Zollrisiken bedrohen europäische Gewinnerholung 2025
Europas Aktienmärkte stehen vor neuen Herausforderungen: Während die Berichtssaison für das vierte Quartal anläuft, werfen erneute Zolldrohungen aus den USA Schatten auf die sich stabilisierende Gewinnentwicklung.

Die europäische Unternehmenslandschaft zeigt sich trotz globaler Unsicherheiten robust. Für das vierte Quartal 2024 erwarten Analysten ein moderates Gewinnwachstum von 1% im Jahresvergleich – deutlich verhaltener als die prognostizierten 8% in den USA. Die Erwartungen wurden in den vergangenen Monaten bereits deutlich nach unten korrigiert, insbesondere bei zyklischen Branchen.
Barclays Research sieht dennoch Potenzial für positive Überraschungen. Die Einkaufsmanagerindizes notieren über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, und Wirtschaftsdaten fallen überwiegend besser aus als erwartet. Dies könnte Spielraum für Gewinnüberraschungen schaffen, wenn Unternehmen ihre Quartalszahlen präsentieren.
Zolldrohungen als Risikofaktor
Die größte Gefahr für die Erholung geht von möglichen US-Zöllen aus. Sollten die angekündigten 10% Zölle auf europäische Waren tatsächlich umgesetzt werden, droht dem europäischen Gewinn pro Aktie ein Rückgang von etwa 3%. Besonders betroffen wären exportorientierte Sektoren wie Gesundheitswesen, Automotive, Software und Konsumgüter.
Unternehmen in den betroffenen Ländern erwirtschaften durchschnittlich 14% ihrer Umsätze in den USA, wobei rund 10% auf güterexportierende Branchen entfallen. Im Jahr 2025 belasteten bereits Währungseffekte stärker als Handelshemmnisse – neue Zölle würden diese Herausforderung verschärfen.
Ausblick 2026: Wachstum trotz Risiken
Für 2026 prognostiziert der IBES-Konsens für den MSCI Europe ein Gewinnwachstum von 12%, bereinigt um Ausreißer wie die Automobilbranche immer noch 9%. Das eigene Modell von Barclays deutet auf 8% Wachstum hin, gestützt durch erwartetes BIP-Wachstum über Potenzial in USA und Europa bis zum vierten Quartal 2026.
Zyklische Sektoren sollen die Erholung anführen: Nicht-Basiskonsumgüter, Banken und Industriewerte könnten 2026 Gewinnzuwächse von über 20% verzeichnen, während defensive Branchen nur mit 8% rechnen. Die Margen dürften sich mit verbesserter Geschäftsentwicklung allmählich erholen.
Bewertungen lassen wenig Spielraum
Europäische Aktien haben im vergangenen Jahr bereits von steigenden Bewertungsmultiplikatoren profitiert. Barclays warnt, dass weitere Kursgewinne nun stark von tatsächlich gelieferten Ergebnissen abhängen. Sollten die Gewinnschätzungen ähnlich stark nach unten revidiert werden wie 2025 – insbesondere bei Verschärfung der Zollrisiken – wäre eine Fortsetzung der Rallye gefährdet.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob europäische Unternehmen die niedrigen Erwartungen übertreffen können und wie stark sich die Handelskonflikte auf die Geschäftsentwicklung auswirken.
