Widerstand gegen Stellenabbau bei Bosch wächst
Arbeitnehmervertreter kritisieren Kulturbruch und fordern langfristige Zukunftsstrategien

Die Arbeitnehmervertretung von Bosch kritisiert die Pläne des Unternehmens, 5500 Stellen in der Mobilitätssparte abzubauen, scharf. Gesamtbetriebsratschef Frank Sell forderte die Geschäftsführung auf, die sogenannten „Salamitaktiken“ beim Personalabbau zu beenden und stattdessen zentrale Verhandlungen für ein langfristiges Zukunftskonzept aufzunehmen. Sell beschrieb die derzeitige Situation der Mitarbeitenden als kaum tragbar und sprach von einer „Perspektivlosigkeit, die kaum noch zu überbieten ist“. Ob es 2025 zu Arbeitsniederlegungen kommen könnte, ließ er offen.
Die Ankündigung des Stellenabbaus erfolgte vor drei Wochen durch Bosch-Chef Stefan Hartung. Damit steigt die Zahl der im vergangenen Jahr angekündigten Streichungen auf über 12.000 Arbeitsplätze, wobei der Großteil der betroffenen Stellen in Deutschland liegt. Erstmals äußerten sich die Arbeitnehmervertreter nun öffentlich zu den Plänen und bezeichneten diese als einen Bruch mit der bisherigen Unternehmenskultur. Die IG-Metall-Geschäftsführerin Liane Papaioannou warnte das Unternehmen vor dem Widerstand der Belegschaft und betonte, dass Streiks, die bei Bosch bisher selten waren, eine mögliche Reaktion sein könnten.
Besonders betroffen ist die Softwareeinheit Cross-Domain Computing Solutions, in der Bosch Technologien für automatisiertes Fahren entwickelt. Hier sollen bis 2027 insgesamt 3500 Stellen wegfallen, davon die Hälfte in Deutschland. Trotz der Kürzungen betont das Unternehmen, dass dies nicht als Abkehr von der Zukunftstechnologie verstanden werden solle. Stattdessen führt Bosch die Maßnahmen auf Überkapazitäten zurück, da Autohersteller zunehmend Projekte für hochautomatisiertes Fahren zurückstellen. Die Einheit beschäftigt derzeit etwa 20.000 Mitarbeitende, von denen etwa jeder Fünfte betroffen ist.
Auch andere Bereiche des Unternehmens sind vom Stellenabbau betroffen. Im klassischen Automobilbereich, beispielsweise im Werk Schwäbisch Gmünd, sollen bis 2032 rund 1300 Arbeitsplätze entfallen. Im Werk Hildesheim, das Komponenten für die Elektromobilität fertigt, werden bis Ende 2026 rund 600 Stellen gestrichen. Insgesamt sollen dort 750 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Die Situation bei Bosch steht nicht isoliert da. Auch andere deutsche Automobilzulieferer wie ZF, Continental und Schaeffler haben in diesem Jahr umfassende Stellenstreichungen angekündigt. Zudem sieht sich Volkswagen, der größte Auftraggeber der Branche, mit heftigen Auseinandersetzungen um geplante Werksschließungen konfrontiert.
