Westen schließt Russland vom SWIFT-System aus
Schwerste Finanzsanktionen seit Jahrzehnten sollen Rubel schwächen und Moskau wirtschaftlich isolieren

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die Europäische Union und Kanada haben beschlossen, Russland vom internationalen Zahlungssystem SWIFT auszuschließen. Dieser Schritt ist Teil einer neuen Sanktionsrunde gegen Moskau und zielt darauf ab, den finanziellen Handlungsspielraum der russischen Regierung weiter einzuschränken, während der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert. Zusätzlich zu dieser Maßnahme werden Beschränkungen für die russische Zentralbank eingeführt, um deren Fähigkeit zu begrenzen, den Rubel zu stützen.
Experten werten die Entscheidung als eine der schwerwiegendsten wirtschaftlichen Sanktionen der letzten Jahrzehnte. Mohamed El-Erian von Allianz erklärte, dass ein umfassender Ausschluss Russlands aus SWIFT die Wirtschaft des Landes lähmen könne. Er warnte jedoch auch vor weltweiten Rückwirkungen, etwa einer Zunahme der Stagflation und möglichen Zahlungsausfällen russischer Schuldner gegenüber westlichen Unternehmen. Michael Rosen von Angeles Investment Advisors sprach von einem „nuklearen“ Schritt, der aber möglicherweise zu spät komme, da Europa lange von russischer Energie abhängig gewesen sei.
Marktstrategen rechnen mit erheblichen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Tom Martin von Globalt Investments erwartet erhöhte Volatilität und eine Flucht in sichere Anlagen wie Gold oder US-Staatsanleihen. Karl Schamotta von Corpay prognostiziert einen drastischen Rubelverfall, da Investoren russische Vermögenswerte in großem Stil abstoßen dürften. Auch der frühere stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, Sergey Aleksashenko, sprach von einer bevorstehenden „Katastrophe“ auf dem russischen Devisenmarkt und einem möglichen Handelsstopp.
Ross Delston, ehemaliger US-Bankenregulator, bezeichnete die Maßnahme als „nahezu einer Kriegserklärung gleichkommend“ – zumindest aus finanzieller Sicht. Analysten wie Clay Lowery vom Institute of International Finance sehen erhebliche Folgen für den globalen Handel. Die Sanktionen gegen Russlands Zentralbank erschwerten insbesondere Energieexporte, was zu steigenden Rohstoffpreisen führen könne.
Marktbeobachter befürchten zudem mögliche Cyberangriffe als Reaktion Moskaus. Phil Orlando von Federated Hermes hält es für wahrscheinlich, dass Russland auf wirtschaftlichen Druck mit Cyberaktivitäten gegen westliche Institutionen reagiert. Trotz kurzfristiger Risiken sehen einige Experten in dem Schritt langfristig die Chance, Russland zu einer diplomatischen Lösung zu bewegen.
