Weniger Deutsche reisen in die USA
Rückgang bei Urlaubsflügen, Zuwachs bei US-Geschäftsreisen und mehr Gäste aus Übersee in Deutschland

Die Zahl deutscher Touristen, die in die USA reisen, ist deutlich rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Minus bei fast 19 Prozent. Insgesamt fehlen den US-Einreisezahlen rund 100.000 Reisende aus Europa, was einem Rückgang von etwa zwei Prozent entspricht. Besonders betroffen ist der deutsche Markt, obwohl in Ländern mit engen Verbindungen wie Italien oder Irland die Zahlen relativ stabil bleiben. Der Einbruch bei deutschen und französischen Urlaubern wirkt sich spürbar auf das Passagieraufkommen an europäischen Flughäfen aus – insbesondere auf Drehkreuze wie Heathrow, wo zuletzt sogar eine Gewinnwarnung ausgesprochen wurde.
Die wirtschaftliche Unsicherheit infolge der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump gilt als Hauptursache. Bereits während der ersten Amtszeit des Präsidenten war ein Rückgang der Einreisen zu beobachten, der sich nach einem kurzen Zwischenhoch erneut fortsetzt. Die meisten Urlauber planen ihre USA-Reisen Monate im Voraus, sodass sich der tatsächliche Rückgang erst mit Blick auf die Herbstbuchungen zeigen wird. Stornierungen sind meist mit hohen Kosten verbunden, was die Zahl kurzfristiger Reaktionen begrenzt.
Derweil bleibt der Geschäftsreiseverkehr ein stabilisierender Faktor. Im Mai reisten mehr Personen mit beruflichen Einreisepapieren in die USA ein. Unternehmen passen sich den geänderten Einreisebedingungen an, indem sie Mitarbeiter gezielter vorbereiten oder vom elektronischen ESTA-Verfahren auf reguläre Visa umsteigen. Dies wird von Branchenvertretern als strategische Maßnahme gesehen, um reibungslosen Zugang zum US-Markt zu sichern.
Trotz der rückläufigen Zahlen zeigt sich die Lufthansa-Gruppe optimistisch. Die Flüge über den Nordatlantik gelten nach wie vor als wirtschaftliches Rückgrat. Zwar bleiben die Ticketpreise hinter den Erwartungen zurück, doch vor allem Reisende aus den USA sichern derzeit die Auslastung. Sie buchen nicht nur mehr, sondern zahlen auch höhere Preise als europäische Kunden.
In Deutschland profitiert die Tourismusbranche von dieser Entwicklung. Die USA rangieren mittlerweile auf Platz drei der wichtigsten Herkunftsländer bei den Einreisen. Hoteliers berichten, dass amerikanische Gäste länger bleiben und im Schnitt höhere Ausgaben tätigen. Neben höheren Zimmerkategorien investieren sie vermehrt in Zusatzleistungen wie Verpflegung oder Wellness. Das hilft der Branche, die traditionell unter vergleichsweise niedrigen Einnahmen leidet.
