ZF verhandelt über Zukunft der Antriebssparte
Personalabbau, Abfindungen und Standortfragen bestimmen die Gespräche vor dem Führungswechsel

Für den Autozulieferer ZF Friedrichshafen rückt eine Entscheidung über die Zukunft des zentralen Geschäftsbereichs „Division E“ näher. Die Antriebssparte stand zuletzt im Fokus intensiver Auseinandersetzungen zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern. Während der Vorstand eine mögliche Ausgliederung mit anschließender Partnerschaft ins Spiel brachte, befürchteten Beschäftigte den Abbau von Arbeitsplätzen und die Verlagerung von Produktionen ins Ausland. Besonders die Diskussion um eine mögliche Verlagerung von Getriebeproduktionen aus Saarbrücken nach Ungarn hatte für Unruhe gesorgt.
Am 29. Juli wurde im Umfeld einer Aufsichtsratssitzung das „Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung“ beschlossen. Dieses Eckpunktepapier eröffnete den Rahmen für neue Gespräche und setzte eine Frist bis Ende September, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Seither laufen intensive Verhandlungen, die nach Angaben von Beteiligten inzwischen auf eine mögliche Einigung hinauslaufen könnten. Erste Signale deuten darauf hin, dass die Division E im Unternehmen verbleiben könnte. Die Arbeitnehmerseite versucht dabei, möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.
Klar scheint jedoch bereits, dass ein Personalabbau unvermeidbar ist. Ein Abfindungsprogramm wird diskutiert und gilt als wahrscheinlich. Über die Höhe möglicher Abfindungen oder die genauen Konditionen ist noch nichts bekannt. ZF selbst wollte sich zu den laufenden Gesprächen nicht äußern. Finanziell sieht sich der Konzern gut aufgestellt: Zur Jahresmitte wurde ein Liquiditätsspielraum von rund acht Milliarden Euro angegeben, inklusive einer ungenutzten Kreditlinie über 3,5 Milliarden Euro. Hinzu kommt die jüngst platzierte Anleihe über 1,5 Milliarden Dollar, mit der ZF fällige Papiere bis 2026 vorfinanzieren konnte.
Eine besondere Rolle spielt der bevorstehende Führungswechsel. Ende September scheidet Holger Klein als Vorstandschef aus, sein Nachfolger Mathias Miedreich übernimmt am 1. Oktober. Er leitete bislang die Division E und hat sich zuletzt durch Besuche an allen wichtigen Standorten profiliert. Arbeitnehmervertreter erhoffen sich von ihm mehr Entscheidungskraft und eine direktere Kommunikation.
Miedreich sieht die künftige Ausrichtung des Unternehmens in vier Kernfragen: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Festlegung des Produktionsportfolios, Wahl der Fertigungsstandorte und die Reduzierung der Mitarbeiterzahl. Er stellte klar, dass die Produktionskapazitäten nicht mehr im Verhältnis zu den Stückzahlen stünden, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Einsparungen seien daher notwendig, entweder durch interne Restrukturierung oder durch Partnerschaften für einzelne Produktlinien wie Elektromotoren.
Der Aufsichtsrat hat die strategische Planung für die kommenden fünf Jahre bereits gebilligt. Auf dieser Grundlage soll eine umfassende Restrukturierung umgesetzt werden. Parallel dazu bleibt die Option offen, die gesamte Division E doch noch mit einem Partner zusammenzuführen.
