Zalando steigert Gewinn und investiert in KI
Starkes Quartalswachstum, neue Partnerschaften und Führungswechsel beim Modehändler

Dank einer robusten Nachfrage bei Sportbekleidung hat Zalando das Wachstum im zweiten Quartal beschleunigt. Niedrigere Lagerbestände und geringere Logistikkosten hatten sich positiv auf die Ertragskraft ausgewirkt, teilte Europas größter Onlinemodehändler mit. Der Konzernumsatz stieg um 3,4 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Dank einer um 0,8 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent verbesserten Marge liegt der bereinigte operative Gewinn bei 171,6 Millionen Euro und damit rund ein Fünftel höher als im Vorjahresquartal. Unterm Strich stieg der Nettogewinn im Vergleichszeitraum um fast 70 Prozent auf knapp 96 Millionen Euro.
Wie viele in der Modebranche kämpft Zalando mit Inflation, Kaufzurückhaltung und chinesischer Konkurrenz. Im ersten Quartal 2024 war der Umsatz noch um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,24 Milliarden Euro gesunken. Das makroökonomische Umfeld sei allerdings immer noch herausfordernd, sagte Co-CEO Robert Gentz. Aber auch das werde sich normalisieren. Laut EHI Retail Institute erreichte der E-Commerce-Handel mit Mode (ohne Schuhe) im ersten Quartal 2024 einen Rückgang von minus 1,2 Prozent. Im zweiten Quartal habe es im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Plus von 2,7 Prozent gegeben. Damit wuchs Zalando stärker als der Markt, wie auch Volker Bosse, Analyst der Baader Bank, in einer ersten Analyse schreibt.
Co-Vorstandschef Robert Gentz unterstrich im Gespräch, dass Zalando noch große Wachstumschancen im B2C- und B2B-Bereich habe. Daher investiere Zalando in diese beiden Felder. Langfristig wolle Zalando etwa 15 Prozent des europäischen Modemarktes bedienen, der insgesamt ein Volumen von 450 Milliarden Euro umfasst. Umgerechnet wären das mehr als 67 Milliarden Euro. Aktuell steht Zalandos Umsatz für weniger als drei Prozent des Marktes. An den Zielen für das Gesamtjahr hält Zalando fest: Das bereinigte Betriebsergebnis soll in diesem Jahr auf 380 bis 450 Millionen Euro zulegen.
Zalando konnte darüber hinaus die Zahl der Kunden wieder steigern – um 300.000 auf 49,8 Millionen. Sie war in den vergangenen drei Quartalen jeweils leicht zurückgegangen. Auch der durchschnittliche Bestellwert stieg von 58 auf fast 61 Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen hatte Zalando weitere News zu verkünden. Beim Thema KI richtet der Modehändler den Blick in die USA, beim Thema Kundenbindung nach China. Zalando wird seine Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen OpenAI, das ChatGPT entwickelt hat, intensivieren. Man wolle künftig gemeinsam KI-Lösungen für die Modebranche entwickeln.
Zalando plant, mit einem eigenen Technologiezentrum mit rund 100 Mitarbeitenden in Shenzhen die Expertise im Social Commerce zu nutzen. China gilt seit Jahren als wichtigster Markt für Innovationen im E-Commerce. Bislang hatte Zalando dort noch keinen eigenen Standort. Die chinesischen Konkurrenten Shein und Temu sind auf Zalandos Heimatmarkt aktiv und stellen die derzeit am meisten heruntergeladenen Apps bereit. Auch wenn Zalando in einem höheren Preissegment aktiv ist, haben die chinesischen Konkurrenten die Art des Einkaufens nachhaltig verändert.
Mit Wirkung zum 1. September wird Personalvorständin Astrid Arndt ihren Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängern, und sie soll künftig darüber hinaus „die zentralen Unternehmensfunktionen stärken“. Dagegen wird Finanzvorständin Sandra Dembeck nach nur einer Amtszeit Zalando Ende Februar 2025 auf eigenen Wunsch verlassen. Sie wolle „eine neue berufliche Herausforderung annehmen“. Für Dembeck werde eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gesucht. Ansonsten sei das Vorstandsteam nun bis 2027 komplett.
Wie bereits bekannt wurde, wird Co-CEO Gentz sich um das B2C-Geschäft kümmern, sein Mitgründer David Schneider als einfaches Vorstandsmitglied um die Markenpartner, und der bisherige operative Chef David Schröder wird ab September den Posten des Co-CEO übernehmen und den kleineren Geschäftsbereich B2B verantworten. Das B2B-Geschäft ist profitabel. Der Umsatz des B2B-Geschäfts legte im zweiten Quartal um mehr als zehn Prozent auf knapp 234 Millionen Euro zu. Das bereinigte Ebit fiel von 15,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 7,1 Millionen Euro. Der Rückgang sei hauptsächlich auf vorgezogene Investitionen zurückzuführen.
Seit 2017 übernimmt Zalando mit Fulfillment Solutions (ZFS) die Logistik für Partner auf der Plattform. Rund 1000 von 6000 Marken nutzen dieses Angebot. Unter dem Namen Zeos bietet Zalando diese Dienste auch außerhalb der Plattform an. Klar ist aber auch: Das Geschäft wächst nicht schnell. Das B2C-Geschäft soll Wachstumstreiber bleiben. Gentz zeigte sich überzeugt, dass der Anteil des E-Commerce am Modehandel weiter steigen wird. Zweitens will Zalando künftig nicht nur auf Mode, sondern auch auf weitere Lifestyleprodukte wie Accessoires und Sport- und Beautyartikel setzen. Drittens sollen Kunden durch mehr Videos unterhalten werden. Der Aktienkurs des DAX-Konzerns Zalando lag am Dienstag im Handelsverlauf rund ein Prozent im Plus.
