Zentralbank in Türkei senkt Inflationsziele
Notenbank peilt bis 2027 deutlichen Rückgang der Teuerung bei gleichzeitig sinkenden Zinsen an

Die türkische Zentralbank hat ihre Inflationsziele nach unten korrigiert und damit ein Signal für einen langfristigen Kurs der Preisstabilisierung gesetzt. Für das Jahresende 2025 rechnet die Notenbank nun mit einer Teuerungsrate von 24 Prozent, nachdem zuvor noch bis zu 29 Prozent erwartet worden waren. Bis Ende 2026 soll die Inflation auf 16 Prozent sinken, statt wie bislang auf 19 Prozent. Notenbankchef Fatih Karahan erklärte in Istanbul, dass die neuen Werte als verbindlicher Rahmen dienen und lediglich bei außergewöhnlichen Umständen angepasst würden.
Die Entscheidung folgt einer Phase kräftiger Zinserhöhungen, mit denen die Währungshüter zuvor auf die massive Teuerung reagiert hatten. Im Mai 2024 hatte die Inflation mit 75 Prozent einen Höchststand erreicht. Seither ist ein Abwärtstrend zu beobachten. Im Juli 2025 lag die Rate bei 33,52 Prozent. Parallel dazu hatte die Zentralbank im vergangenen Monat den Leitzins von 46 auf 43 Prozent gesenkt und damit den begonnenen Lockerungszyklus fortgeführt. Die jüngste Anpassung blieb am Devisenmarkt weitgehend ohne Folgen. Die Lira notierte nach der Bekanntgabe der Ziele stabil bei 40,79 zum Dollar.
Auch für die kommenden Jahre steckt die Notenbank klare Marken ab. Für 2027 ist eine Inflationsrate von neun Prozent vorgesehen, mittelfristig soll sich das Niveau bei fünf Prozent einpendeln. Diese Zielmarke gilt als Referenzwert, um das Vertrauen in die Geldpolitik zu stärken und den Rahmen für wirtschaftliche Planungen zu schaffen.
Die Zinsentscheidungen der vergangenen Monate waren allerdings nicht frei von politischen Einflüssen. Im April hatte die Zentralbank den Leitzins auf 46 Prozent angehoben, nachdem sie zuvor seit Dezember 2024 schrittweise gelockert hatte. Hintergrund dieser Kehrtwende waren Turbulenzen an den Finanzmärkten nach der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu, der als wichtigster Oppositionspolitiker und Rivale von Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt. Erst im Juli kehrte die Bank auf ihren Kurs der Zinssenkungen zurück.
Analysten der US-Bank Morgan Stanley erwarten, dass dieser Kurs auch in den kommenden Monaten fortgesetzt wird. Demnach könnte der Leitzins bis Ende des Jahres auf 36 Prozent sinken. Für Unternehmen würde dies günstigere Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen und Investitionen erleichtern. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Wirtschaft neue Impulse erhält, während zugleich die Inflation schrittweise zurückgeht.
Währungspolitisch wirkt die Kombination aus Zinssenkungen und Inflationszielen zweifach. Auf der einen Seite können sinkende Zinsen die Nachfrage ankurbeln, was Wachstum begünstigt. Auf der anderen Seite bleibt das Risiko höherer Preissteigerungen bestehen, sollte die Entwicklung nicht wie geplant verlaufen. Die Notenbank setzt daher auf klare Zielmarken, um Vertrauen zu schaffen und die Märkte zu stabilisieren.
