Wells Fargo beendet Zusammenarbeit mit Stimmrechtsberater ISS – Branche unter Druck
Die US-Großbank setzt künftig auf interne Lösungen für Aktionärsabstimmungen und distanziert sich von externen Beratern.

Wells Fargo hat die Zusammenarbeit mit dem Stimmrechtsberater Institutional Shareholder Services (ISS) beendet. Die Vermögens- und Investmentmanagement-Sparte der US-Großbank wird künftig Abstimmungsentscheidungen über Aktionärsanträge ohne externe Berater treffen. Stattdessen setzt das Institut auf ein neues internes System, das vom Technologieanbieter Broadridge Financial Solutions unterstützt wird.
Die Entscheidung markiert einen bedeutenden Wandel in der Branche. Wells Fargo begründet den Schritt mit dem Ziel, "diesem wichtigen Investment-Service eine erhöhte Unabhängigkeit zu verleihen". Die Abstimmungen werden künftig durch kundenspezifische Richtlinien und Abstimmungsanweisungen der Bank bestimmt.
ISS und sein größter Konkurrent Glass Lewis dominieren seit Jahren das Geschäft mit Stimmrechtsberatung. Sie versorgen Investmentfirmen, die als Halter verschiedener öffentlicher Aktien jährlich Tausende von Stimmrechtsvollmachten abgeben müssen, mit Research, Beratung und Abstimmungsinfrastruktur. Ihre Marktmacht macht sie zu einflussreichen Akteuren bei Unternehmensentscheidungen.
Kritik an Stimmrechtsberatern wächst
Die Empfehlungen der Stimmrechtsberater haben jedoch zunehmend Unmut erregt. Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsräte kritisieren die Berater besonders bei kontroversen Themen wie Vorstandsvergütung, Offenlegung von Klimadaten und Mitarbeiterdiversität. Die Beschwerden fanden Gehör in der Trump-Regierung.
Im Dezember erließ Präsident Trump eine Durchführungsverordnung, die Wertpapier- und Kartellrechtsbehörden auffordert, die Stimmrechtsberater zu untersuchen. Dies erhöht den Druck auf eine Branche, die lange Zeit weitgehend unreguliert agierte. Die politische Dimension verschärft die ohnehin angespannte Situation für ISS und Glass Lewis.
Investmentfirmen setzen auf Eigenständigkeit
Große Investmentfirmen reagieren auf die Turbulenzen mit verstärkten Investitionen in interne Kapazitäten. Sie bauen eigene Teams auf, entwickeln firmeneigene Richtlinien und implementieren neue Plattformen für die Abstimmung von Aktien. Der Schritt von Wells Fargo könnte weitere Vermögensverwalter ermutigen, ähnliche Wege zu gehen.
Die Entwicklung stellt die Geschäftsmodelle von ISS und Glass Lewis grundsätzlich infrage. Verlieren sie weitere Großkunden, könnte dies ihre Marktposition nachhaltig schwächen. Für die Finanzbranche bedeutet der Trend mehr Kontrolle über Abstimmungsentscheidungen, aber auch höhere interne Kosten und Verantwortung.
