ANZEIGE

ZF senkt Arbeitszeit und spart massiv Kosten

Konzern prüft Streichung von Sonderzahlungen und kämpft mit hohen Schulden sowie US-Zöllen

2 Min
 ZF senkt Arbeitszeit und spart massiv Kosten

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen arbeitet mit Hochdruck an einer Verschärfung seines Sparprogramms. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen fordert das Management derzeit von den Betriebsräten, die Arbeitszeit von Tausenden Beschäftigten in Deutschland zu reduzieren. Der Gesamtbetriebsrat soll dieses Vorhaben zwar zurückgewiesen haben, wollte sich jedoch nicht öffentlich äußern. ZF selbst erklärt, man befinde sich in Gesprächen mit der Arbeitnehmerseite über mögliche Flexibilisierungen, wolle jedoch erst zu gegebener Zeit über Entscheidungen informieren.

Bereits seit dem 1. Dezember 2024 arbeiten rund 5499 Beschäftigte am Standort Schweinfurt in reduziertem Umfang. Dort wurde die Wochenarbeitszeit für Vollzeitkräfte von 35 auf 32,5 Stunden gesenkt, was laut Berechnungen etwa 300 Vollzeitstellen einspart. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 30. Juni 2025. Eine Verlängerung wird derzeit zwischen den Betriebsparteien diskutiert.

Im Sommer 2024 hatte das Unternehmen angekündigt, bis zum Jahr 2028 in Deutschland bis zu 14.000 Stellen abzubauen. Zum Jahreswechsel 2024/25 waren davon erst 2420 Stellen tatsächlich betroffen. Durch weitere Arbeitszeitreduzierungen erhofft sich ZF kurzfristige Einsparungen, ohne auf einen sofortigen Stellenabbau zurückgreifen zu müssen. Im Jahr 2024 konnte die Personalkapazität in Deutschland bereits um rund 4000 Vollzeitstellen gesenkt werden, teils durch tatsächliche Abgänge, teils durch kollektive Arbeitszeitverkürzungen.

Zusätzlich prüft das Unternehmen, bestimmte freiwillige Leistungen zu streichen. Dazu zählt etwa das sogenannte Transformationsgeld, eine Sonderzahlung von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts, die seit 2021 jährlich gewährt wurde. Diese Zahlung könnte 2025 entfallen, da sie an die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gekoppelt ist. Sollte die Nettoumsatzrendite unter 2,3 Prozent liegen, wäre ein Wegfall möglich. Ob dies tatsächlich erfolgt, wird aktuell mit der Arbeitnehmervertretung beraten.

Die wirtschaftliche Lage von ZF ist angespannt. Im Jahr 2024 schrieb das Unternehmen über eine Milliarde Euro Verlust. Die Nettoverschuldung stieg auf 10,5 Milliarden Euro. Infolge dessen musste ZF mit seinen Kreditgebern neue Bedingungen für die Einhaltung des Financial Covenant aushandeln. Die zulässige Grenze für das Verhältnis von Nettoschulden zu bereinigtem Ebitda wurde vorübergehend von 3,25 auf 4,0 angehoben.

Zusätzlich erschwert die derzeitige US-Zollpolitik die Situation. Nordamerika stellt für ZF einen wichtigen Markt dar, mit einem Umsatz von über elf Milliarden Euro im Jahr 2024. Das Unternehmen beschäftigt dort mehr als 25.000 Mitarbeitende. Derzeit analysieren interne Taskforces die potenziellen Auswirkungen der neuen Zölle auf das Geschäft. Konkrete Aussagen sind jedoch aufgrund der dynamischen Lage noch nicht möglich.

ZF FriedrichshafenStellenabbauFinanzkrise

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer