Horology monatelang auf Erstattungen warten, bindet das Kapital auf mehreren Ebenen der Lieferkette – bei den Importeuren selbst, aber auch bei den Dienstleistern, die die Zollabwicklung übernehmen.
Der Vorgang zeigt zudem, dass ein gewonnenes Grundsatzurteil noch keine schnelle Auszahlung bedeutet. Zwischen dem Entscheid des Supreme Court im Februar und der ersten Teilzahlung an Rapkin im September lagen neun Monate des Wartens. Wer in Aktien von Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell stark von Zoll- und Handelsregimen abhängt, sollte solche Abwicklungsrisiken als realen Faktor einpreisen und nicht nur auf die juristische Klärung schauen.
Bemerkenswert ist auch die Größenordnung des Gesamtvolumens: Rund 166 Milliarden Dollar an Zöllen wurden für nichtig erklärt. Solche Summen berühren Bilanzkennzahlen, Liquidität und Planungssicherheit ganzer Branchen. Der Streit um die Rückerstattung ist damit weit mehr als ein bürokratisches Detail – er ist ein handelspolitischer Vorgang mit unmittelbaren Folgen für Unternehmen und ihre Aktionäre.
Ausblick
Der Quelltext nennt keine konkreten Termine für weitere Erstattungen an Rapkin oder an andere Importeure. Bekannt ist lediglich, dass der Streit um die Rückzahlungen seit Monaten vor Gericht ausgetragen wird, dass die Regierung eine sofortige Rückzahlung abgelehnt hat und dass ein Richter am US-Bundeshandelsgericht seine eigene Anweisung zur zügigen Erstattung wieder einschränken musste.
Immerhin hatte Richter Eaton am 3. Juni in einem Schreiben festgehalten, dass das gesamte materielle Recht in diesem Fall entweder vom Obersten Gerichtshof entschieden oder Gegenstand gefestigter Rechtsprechung sei. Ob daraus ein verbindlicher Fahrplan für die Auszahlung der Milliardenbeträge folgt, bleibt offen. Für Rapkin und sein Unternehmen Collective Horology gilt bis auf Weiteres: Ein Teil der 164.000 Dollar fehlt weiterhin – ohne Erklärung, welche Transaktionen bereits erstattet wurden.
Kurz erklärt
- Zollrückerstattung: die Rückzahlung von Importabgaben an ein Unternehmen, nachdem ein Gericht diese Abgaben für rechtswidrig erklärt hat.
- International Emergency Economic Powers Act (IEEPA): ein US-Bundesgesetz, das dem Präsidenten weitreichende Befugnisse zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen in nationalen Notlagen einräumt.
- Court of International Trade: das US-Bundesgericht, das für Zoll- und Handelsstreitigkeiten zuständig ist.
