ZF vor Umbau mit ungewissem Ausgang
Stellenabbau, Produktionsverlagerung, Partnersuche – Schweinfurt bangt um seine Zukunft

Die Situation beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen spitzt sich weiter zu. Im Werk Schweinfurt kursiert derzeit ein Flugblatt, das die Stimmung unter den Beschäftigten deutlich macht. Der örtliche Betriebsrat kritisiert darin offen die Unternehmensführung und sieht Hunderte Arbeitsplätze in Gefahr. Nachdem eine Sparmaßnahme ausgelaufen ist, wird ein weiterer Gehaltsverzicht abgelehnt. Der Betriebsratsvorsitzende spricht von mindestens 650 gefährdeten Stellen. Hintergrund ist die unklare Zukunft der Division E, in der zahlreiche Mitarbeiter des Standorts beschäftigt sind.
Im Zentrum der Überlegungen des ZF-Vorstands stehen mehrere Szenarien für die Division E, die auf Pkw-Antriebstechnologie spezialisiert ist. Darunter sind ein Carve-out, eine Partnerschaft mit externen Unternehmen, ein Verkauf oder sogar ein vollständiger Rückzug aus dem Geschäft. Als besonders heikel wird ein möglicher „Ramp down“ bewertet – ein schrittweises Auslaufen der Sparte. Zwar spricht ZF von möglichen Partnerschaften und einer positiven Perspektive, betont aber gleichzeitig die Notwendigkeit schmerzhafter Einschnitte, vor allem an deutschen Standorten.
Bei internen Workshops wurden Arbeitnehmervertreter über den Stand der Überlegungen informiert. Fragen blieben jedoch offenbar offen. In Schweinfurt ist inzwischen die Rede von einem möglichen Einstieg des Auftragsfertigers Foxconn, mit dem ZF bereits zusammenarbeitet. Eine Ausweitung dieser Kooperation könnte zu erheblichen Kosteneinsparungen führen – allerdings auf Kosten der heimischen Produktion.
Die wirtschaftliche Lage von ZF ist angespannt. 2024 verzeichnete das Unternehmen über eine Milliarde Euro Verlust, der operative Cashflow war negativ. Finanzvorstand Michael Frick sieht trotz Einsparungen keine Entspannung: Die rückläufige Autoproduktion vernichte einen Großteil der erreichten Sparziele. Frick kündigt weitere Maßnahmen an, sollte sich der Markt nicht erholen. Gleichzeitig betont er, dass das Unternehmen über ausreichend Liquidität verfüge – unter anderem durch eine neue Anleihe in Höhe von 1,25 Milliarden Euro.
Bereits 2024 hatte ZF angekündigt, bis 2028 rund 14.000 Stellen in Deutschland abzubauen. Über die Hälfte dieser Zielgröße ist inzwischen erreicht oder vertraglich geregelt. Trotzdem kursiert konzernintern eine Liste unprofitabler Werke, die potenziell zur Disposition stehen. Der europäische Markt, auf den ZF stark fokussiert ist, schwächelt weiter – was den Druck auf deutsche Standorte zusätzlich erhöht.
