World Gold Council fordert Transparenz bei Goldraffinerie-Partnerschaften
Der WGC verpflichtet Bergbauunternehmen zur jährlichen Offenlegung ihrer Raffineriepartner, um illegale Goldströme besser aufzudecken.

Der World Gold Council (WGC) hat neue Leitlinien zur Lieferkettentransparenz verabschiedet, die Goldminenbetreiber dazu anhalten, ihre Raffineriepartner öffentlich zu benennen. Ziel ist es, legitime Goldströme leichter von illegalem Handel unterscheidbar zu machen. Der in London ansässige Rat hat damit einen Offenlegungsrahmen formalisiert, der auf einer Mitgliederverpflichtung aus dem September 2023 aufbaut.
Konkret sollen Unternehmen, die sogenanntes Doré-Gold produzieren – teilweise raffinierte Gold- und Silberbarren, die direkt an Minenstandorten gegossen werden – eine jährliche Liste veröffentlichen. Diese Liste verknüpft jede Mine mit ihren Raffineriepartnern und deren jeweiligen Ländern. „Dies gibt Downstream-Partnern, Investoren, Regulierungsbehörden und anderen Stakeholdern mehr Vertrauen in die Integrität des Marktes und erschwert es gleichzeitig, undurchsichtige oder unverantwortliche Praktiken hinter Komplexität zu verbergen", schrieb Vivien Glass, Leiterin für Lieferkettenintegrität beim WGC, anlässlich der Verabschiedung der Leitlinien durch den Vorstand.
Die Details
Die neuen Leitlinien legen ein gemeinsames Berichtsformat fest. Die jährliche Offenlegung soll jede Mine, ihren Bundesstaat und ihr Land, die das Doré-Gold empfangende Raffinerie sowie das Land der Raffinerie identifizieren. Nutzt eine Mine mehr als eine Raffinerie, muss jeder Empfänger einzeln aufgeführt werden. Auch Unternehmen, die Lohnveredelung – sogenanntes Toll Processing – nutzen, müssen die Mine-Raffinerie-Beziehung offenlegen, sofern sie bis zum Export die rechtliche Verfügungsgewalt über das Gold behalten.
Unternehmen können die Informationen in Jahres- oder Nachhaltigkeitsberichte oder eine gleichwertige Veröffentlichung aufnehmen. Die Leitlinien empfehlen eine jährliche Offenlegung für die vorangegangenen 12 Monate, legen jedoch kein erstes Berichtsjahr und keine konkrete Veröffentlichungsfrist fest. Sanktionen für eine unterlassene Offenlegung sind ebenfalls nicht vorgesehen.
Bestimmte Informationen bleiben ausdrücklich ausgenommen: Angaben zu Versandgewichten sind nicht erforderlich. Transportunternehmen, Routen, Händler und Exporteure können ebenso wie andere sensible kommerzielle Details oder sicherheitsrelevante Informationen ungenannt bleiben. Zudem schließen die Leitlinien Gold aus, das als Konzentrat, Aktivkohle-Feinstoffe oder minderwertiges Kehrichtgold versandt wird, da diese Materialien in der Regel nicht direkt in eine Raffinerie gelangen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Dringlichkeit des Themas ist nicht neu. Bereits am 27. April 2026 berichtete aktien.news über eine Untersuchung der New York Times, die Teile der Goldvorräte der US Mint mit kolumbianischen kriminellen Netzwerken in Verbindung brachte. Die Recherche zeigte, wie illegal abgebautes Gold aus Kolumbien über Zwischenhändler gewaschen und mit scheinbar rechtmäßigen Papieren exportiert wird, bevor es in globale Lieferketten gelangt. Im vorliegenden Quelltext wird ergänzt, dass die Royal Canadian Mint im April versprach, ihre Offenlegung der Bezugsquellen auszuweiten, nachdem die Zeitung festgestellt hatte, dass ein Teil des von ihr raffinierten Goldes aus Minen stammen könnte, die von kolumbianischen Kartellen kontrolliert werden. Die Münzanstalt gab an, die Raffinierung von Material aus der betreffenden Lieferkette eingestellt zu haben.
