ZF streicht Tausende Jobs und senkt Arbeitszeit
Sanierungspaket umfasst Abfindungen, mögliche Kündigungen und Strategiewechsel bei Produktion

Der Umbau beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen nimmt konkrete Formen an. Nach monatelangen Gesprächen haben sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter auf ein Sanierungspaket geeinigt, das den Abbau tausender Stellen, verkürzte Arbeitszeiten und mögliche Kündigungen umfasst. Ziel ist es, den finanziell angeschlagenen Konzern wettbewerbsfähiger zu machen und auf sinkende Auftragszahlen zu reagieren.
Kernpunkt der Vereinbarung bleibt der bereits 2024 angekündigte Stellenabbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Besonders betroffen ist die Antriebssparte Division E, die überproportional viele Stellen streichen soll. Diese Sparte stand zuletzt stark in der Kritik, weil sie zahlreiche defizitäre Aufträge angenommen hatte. Grund dafür ist unter anderem, dass die Autohersteller deutlich weniger Elektrofahrzeuge produzieren als ursprünglich geplant. Der Personalüberhang soll nun konsequent abgebaut werden.
ZF setzt dabei auf ein umfassendes Abfindungsprogramm. Beschäftigte mit einem Wochenpensum von 35 Stunden sollen künftig nur noch 32,5 Stunden arbeiten. Diese Kürzung um mehr als sieben Prozent entspricht einer Gehaltseinsparung und wird in die rechnerische Reduzierung der Belegschaft einbezogen. Dennoch sind betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen gelten sie als letzte Option, falls andere Maßnahmen nicht ausreichen.
Standortschließungen sind derzeit nicht vorgesehen. Allerdings hat sich der Vorstand mit dem Vorhaben durchgesetzt, die Möglichkeit des Zukaufs von Produkten offenzuhalten, anstatt diese selbst herzustellen. Der Betriebsrat hatte sich gegen diesen Kurs gewandt, da er weitere Arbeitsplatzverluste befürchtet. Besonders der E-Motor am Standort Schweinfurt und Inverter-Komponenten in Auerbach stehen im Fokus möglicher Partnerschaften. Die Diskussionen darüber sind noch nicht abgeschlossen.
Die Einigung wurde auf Grundlage eines Eckpunktepapiers erzielt, das im Sommer vereinbart wurde. Dieses „Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung“ sollte bis Ende September zu einer gemeinsamen Lösung führen. Nach Einschätzung von Insidern ist das nun beschlossene Paket ein entscheidender Schritt, reicht allein jedoch nicht aus, um die Zukunft von ZF langfristig zu sichern. Zusätzliche Maßnahmen, etwa Gespräche mit Kunden und Lieferanten, sollen folgen, um auf die angespannte finanzielle Lage und mögliche Umsatzeinbrüche reagieren zu können.
Für den künftigen Vorstandschef Mathias Miedreich, der zum 1. Oktober die Leitung übernimmt, ist die Einigung ein zentraler Startpunkt. Er machte deutlich, dass ZF die Sanierung aus eigener Kraft vorantreiben müsse, um für potenzielle Partner attraktiv zu werden. Miedreich folgt auf Holger Klein, der nach wachsender Kritik der Belegschaft seinen Posten räumt. Seine mangelnde Kommunikation und fehlende Entscheidungen hatten zuletzt das Vertrauen der Arbeitnehmer erschüttert.
