Zinsunsicherheit dämpft die Stimmung an der Wall Street
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Die Anleger an der Wall Street zeigen sich vor dem anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank bedeckt, ähnlich wie ihre europäischen Kollegen zuvor. Dies führt zu einer engen Handelsspanne und überschaubaren Schwankungen der großen Indizes. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem minimalen Anstieg von neun Punkten bei 33.573 Punkten, während die Nasdaq um gut 0,3 Prozent und der S&P-Index um 0,2 Prozent zulegten.
Die Unsicherheit hinsichtlich der Konjunkturperspektiven und des erwarteten Zinsentscheids der US-Notenbank Fed stehen derzeit im Mittelpunkt des Interesses der Anleger. Viele von ihnen halten ihre Positionen vor der Fed-Sitzung in der nächsten Woche und den bevorstehenden US-Inflationsdaten zurück. Experten rechnen mit einem leichten Rückgang der Inflation und vorerst unveränderten Leitzinsen.
Während die Aktienmärkte relativ stabil blieben, zeigte sich im Kryptosektor eine erhöhte Volatilität. Einen Tag nach der Klage gegen die Kryptobörse Binance zieht die US-Börsenaufsicht SEC nun auch Coinbase vor Gericht. Die SEC wirft Coinbase vor, eine nicht lizenzierte Handelsplattform zu betreiben, die Anleger vor Betrug und Manipulation nicht ausreichend schützt. Die Aktien von Coinbase stürzten um bis zu 20 Prozent ab. Auch die Kurse von Bitcoin und Ethereum reagierten mit starken Schwankungen.
Die Klagen gegen Kryptobörsen sind Teil der Bemühungen von SEC-Chef Gary Gensler, den bislang wenig regulierten Markt für Kryptowährungen stärker zu überwachen. Zahlreiche US-Staaten haben ebenfalls Klagen wegen angeblicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze eingereicht.
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Markt war die Vorstellung der lang erwarteten Datenbrille von Apple auf der Entwickler-Konferenz WWDC. Obwohl das Unternehmen das Produkt als "revolutionär" bezeichnete, reagierten die Anleger verhalten, und die Apple-Aktie verzeichnete nur einen leichten Tagesverlust von 0,21 Prozent.
Im Industriebereich sorgte die Nachricht über neue Produktionsprobleme bei Boeing für Unruhe. Die Auslieferungen des Langstreckenjets 787 verzögern sich aufgrund fehlerhafter Teile. Die Aktien von Boeing fielen daraufhin zunächst um fast vier Prozent, erholten sich jedoch zum Handelsschluss und verzeichneten einen Verlust von 0,71 Prozent.
In Europa bewegte sich der DAX in engen Bandbreiten und legte am Ende leicht zu. Die Marke von 16.000 Punkten blieb weiterhin im Fokus der Anleger. Der deutsche Leitindex schloss bei 15.992 Punkten mit einem moderaten Tagesgewinn von 0,18 Prozent. Vor den anstehenden Notenbankentscheidungen in den USA und der Eurozone in der kommenden Woche herrscht eine lethargische Stimmung an der Börse.
Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) werden nächste Woche über weitere Zinsschritte entscheiden. Die Anleger halten sich im Vorfeld zurück, da die Entscheidungen der Notenbanken maßgeblich von den Inflationsdaten abhängen. Während in den USA eine mögliche Zinspause spekuliert wird, deuten Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf weitere Leitzinserhöhungen hin.
In Deutschland belasten die rückläufigen Auftragseingänge der Industrie die Stimmung. Im April verzeichnete die deutsche Industrie erneut ein Auftragsminus von 0,4 Prozent. Ökonomen warnen vor einem erneuten Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte.
Der Euro gab leicht nach, nachdem er anfänglich moderate Gewinne verzeichnet hatte. Die EZB veröffentlichte eine Umfrage, die einen Rückgang der Inflationserwartungen der Verbraucher in der Eurozone zeigte. Die hohe Inflation der letzten Monate ist tendenziell rückläufig, betrug aber im Mai immer noch 6,1 Prozent.
Die Ölpreise verzeichneten leichte Verluste, obwohl Saudi-Arabien eine deutliche Förderkürzung angekündigt hatte. Die Sitzung des Ölverbunds OPEC+ hinterließ Spuren am Markt, da es Debatten über die Förderquoten der afrikanischen OPEC-Länder gab und die anderen OPEC-Länder keine zusätzlichen Produktionskürzungen beschlossen.
In Bezug auf Einzelwerte verfolgten die Anleger die Aktien von Merck, die aufgrund ihrer breiten Aufstellung gefragt waren. Das Unternehmen plant keine größeren Übernahmen im Pharmageschäft und setzt auf Diversifizierung. Dagegen verlor die Aktie von Zalando aufgrund einer negativen Analystenmeinung an Wert.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall bereitet weitere Panzerlieferungen in die Ukraine vor, während die Commerzbank mit dem Rückkauf eigener Aktien beginnt. Thyssenkrupp treibt den Verkauf seiner Marinetochter voran. Die Deutsche Börse nimmt Evotec, Krones, Software AG und Shop Apotheke Europe in den MDAX auf, während Aroundtown, United Internet, Siltronic und Adtran den Index verlassen müssen.
Insgesamt bleibt die Stimmung an den Märkten aufgrund der Unsicherheit über den Zinsentscheid und die Konjunkturperspektiven gedämpft. Die kommende Woche wird entscheidend sein, da sowohl die Fed als auch die EZB über weitere Zinsschritte entscheiden werden. Die Investoren warten gespannt auf die Inflationsdaten und reagieren entsprechend auf die jüngsten Entwicklungen in verschiedenen Branchen.