Am 22. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass der WGC und die Regierung von Ghana eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, um den handwerklichen und kleingewerblichen Goldbergbau zu formalisieren und illegale Goldströme zu bekämpfen. Am 11. August 2026 folgte eine weitere Partnerschaft: Der WGC und der TSX-notierte Golderzverarbeiter Dynacor unterzeichneten ebenfalls ein Memorandum of Understanding zur Formalisierung des Sektors für handwerklichen Bergbau. Am 22. September 2026 berichtete aktien.news zudem über die Rand Refinery, die als eine der bedeutendsten Goldraffinerieen Afrikas ihre Strategie ändert und nun auch informell abgebautes Gold erschließen will.
Jüngst sorgte ein weiterer Fall für Aufsehen: Venezolanisches Doré-Gold, das im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem Rohstoffhändler Trafigura und dem staatlichen Bergbauunternehmen Minerven in die USA verschifft wurde, blieb im Lager, da Raffinerien nicht bereit waren, es zu verarbeiten. Trafigura bestritt die Darstellung in mehreren Punkten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Goldminenaktien oder physisches Gold investieren, schafft der neue Rahmen des WGC mehr Klarheit über die Herkunft des Metalls. Allerdings ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Offenlegungen allein belegen nicht, dass das Gold aus verantwortungsvollen Quellen stammt. Der Rahmen macht lediglich die Beziehungen zwischen Minen und Raffinerien öffentlich sichtbar – der Unterschied zwischen der Identifizierung der Quelle eines Metalls und dem Nachweis, dass damit keine kriminellen Aktivitäten finanziert wurden, bleibt bestehen.
Für Investoren, die auf ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) achten, ist die Entwicklung dennoch relevant: Unternehmen, die die Leitlinien umsetzen, signalisieren eine höhere Bereitschaft zur Transparenz. Der Druck auf die gesamte Branche wächst zudem von mehreren Seiten – auch die London Bullion Market Association (LBMA) steht unter Beobachtung.
Ausblick
Der Druck für umfassendere Transparenz erstreckt sich auch auf die Raffinerien selbst. In einer Eingabe vom 22. September 2025 zu den vorgeschlagenen Offenlegungsänderungen der LBMA forderte Human Rights Watch die Vereinigung auf, von den Raffinerien zu verlangen, alle Herkunftsminen und Lieferanten zu identifizieren – einschließlich derer, die nicht Mitglied des WGC sind, sowie Lieferanten von Recyclinggold. Öffentliche Informationen über Lieferanten können betroffenen Gemeinschaften, Investoren und anderen Stakeholdern helfen, zu reagieren, wenn Missbräuche auftreten, so die Menschenrechtsorganisation.
Die Verpflichtung aus dem Jahr 2023 umfasste 33 Mitglieder mit aktiven Minen, die zusammen jährlich etwa 1.300 Tonnen Gold produzierten. Diese Mitglieder sagten damals zu, der Plattform „Gold Bar Integrity" beizutreten und ihren Raffineriepartnern vertraulich Produktionsdaten zur Verfügung zu stellen. Wann die ersten Offenlegungen nach dem neuen Format erwartet werden, ließ der Rat offen – ein Sprecher antwortete auf eine entsprechende Anfrage nicht.
Kurz erklärt
- Doré-Gold: Teilweise raffinierte Barren aus Gold und Silber, die direkt an Minenstandorten gegossen und anschließend zur Endraffinierung weitergeleitet werden.
- Toll Processing (Lohnveredelung): Ein Verfahren, bei dem ein Unternehmen sein Rohmaterial von einem Dritten verarbeiten lässt, aber rechtlicher Eigentümer des Materials bleibt.
- LBMA (London Bullion Market Association): Die internationale Branchenorganisation für den Londoner Goldmarkt, die unter anderem Standards für Goldraffinerien festlegt.
