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Zentralbank senkt Leitzins weniger als erwartet

Hohe Kreditzinsen, schwaches Wachstum und Kriegsfolgen belasten russische Wirtschaft

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Zentralbank senkt Leitzins weniger als erwartet

Die russische Zentralbank hat ihren Leitzins zwar gesenkt, jedoch deutlich weniger stark als von vielen Marktbeobachtern erwartet. Der Zinssatz wurde von 18 auf 17 Prozent zurückgenommen. Ökonomen hatten im Vorfeld mit einer stärkeren Lockerung gerechnet und eine Absenkung auf 16 Prozent prognostiziert. Die Zentralbank machte deutlich, dass weitere Schritte von der Entwicklung der Inflation abhängen. Diese war im August nach offiziellen Angaben leicht auf 8,14 Prozent gefallen, nachdem sie im Juli noch bei 8,79 Prozent gelegen hatte. Langfristig strebt die Bank eine Rückkehr zur Zielmarke von rund vier Prozent an.

Unternehmen hatten im Vorfeld die hohen Finanzierungskosten kritisiert. Vertreter der Wirtschaft warnten, dass Investitionen bei dem aktuellen Zinsniveau kaum noch lohnend seien. Auch prominente Stimmen aus der Finanzbranche äußerten sich besorgt. Sberbank-Chef German Gref sprach von einem möglichen Abrutschen in eine Rezession, sollte die Geldpolitik nicht deutlich gelockert werden. Finanzminister Anton Siluanow erklärte, dass eine Ausweitung der Schulden denkbar sei, diese aber in einem vertretbaren Rahmen erfolgen solle.

Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich spürbar. Analysten von Commerzbank Research stellten fest, dass Unternehmenskredite so langsam wachsen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auch die private Kreditaufnahme stagniert weitgehend. Parallel dazu hat das Bruttoinlandsprodukt an Dynamik eingebüßt. Im Juli stieg es im Jahresvergleich nur noch um 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal hatte das Plus noch 1,1 Prozent betragen, im ersten Quartal 1,4 Prozent. Das Finanzministerium reagierte mit einer Korrektur seiner Wachstumsprognose für 2025 von zuvor 2,5 Prozent auf 1,5 Prozent. Zahlreiche Analysten halten sogar ein noch schwächeres Wachstum für wahrscheinlich.

Zusätzlich belastet der Krieg gegen die Ukraine die Wirtschaft erheblich. Seit der Invasion vor dreieinhalb Jahren hat Präsident Wladimir Putin das Land auf eine Kriegswirtschaft umgestellt. Während Rüstungsbetriebe profitieren, kämpfen viele andere Unternehmen mit steigenden Kosten. Die Mobilisierungskampagne hat zu einem spürbaren Fachkräftemangel geführt. Firmen müssen höhere Löhne zahlen, um Arbeitskräfte zu binden oder neue zu gewinnen. Diese Kosten werden oftmals an die Kunden weitergegeben.

Die Kombination aus steigenden Personalkosten, hohen Kreditzinsen und der Belastung durch Sanktionen verschärft die wirtschaftliche Schwäche. Der Rubel hat an Wert verloren, was zusätzlich Druck auf Unternehmen und Verbraucher ausübt. Die Zentralbank betonte, dass sie die Geldpolitik so straff wie nötig halten werde, um die Inflation mittelfristig auf das Zielniveau zurückzuführen. Dabei verwiesen die Währungshüter auf 2026 als den Zeitpunkt, zu dem eine Rückkehr zur angestrebten Marke von vier Prozent möglich sein könnte.

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